Berlin 2015 – Der verschliffene Diamant – Part 2

Alexanderplatz Berlin

Alexanderplatz Berlin

Ebenso wie in Hamburg kann man in Berlin an alternativen Stadtführungen teilnehmen, die einem interessante Ecken abseits der üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten zeigen.
Wir meiden normalerweise solche geführten Touren, und fühlten uns auch diesmal nicht ganz wohl in unserer Haut. Man läuft in einer Gruppe und ist schon vom Weiten aus als gemeiner Touri erkennbar. Als würde man durch einen Zoo laufen, wobei die Frage unbeantwortet bleibt auf welcher Seite des Gitters man sich befindet. Wenigstens haben wir es auch in dieser Stadt geschafft diese City Tour Busse nicht zu nutzen. Die meiste Zeit waren wir zu Fuß oder mit der Bahn unterwegs. Und da fällt einem schon der zweite große Unterschied zu Köln auf. Die Stadt ist wesentlich breiter angelegt. Schöne breite Straßen, breite Bürgersteige und viele Parkplätze, auch wenn der Berliner das vermutlich nicht so sieht. Aber verglichen mit Köln sind es viele Parkplätze.

Aber zurück zu der alternativen Stadtführung. Treffpunkt war am Fernsehturm am Alexanderplatz. Eine Gruppe von ca. 15 Personen wurde von einer Studentin aus Australien angeführt. Eine Australierin macht Führungen in der Deutschen Hauptstadt. Ja, und das auf englisch, denn ausser Simone und mir kamen alle Teilnehmer aus dem Ausland. War aber alles gut, denn sie sprach sehr deutlich, musste aber oft gegen die laute Stadt anbrüllen.
Der Anfang war für uns beide nicht so spannend, da vieles erzählt wurde, was man als Deutscher eh schon weiß. Spannend war es, wie Fremde uns Deutsche sehen. Unsere Führerin wies die Teilnehmer eindringlich und mehrfach darauf hin nicht auf Radwegen zu laufen oder über rote Ampeln zu laufen, auch wenn gerade kein Auto kommt, sonst werden sie von den Deutschen angeschrien. Aber um 10 Uhr morgens Bier auf der Straße trinken ist ganz normal. Die Deutschen und ihre Regeln 😉

Die ersten Stationen der Tour waren, wie gesagt, nicht so spannend, da es um die Geschichte Berlins, insbesondere die Teilung zwischen Ost und West ging. Kennen wir schon, aber für so manche anderen Besucher ist das etwas völlig Neues. Ich vermute auch, dass viele es trotzdem nicht verstanden haben.

Der zweite Teil der Tour war schon deutlich spannender. Es ging um Berlin nach der Wende, über die Entstehung dieser Freiheit, die viele Berliner so lieben, über Streetart und über Gentrifizierung. Vor allem mit Letzterem hat Berlin massiv zu kämpfen.

Die erste kurze Pause haben wir in einem niedlichen kleinen Laden gemacht, der sich auf Mate Tee spezialisiert hat. Dort konnte man etwas über Mate erfahren und natürlich auch kaufen. Hört sich jetzt ungewöhnlich an, aber in Berlin ist es schwierig ein Getränk ohne Mate zu bekommen. Das Zeug ist überall drin. In Klassiker Club Mate, in Limonaden, in Cola, ja sogar im Wein. Verrückt.

Die zweite, diesmal etwas längere Pause haben wir am berühmten Currywurst Stand Konnopke’s Imbiss gemacht. War ganz lecker und auch scharf (wir haben „sehr scharf“ bestellt), umgehauen hat es mich aber nicht.

Konnopke's Imbiss

Konnopke’s Imbiss

Wir besuchten kurz die East Side Gallery und gingen dann zu YAAM in Kreuzberg, wo ich eh mal hin wollte. Das war genau nach meinem Geschmack. Entspannte und kreative Menschen, tolle Freizeitmöglichkeiten und ein herrlich duftendes Essen. Hier wäre ich gerne länger geblieben.

Weiter ging es zum berühmten „Baumhaus an der Mauer“ von Osman Kalin. Der alte Mann türkischer Abstimmung hat damals an einer Ecke der Mauer ein Baumhaus und einen Garten aus dem Abfall, wie z. B. alten Möbeln gebaut. Diesen Garten konnte jeder mit nutzen. Einiges von dem Gemüse wird an die benachbarte Schule gespendet.
Überhaupt gibt es in den Stadtteilen viel Zusammenhalt. Das merkt man immer wieder, da sich die Menschen dort gemeinsam gegen die Gentrifizierung währen.

Baumhaus an der Mauer

Baumhaus an der Mauer

Nächste Station war das Künstlerhaus Bethanien, ein altes schönes Gebäude, welches eigentlich abgerissen werden sollte. Wie so viele leer stehende Häuser in Berlin nach der Wende wurde damals auch dieses Gebäude einfach besetzt und von der Gemeinde als Treffpunkt genutzt. Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts oder Herkunft haben dort etwas Tolles und Bewahrenswertes geschaffen.

Danach waren wir noch kurz auf dem Türkischen Markt, doch es fing heftig an zu regnen, und wir flüchteten in ein Cafe.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir natürlich noch die Bundesgeschäftsstelle der Piratenpartei, deren Mitglieder sich gerade auf den CSD vorbereiten. Was wir nicht wussten, die Bahnhaltestelle dafür war direkt vor dem neuen BND Gebäude. Was für ein hässliches Teil. Sieht aus, wie ein ultramodernes Gefängnis aus. Wir haben uns gefragt, wie das in Zukunft ablaufen wird. Dort sollen über 6000 Menschen arbeiten. Die werden doch auffallen. Egal ob sie mit der Bahn fahren oder mit dem Auto. Und Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes sind ja aus gegebenem Anlass nicht gerade beliebt (und das zurecht). Und das in einer Stadt, wie Berlin. Das wird noch interessant in Zukunft.

Irgendwie ist das für mich auch der krasseste Gegensatz Berlins. Auf relativ engem Raum findet man eine konservative, kalte, menschenverachtende und konzerngesteuerte Regierung und ihren Machtapparat in ihrem Elfenbeinturm, und dann sind da die einfachen Menschen, vor denen die eigene Regierung so viel Angst hat, dass sie die Menschen permanent überwachen lässt.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn eine Angela Merkel, oder irgendeiner der Minister sich mal herablassen würde, und einige Zeit in z.B. Kreuzberg ohne dem üblichen Drumherum, wie ausgesuchten Publikum, dass treudoof in Kameras winkt, verbringen würde. Was würde sie dort sehen? Vermutlich leider nicht das Gleiche, wie ich.

Hatten dann noch eine nette Unterhaltung mit den Piraten. Die betreiben dort eine Freifunk Anlage, welche unter anderem gerne von der Jugend intensiv genutzt wird. Kinder sitzen mit ihren Smartphones vor der Tür und haben Spaß.

Kids und ihre Smartphones

Kids und ihre Smartphones

Berlin 2015 – Der verschliffene Diamant – Part 1

Berliner Ampelmännchen

Berliner Ampelmännchen

Müde Gestalten im Neonlicht,
Mit tiefen Falten im Gesicht
Die Frühschicht schweigt, jeder bleibt für sich
Frust kommt auf, denn der Bus kommt nicht…
Und überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben
Jeder hat n‘ Hund aber keinen zum Reden
Ich atme ständig durch den Mund das ist Teil meines Lebens,
Ich fühl mich ungesund, brauch was Reines dagegen

Dies ist ein Auszug aus dem Lied „Schwarz zu blau“ von Peter Fox, in dem er von seiner Liebe zu Berlin singt. Und ich finde, er beschreibt es darin ganz gut, das was Berlin ausmacht. Es ist eine laute, dreckige und raue Stadt mit extremen Gegensätzen. Außerdem ist es eine der Städte mit der außergewöhnlichsten Geschichte der letzten Zeit.

Am besten ich fange ganz vorne an. Das erste, was einem auffällt, wenn man am Berliner Hauptbahnhof ankommt, sind die Unübersichtlichkeit und die vielen Treppen. Und das zieht sich eigentlich durch alle öffentlichen Verkehrsmittel durch. Treppen, Treppen und noch mehr Treppen.

Größtes Wandmural in Berlin

Größtes Wandmural in Berlin

Auf der Seite unseres Hotels ist das größte Wandmural Berlin zu sehen, welches auch wirklich sehr imposant ist.
Da unser Zimmer noch nicht ganz fertig war, ließen wir unser Gepäck im Hotel und gingen erst mal eine Kleinigkeit essen. Wir waren ja schon seit 5 Uhr auf den Beinen.
Direkt um die Ecke haben wir genau das Richtige gefunden. Ein niedliches Cafe in einem Altbau.

Da das Zimmer immer noch nicht fertig war, haben wir beschlossen zum KaDeWe (Kaufhaus des Westens) zu laufen. Auf dem Weg dahin fanden wir einen schönen urbanen Park fast direkt neben unserem Hotel. Viele Bäume findet man dort zwar nicht, dafür viel Platz, einige Sportanlagen für junge Leute und Eisenbahnbrücken.

Das KaDeWe ist eigentlich nichts anderes, als ein großes Kaufhaus, ähnlich dem Kaufhof in Köln. Uns interessierte besonders die Lebensmittel- und Feinkostabteilung. Eine wirklich sehr große Auswahl haben die da.
Dort haben wir auch mit Champagner auf Simones Geburtstag angestoßen.
Irgendwann forderten das sehr frühe Aufstehen und die Reise ihren Tribut.

Nach dem wir unser Zimmer bezogen haben, haben wir uns kurz frisch gemacht, und machten uns auf die Suche nach einem schönen Restaurant fürs Abendessen.
Gefunden haben wir das Riehmers. Ein schönes kleines und ruhiges Restaurant mit leckerem Essen. Ein schöner Abschluss für Simones Geburtstag.

Paris 2015 – Instant

Sacre Coeur auf Impossible SX-70 Color

Sacre Coeur auf Impossible SX-70 Color

Dies hier ist nun mein Letzter Beitrag zum Thema Paris 2015.
Wie schon erwähnt, hatte ich auch meine Polariod SX-70 mit, und habe dort auch ein wenig damit fotografiert (wenn ich mal dran gedacht habe).

Die Kamera ist 40 Jahre alt, die Filme nicht original von Polaroid (gibt es ja nicht mehr). Daher sind die Ergebnisse eher durchwachsen. Habe in Paris einen kleinen Foto-Laden gefunden, der sich auf analoge Fotografie spezialisiert hat. Fand ich sehr schön übrigens.

Paris 2015 – Breakdancer

Breakdancer in Paris

Breakdancer in Paris

Im Prinzip ist mein Bericht über Paris 2015 abgeschlossen. Ich habe mich aber dazu entschlossen noch zwei Artikel auszukoppeln, um die bisherigen Artikel zu dem Thema nicht noch mehr zu überfrachten.

Dies ist die erste Auskopplung und behandelt ein Ereignis vom Samstag als wir einen Teil des Nachmittags am Centre Pompidou verbracht haben.
Vor dem Strawinski-Brunnen befindet sich ein Platz mit flachem Boden. Am Samstag waren dort ein paar junge Männer, die eine Breakdance-Vorführung veranstaltet haben. Ich habe nicht wirklich viel Ahnung von der Materie, aber ich habe schon einige Vorführungen auf Wettbewerben auf YouTube gesehen, und die Jungs in Paris waren jetzt nicht schlecht, aber auch nicht besonders herausragend.
Aber das ist auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass die Jungs Spaß und auch das Publikum Spaß hatte. Die Jungs hatten die Gelegenheit vor Publikum aufzutreten und ein wenig Geld zu sammeln, und das Publikum hatte was zum Gucken.

Ursprünglich wollte ich nur ein Bild davon machen. Aber wie das mit digitaler Fotografie ist, man macht in der Regel doch mehrere Bilder, um eine Auswahl zu haben und sich am Ende fürs Beste zu entscheiden. Die Vorführung dauerte nicht besonders lange (oder ich merkte nicht, wie die Zeit verflog), so dass ich fast die ganze Zeit kurz vor und während der Vorführung fotografiert habe.

Die Jungs standen so, dass sie die Sonne im Rücken hatten, also die Zuschauer quasi gegen’s Licht schauen mussten. Viele Fotografen mögen das nicht. Ich bin aber nicht viele, ich mag so etwas. Schon beim Fotografieren hatte ich sehr kontrastreiche Schwarzweiss-Bilder von der Szene im Kopf.

Bei der Auswertung der Bilder zu Hause stellte ich fest, dass unerwartet fast alle Bilder zumindest technisch ganz gut geworden sind. Unerwartet deswegen, weil erfahrungsgemäß Kameras und Objektive bei Gegenlicht oft ihre Probleme haben. Und meine Fujifilm X100s, mit der ich die Bilder gemacht habe, hat ein weitwinkliges Objektiv und eine recht kleine Streulichtblende (auch Gegenlichtblende). Beides Faktoren, die unerwünschte Lichteffekte begünstigen.
Aber ich habe mich getäuscht. Die Bilder sind technisch gut geworden, und haben noch viel mehr Zeichnung, als ich es vor Ort erwartet habe.

Beim Aussortieren konnte ich mich schwerlich für ein oder zwei Bilder aus der ganzen Reihe entscheiden. Mir ist außerdem aufgefallen, dass, wenn man sich die Bilder relativ schnell hintereinander anschaut, daraus eine Art Bewegungsstudie entsteht, die auch narrativ ist. Eigentlich logisch, aber zugegeben, vor Ort habe ich darüber nicht nachgedacht. Ziel waren ja ursprünglich auch nur ein oder zwei Bilder als Ergebnis.

Ach ja, normalerweise gebe ich Leuten auf der Straße höchst selten Geld, aber die Bilder waren es mir wert.

Paris 2015 – Part 3

Im Fenster vom Louvre

Im Fenster vom Louvre

Der Sonntag begann auch recht entspannt. Erst mal gemütlich frühstücken, dann überlegen, was man unternehmen kann.
Nach dem Frühstück ist die ganze Gruppe zu einem Wochenmarkt gegangen, der sich aber nicht wirklich von unseren Wochenmärkten unterschieden hat. Mehr oder weniger alle fanden das nicht so spannend, und so ging es recht schnell weiter zum Louvre, dem berühmten Museum, in dem man unter anderem die Mona Lisa bestaunen kann.

Da wir unseren Zug am Nachmittag besteigen mussten, hatten wir keine Zeit das Museum zu besuchen. Macht nichts, ich war da schon mal drin. Für dieses Museum braucht man eigentlich eh mehrere Tage.
Aber um das Museum herum ist auch einiges los. So richtig spannend war aber auch das nicht wirklich. Ich habe dann, um etwas Zeit tot zu schlagen einfach die Touristen bei ihren touristischen Tätigkeiten fotografiert.

In der Nähe des Museums haben wir dann unser Mittagessen in einem schönen Bistro zu uns genommen. Das Essen war wirklich sehr gut, der Service auch, und das zu humanen (pariser) Preisen.

Danach ging es noch mal zum Centre Pompidou, da sich die, die am Vortag nicht dabei waren, selbst ein Bild machen wollten.
Es ist erstaunlich, wie sich so ein Ort innerhalb weniger Stunden von der Atmosphäre wandeln kann. Oberflächlich schien es gleich zu sein, doch wenn man genauer hinsah, erkannte man, dass es doch wesentlich ruhiger zu ging. Mag sein, dass es daran lag, dass es Sonntag Mittag war, und die Pariser sich vom Vorabend erholten.
Trotzdem gab es wieder einige schöne Fotomotive. Ansonsten haben wir es uns hier und da gemütlich gemacht und die Sonne genossen.

Wir waren so entspannt, dass jeder von uns die Zeit aus dem Blick verloren hat. Plötzlich große Aufregung. Unser Zug fährt bald ab, und wir müssen noch unsere Koffer, die wir im Hotel deponiert haben, abholen. Also schnell zur Metro, dann zum Hotel, Koffer schnappen und wieder zur Metro rennen. Die Fahrt zum Bahnhof Gare du Nord zog sich, und die Teilnehmer wurden immer nervöser. Hinzu kam, dass es mittlerweile ziemlich warm war, so dass man ganz schön ins Schwitzen kam.

Am Bahnhof angekommen rannten wir zu den Gleisen. Den Thalys sah man dann recht schnell, den dieser Bahnhof ist ein Kopfbahnhof. Wir rannten den Zug entlang. Plötzlich bleibt Simone stehen und liest sich ein Schild auf dem Zug durch. Dort steht, dass der Zug nach Amsterdam fährt, also der Falsche für uns ist. Auf Nachfrage erfahren wir, dass unser Zug auf dem gleichen Gleis steht, nur weiter vorne. Also rannten wir weiter. Schließlich haben wir den Zug mehr oder weniger fast auf die Minute pünktlich erreicht. Das war ganz schön knapp. Unserem Organisator sind ganze Felsblöcke vom Herzen gefallen.
Die Rückreise war dann sehr entspannt und unspektakulär.

Gospelchor

Gospelchor

Dieser Zug bringt uns heim

Dieser Zug bringt uns heim

Das ist zwar nicht der letzte Beitrag zum Thema FAB Exkursion Paris 2015 (es werden noch zwei Beiträge mit speziellen Themen folgen), aber der letzte Teil, der sich nur um die Reise an sich dreht.
Daher ist es nun an der Zeit ein Fazit zu ziehen.
Wie bereits erzählt, war ich schon mal vor ca. 8 Jahren in Paris. Damals allerdings noch nicht wirklich fotografisch unterwegs. Damals war ich etwas enttäuscht. Nicht weil die Stadt schlecht wäre, sondern weil ich ganz andere Erwartungen hatte. Diese Erwartungen kamen von Erzählungen, TV-Sendungen, Berichten, Filmen etc.

Ich fand es damals sehr laut (ja, ich weiß, ist eine Großstadt). In den viel gelobten Straßencafés konnte man sein eigenes Wort nicht verstehen, weil der Verkehr so stark war und fast überall Kopfsteinpflaster ausgelegt war.
Diesmal hatte ich das Gefühl, dass der Verkehr nicht so stark war, und es mehr asphaltierte Straßen gab.

Die Menschen damals fand ich auch eher arrogant und abweisend. Und das vor allem da, wo man das Gegenteil erwarten würde, also in Service-Bereichen, wie Einzelhandel oder Gastronomie.
Doch das hat sich, zumindest etwas geändert. Mittlerweile können die meisten Angestellten in diesen Bereichen wenigstens ein wenig Englisch. Damit und mit Simones gutem Schul-Französisch sind wir ganz gut zurecht gekommen. Aber getrennte Rechnungen kriegen die immer noch nicht hin. Wenn man mit 11 Leuten zusammen in einem Restaurant isst, dann gibt das immer Chaos, wenn man am Ende nur eine Gesamtrechnung bekommt. Ist auch nicht besonders clever von den Service-Kräften, denn mit Einzelrechnungen würden sie mehr Trinkgeld bekommen.

Paris ist eine Großstadt und die Hauptstadt einer der größten Volkswirtschaften der Welt. Dennoch hat man eher das Gefühl in einer fast mediterranen Stadt zu sein, zumindest wenn die Sonne scheint. Irgendwie ist es das Licht und die lässige Atmosphäre, die es besonders machen. Die viele Häuser haben wunderschöne Fassaden, die meist weiß oder sandsteinfarben sind. Bei schönem Wetter ergibt das ein schönes warmes Licht.

Ach ja, wir haben ja im Foto-Club Mitglieder, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Sie waren zwar nicht mit, aber man achtet dann schon mal hin und wieder auf deren Belange. Paris ist so gar nicht barrierefrei. Hohe Bordsteine und wie man mit einem Rollstuhl zur Metro kommen soll, ist mir auch schleierhaft. Vielleicht gibt es da aber alternative Möglichkeiten.

Alles in Allem hat es mir diesmal wesentlich besser gefallen. Meine Lieblingsstadt ist Paris aber dennoch nicht. Nicht mal die europäische Lieblingsstadt. Mit Amsterdam hat es aber auch eine sehr starke Konkurrenz.

Paris 2015 – Part 2

Panorama vom Place des Vosges

Panorama vom Place des Vosges

Der Samstag startete mit bestem Städtetrip-Wetter. Sonnenschein, blauer Himmel mit ein paar Wölkchen, eine frische Brise und nicht zu heiß.
Auch das Frühstück war überraschend gut. Normalerweise war ich es in Frankreich gewohnt nur Croissants und Marmelade zu bekommen. Wir hatten auch Baguettes, Toast und Körnerbrötchen. Dazu auch Schinken und Käse.

Nach dem Frühstück sind alle zusammen los gegangen. Zuerst haben wir einen botanischen Garten (Jardin des Plantes), ähnlich der Flora in Köln, besucht. War ganz nett, aber nicht besonders interessant.

Wir liefen weiter zu einer hübschen kleinen Straße (Rue Cremieux), die aber auch eher langweilig war. Dort zeichnete sich ab, dass einige Teilnehmer nicht so viel laufen konnten oder wollten, so trennten wir uns. Simone führte, als lebendes Navi, Klaus und mich an. Der Rest bestieg die Metro zu anderen Zielen.

Rue Cremieux und ich

Rue Cremieux und ich

An der Seine fanden wir einen Antikmarkt. Simone war schon halb drin, wurde jedoch von einem „Türsteher“ zurück geholt, der uns zu Verstehen gegeben hat, dass man dafür Eintritt zahlen muss. Sehr merkwürdig, aber naja. Wir sind natürlich außen rum weiter gelaufen.

Nach einiger Zeit erreichten wir den Place des Vosges. Dieser Platz hat es mir auf Anhieb angetan, da er mich ein wenig an die Parks und begrünten Plätze in Köln im Sommer erinnert hat. Nur schicker. Der Platz selbst ist sehr symmetrisch aufgebaut. In der Mitte befindet sich eine Statue, darum sind Bäume, und darum sind Grünflächen. In den vier Ecken des Platzes standen sehr schöne Brunnen. Umringt ist der Platz von einer Straße und einer Reihe von alten Häusern. Auf den Grünflächen genossen die Menschen das schöne Wetter, Kinder tollten umher, und mittendrin wir. Der perfekte Ort für eine Pause.
Ich mag so etwas, denn dabei kommen oft die besten Fotos raus. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man für gute Bilder in einer solchen Umgebung, die Situation erst mal auf sich wirken lassen sollte. Einfach um die Atmosphäre in sich aufzunehmen und und ein Teil davon zu werden. Dann fallen einem plötzlich ganz viele Motive auf, die man beim Vorbeilaufen überhaupt nicht sehen konnte.
Ich hätte den ganzen Tag da bleiben können. Doch die Zeit drängte, und wir liefen weiter zum und durchs angesagte Viertel Le Marais.

Das hat uns auch richtig gefallen. Natürlich tummelten sich da nicht wenige Touristen rum, aber man traf dort, wie auf dem Place des Vosges, sehr viele Einheimische. Wir suchten uns ein nettes Bistro aus, und aßen zu Mittag. Das Essen war gut, der Service auch. Dort habe ich mir das teuerste Bier meines Lebens gegönnt. Für 0,5l Affligem Blonde habe ich 11,60 € bezahlt. Paris ist halt teuer, und 0,5l Bier bekommt man dort im Restaurant kaum unter 8 €. Aber das war schon heftig. Aber Affligem (das Dubbel, nicht das Blonde) ist mein Lieblingsbier aus Belgien, und der Tag war so schön, da wollte ich nicht geizen.

Affligem in Paris

Affligem in Paris

Kellner in einem Bistro in Le Marais

Kellner in einem Bistro in Le Marais

Nach dem Essen erkundeten wir weiter das schöne Viertel. Hier und da standen verschiedene Künstler, und versuchten Aufmerksamkeit zu erregen. Straßenmusikanten, sogar eine Opernsängerin und eine junge italienische Fotografin, die ihre Bilder einfach mit Tesafilm an eine Häuserwand klebte, um sie so für den Verkauf zu präsentieren.
Wir kamen ins Gespräch mit ihr, Klaus kaufte ihr sogar drei Bilder ab, und als ich meine 40 Jahre alte Polaroid SX-70 rausholte, war sie hin und weg.

Weiter ging’s. Wir gingen zum Centre Pompidou, dem weltberühmten Kunstmuseum, dessen Ableger ich bereits in Metz besucht habe. Natürlich hatten wir keine Zeit das Museum selbst zu besuchen, obwohl ich das liebend gern gemacht hätte. Aber bei nicht mal drei Tagen war das einfach nicht drin.
Aber um das Museum herum gab es schon mehr als genug zu sehen. Auf dem großen Vorplatz gab es wieder verschiedene Straßenkünstler. Einer machte eine Show für und mit den Zuschauern, ein anderer machte riesige Seifenblasen, wiederum andere machten mit Klebeband ein Kunstwerk auf den Boden.
Seitlich des Museums gab es noch zwei andere Plätze. Auf dem einen stand ein selbstreinigendes öffentliches Klo. Sehr ulkig. Dort war auch ein Graffiti-Künstler, der einfach Klarsichtfolie zwischen zwei Bäumen aufgespannt hat, und das als „Leinwand“ genutzt hat.
Auf dem Platz neben dem Strawinski-Brunnen haben Break-Dancer ihre Show abgezogen (dazu werde ich einen gesonderten Blogbeitrag schreiben) und einige Jungs Fußball gespielt. Das fand ich sehr schön, denn so kam dort Jung und Alt zusammen und es gab viel Abwechslung. Ich glaube nicht, dass so etwas in Deutschland möglich wäre.
Auch hier haben wir eine Pause eingelegt, und alles auf uns wirken lassen. Ich wäre gerne länger geblieben, aber wie immer, die Zeit war unerbittlich.

Wir fuhren mit der Metro zum ausgemachten Treffpunkt, der berühmten Kirche Sacré Coeur. Die Kirche ist zwar wunderschön, aber dort war es einfach furchtbar. Ein Tsunami aus Touristen. Man hatte das Gefühl, man wäre am Kölner Hauptbahnhof, nachdem der FC gespielt hat.

Blick von Sacré Coeur runter auf Paris

Blick von Sacré Coeur runter auf Paris

Klaus in Aktion

Klaus in Aktion

Sacré Coeur und die Touris

Sacré Coeur und die Touris

Wir sind ganz schnell geflüchtet, und suchten uns ein altes und interessantes Café aus, um uns mit einem kalten Bier zu erfrischen.
So etwas habe ich auch noch nicht gesehen. Das Café sah von innen aus, als hätte es ziemlich wilde Zeiten durchlebt. Vor allem Türen und Fenster waren arg mitgenommen. Aber das gefiel mir sehr. Dort lief auch ein ziemlich betrunkener Kerl rum, der als Cowboy verkleidet war, und plauderte mit vielen Menschen. Plötzlich tut sich der Boden direkt vor dem Eingang auf, und ein Aufzug fährt hoch mit dem Getränke und Leergut aus oder in den Keller transportiert werden. Irgendwie lustig.

Nach dem Bier haben wir uns mit dem Rest der Teilnehmer getroffen und machten uns auf die Suche nach einem Lokal fürs Abendessen. nach einer kleinen Wanderung wurde es schließlich eine Pizzeria. Das Essen war gut, sonst nichts Besonderes.
Nach dem Essen sind wir zum Tour de Montparnasse gefahren. Es ist ein Hochhaus mit einem Aussichtspunkt. Doch selbst spät abends gab es dort eine Schlange, die sich kaum fort bewegte. Außerdem kostete der Eintritt 15 € pro Nase. Dafür bekomme ich ja schon fast 1,5 Bier 😉
Wir haben uns alle entschieden darauf zu verzichten.
Wir liefen von da aus zu Fuß zurück zum Hotel. Angeblich nur 2 km, aber es kam allen viel länger vor.
Erschöpft haben wir uns noch einen kleinen Absacker im Café vorm Hotel gegönnt, und uns gegenseitig die Erlebnisse des Tages erzählt.

Gare du Nord

Paris 2015 – Part 1

Gare du Nord

Gare du Nord

Wie jedes Jahr hat die FAB auch dieses Jahr eine Jahresexkursion unternommen. Für 11 Mitglieder war diesmal Paris das Ziel.
Ich habe lange überlegt, ob ich mitfahren soll, da ich schon mal vor ca. 8 Jahren in Paris war, und nicht so begeistert war. An sich eine interessante Stadt, aber ich hatte irgendwie andere Erwartungen.
Diesmal hatte ich keine besonderen Erwartungen, da ich ja schon mal da war. Außerdem war der Zweck meiner Reise ein anderer.
Doch diesmal war irgendwie alles anders. Aber dazu später mehr.

Auch dieses Mal sind wir mit dem Thalys gefahren. Die Preise sind ok, man sitzt relativ gemütlich und ist in 4 Stunden mitten in Paris. Die Reise war sehr entspannt und ohne besondere Ereignisse.

In Paris angekommen ging es in die Metro um zum Hotel zu kommen. Von der Metro-Station mussten wir noch ein wenig zum Hotel laufen. Auf dem Weg da hin hörten wir plötzlich Schreie. Diese kamen von einem Tumult auf einer Kreuzung. Recht schnell eskalierte der Tumult zu einer ausgewachsenen Schlägerei zwischen einem Taxi-Fahrer und einem Moped-Fahrer. Zwei Passanten sind dazwischen gegangen und bekamen auch ordentlich was auf die Nase. Die Leute waren vollkommen außer sich.
Ich habe das absichtlich nicht fotografiert, ist nicht so mein Ding.

Das Hotel lag in einer ruhigen Straße, die Zimmer waren nichts Besonderes, aber ok. Da wir nur zum Schlafen da sein würden, war das auch nicht so wichtig. Aber kein Vergleich zu den Hotels in Vietnam. Sowohl was Ausstattung, Service und auch Preis anbelangt. Aber das ist nun mal Paris. Da ist alles irgendwie teuer.

Nach dem Einchecken gingen wir schon mal los um die Gegend zu erkunden und nach einem Lokal fürs Abendessen Ausschau zu halten. In dem Viertel gab es eine schöne Straße mit netten Geschäften, die auch recht belebt war. Nach einigem Hin und Her haben wir uns schließlich für ein Restaurant entschieden. Es roch dort zwar etwas merkwürdig, und es war recht schräg dekoriert, der Service war aber ok. Als wir alle unser essen hatten, macht es auf ein Mal PAFF! und es wurde dunkel. Stromausfall. Trotz vieler Bemühungen verschiedener Personen gab es dort an dem Abend keinen Strom mehr. Wir hatten unser Essen schon, war uns also egal. Bis auf Simone. Simone hat sich ein Raclette bestellt, welches natürlich mit Strom betrieben wurde.

Gestärkt machten wir uns weiter auf den Weg, diesmal Richtung Seine und Notre Dame. Es kam, wie es früher oder später kommen musste, irgendwie haben wir uns gegenseitig aus den Augen verloren. Ich gehörte zu einer kleinen Gruppe von vier Personen. Macht nix, so liefen wir einfach weiter, kehrten zwischendurch in einer Kneipe auf ein Bier ein, und liefen zurück zum Hotel.

Und das war’s auch schon mit dem ersten (halben) Tag in Paris. In Kürze mehr…