Linktipp: Gegen die kommerzielle Verblödung der Fotografie!

Typische Lektüre von Amateurfotografen

Typische Lektüre von Amateurfotografen

Vor einiger Zeit habe ich die Bücher „Wie man ein großartiger Fotograf wird“ und „Fotografie mit Leidenschaft“ von Dr. Martina Mettner im Fotofeinkost Verlag gelesen, die mich stark zum Nachdenken gebracht haben.
Diese Bücher lesen sich nicht leicht. Nicht deswegen, weil sie schwer zu verstehen, sondern weil sie schwer zu verdauen sind. man bekommt als Fotograf einen Spiegel vorgehalten, und das was man darin sieht, gefällt einem vielleicht nicht ganz. Dann gibt es zwei Arten von Menschen. Die einen werden sich angegriffen fühlen, werden sich abwenden oder gar dagegen ankämpfen. Die anderen werden nachdenken, reflektieren und aus diesen Texten lernen.

Vor kurzem bin ich auf den Blog „Photosubversive – Gegen die kommerzielle Verblödung der Fotografie!“ gestoßen, der wohl schon von Anfang an für viel Aufsehen gesorgt hat.
Der Blog wird anonym geführt (verständlicherweise, wenn man den Blog und vor allem die Kommentare dazu liest), und besteht aus 35 Artikeln (unter jedem Artikel ist der Link zum nächsten Artikel).

Der Blog ist recht radikal geschrieben, enthält so einiges an Polemik und ist teilweise auch ordinär, aber die Botschaft, die Kern des Blogs ist, ist nach meiner Meinung vollkommen korrekt.

Der Autor stellt die These auf, dass die heutige Fotografie fast vollkommen von Industrie und Werbung und nicht durch Kreativität geprägt und vorgegeben wird. Und er erklärt auch ganz einleuchtend, warum das so ist.
Auch hier wird dem Leser ein Spiegel vorgehalten, nur dass der Spiegel noch viel näher dran ist, als der in den Büchern von Dr. Martina Mettner. Man sieht jede Pore, jede Falte und jeden Pickel. Das mag nicht jeder. Die Kommentare zu den Beiträgen sind auch lesenswert. Leider kann man nicht alle Kommentare lesen, weil der Autor viele davon gelöscht hat/löschen musste. Ist aber auch verständlich bei so einem kontroversen Thema.
Der Blog wurde auch in vielen Foren heiß diskutiert. Doch aufgrund der hitzigen Debatten (und vielleicht auch aus Angst Werbekunden zu verlieren, die der Autor annimmt) wurden viele dieser Diskussionen geschlossen oder sogar gelöscht.

Ich empfehle denjenigen Hobby-Fotografen, die sich nicht nur technisch sondern vor allem inhaltlich verbessern wollen, diesen Blog komplett zu lesen. Es lohnt sich. Aber bitte nicht einfach nur lesen, sondern auch darüber nachdenken und reflektieren. Das wird anfangs sicher etwas weh tun. Man erkennt sich sehr schnell selbst in den Negativ-Beispielen und tendiert schnell zu einer Abwehrhaltung. Wenn man das aber überwindet und versucht das Ganze objektiv zu sehen, dann wird man davon profitieren.

Wer hier aber Schritt-für-Schritt-Anleitungen erwartet, der wird enttäuscht. Der Autor zeigt auf, was schief läuft, gibt jedoch wenig Hinweise, wie es besser laufen könnte. Und das ist auch gut so. Denn das ist Teil des kreativen Prozesses. Würde einer Vorgaben machen, dann wäre das wieder nicht besonders kreativ.
Man lernt hier hauptsächlich, wie man es nicht machen sollte. Den „richtigen“ Weg muss jeder für sich selbst finden und dann auch noch beschreiten.
Hört sich nach Arbeit an 😉 Aber von Nix kommt Nix und alles, was einfach war, hat wenig Wert.