Jadebusen in Wilhelmshaven

Ostfriesland 2016: Die Macht des Mondes

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Jadebusen in Wilhelmshaven

Jadebusen in Wilhelmshaven

Viele Menschen haben mir schon gesagt, dass ich an ungewöhnlichen Orten Urlaub mache. Und damit meine ich nicht so etwas, wie meinen Trip durch Vietnam. Auch wenn dieses Ziel für die meisten Deutschen sehr exotisch ist, ist es heutzutage schon Mainstream weit weg, oder zumindest irgendwo in die Tropen ans Meer zu fliegen.
Ich hingegen mache hin und wieder Urlaub an Orten, die früher beliebte Urlaubsziele waren (und es teilweise noch sind) wie z.B. Mosel oder Teutoburger Wald.

Dieses Jahr sollte es eigentlich nach Island gehen, doch es kam anders. Aus persönlichen Gründen haben wir uns für Ostfriesland an der Nordsee entschieden. Ja, ich weiß, wie kommt man von Island ausgerechnet auf Ostfriesland? Glaubt mir, ich habe gute Gründe. Und Island ist nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Irgendwann werde ich auch dahin fahren.

Ich muss zugeben, ich war anfangs sehr skeptisch. Ostfriesland ist nicht gerade dafür bekannt besonders aufregend zu sein. Beliebt ist es eher bei Familien mit ganz kleinen Kindern oder älteren Menschen, die eben keine Aufregung, sondern Ruhe in einer klassisch pittoresken Landschaft suchen. Aber genau das haben wir gesucht, und letztendlich auch bekommen.

Wer es nicht kennt, Ostfriesland ist eine Landschaft im äußersten Nordwesten Deutschlands, direkt an der Nordsee. Das Besondere an dieser Landschaft ist, dass die Landschaft und das Meer sehr platt bzw. flach sind. Ein Einheimischer sagte mir dazu ein lokales Sprichwort: Man weiß schon am Samstag, wer Sonntag zu Besuch kommt.
Durch die geringe Tiefe der Nordsee an dieser Stelle zieht sich das Meer hunderte Meter, mancherorts gar Kilometer weit zurück, wenn Ebbe einsetzt. Dabei wird der Meeresboden freigelegt und man kann ihn begehen. Diese besondere natürliche Region nennt man auch Watt. Das Land wurde und wird hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt und ist eher durch kleinere Ortschaften geprägt. Besonders typisch sind auch die vielen großen Windräder zur Energiegewinnung.

Windräder

Windräder

Windräder

Windräder

Untergekommen sind wir in Carolinensiel, einem kleinen Ort mit einem kleinen alten Hafen, der nun als Museum dient. Im Hafen findet man Boote, wie man sie früher zum Transport und zur Fischerei genutzt hat. Der Ort besteht überwiegend aus den für Ostfriesland typischen kleinen, roten Backsteinhäusern. Das sieht alles sehr hübsch aus, doch hat man ein wenig das Gefühl in einem Geisterdorf zu wohnen. Spaziert man nämlich durch den Ort, dann sieht man an den Schildern an den Häusern, dass diese meistens Ferienhäuser sind, oder Ferienwohnungen enthalten.

Es ist schon irgendwie merkwürdig, wenn man an den Strand kommt, und da ist weit und breit kein Meer. Wir sind dann ins Watt gelaufen, allerdings nicht wie meistens üblich barfuß, sondern in Gummistiefeln, denn es war noch sehr kalt. Ich habe einige Fotos gemacht, und merkte aus den Augenwinkeln, wie eine kleine Welle meine Stiefel umspülte, und dachte mir nichts dabei. Doch meine Partnerin meinte nur „Lass uns gehen, die Flut kommt“. Ich wollte gerade entgegnen, dass das doch nur eine kleine Welle sei, die sich gleich zurückzieht. Doch sie behielt Recht. Es dauerte nur einige Sekunden, und ich musste zurück weichen, sonst wären meine Stiefel voll gelaufen. Ich habe schon davon gehört, dass Menschen das unterschätzt haben und ertrunken sind. Wie schnell das geht und wie gefährlich das sein kann, zeigt diese kurze Dokumentation.

Zurück am Ufer haben wir den einzigen Nachmittag mit schönem Wetter genossen. Die typischen Strandkörbe wurden gerade erst aufgebaut und waren überwiegend geschlossen.

Ich machte ein paar Fotos und wollte auch die üblichen Langzeitaufnahmen am Meer machen. Da im Meer nichts mehr zu sehen war, was interessant genug gewesen wäre es zu fotografieren, habe ich meine Partnerin auf die Treppe gesetzt. Später haben wir das Spiel umgedreht, und ich habe mich auf die Treppe gestellt. Dabei wollte ich, dass es wirkt, als stünde ich im Wasser (was ich ja teilweise auch tat). Das erste Foto ging gut, war aber noch nicht wirklich zufriedenstellend. Beim zweiten Foto stand das Wasser aber bereits so hoch, dass es mir irgendwann in den Stiefel lief. Zum Glück schien die Sonne, so dass ich meine Socken und Stiefel zum Trocknen auslegen konnte. Ich fotografierte weiter, doch nun barfuß.

Den Abschluss bildete ein kleiner Snack im Wattkieker: Bier und ein Kibbeling-Baguette mit Dillsauce. Ich bin absolut kein Fischesser, aber das war wirklich lecker.

Dreht man sich am Strand weg vom Meer hin zum Land, so sieht man oft erst mal einen langen grasbewachsenen Hügel. Dahinter sieht man nur Baumspitzen und Dächer von Häusern aufragen. Da auch das Land sehr flach ist, ist es in der Vergangenheit immer wieder zu zerstörerischen Überschwemmungen gekommen. Die Einwohner haben daher zum Schutz Dämme angehäuft, die im Volksmund Deich genannt werden.

An den anderen Tagen hatten wir leider nicht so viel Glück mit dem Wetter. Im April muss man zwar mit Wetterschwankungen rechnen, aber so kalt, dazu Schnee oder Hagel gepaart mit starkem Wind sind auch für diese Region und Jahreszeit ungewöhnlich. Man kann das aber nicht ändern und muss versuchen das Beste draus zu machen.
So sind wir in den Nachbarort Neuharlingersiel gefahren und haben versucht dem Wetter zu trotzen, was leider nicht immer gelungen ist. Wir sind sogar einmal ins Auto geflohen, weil Wind und Hagel so stark waren. Zum Aufwärmen sind wir dann in eine echt schöne Kneipe gegangen. Das Dattein bietet gute Waffeln, leckeren Tee und eine abgefahrene Inneneinrichtung. Daher wurde es schon mehrmals als Film-Location genutzt.
In Neuharlingersiel befindet sich auch ein kleiner Hafen, der auch mit alten Booten bestückt ist, diese jedoch nicht so alt sind, wie die in Carolinensiel. Hier handelt es sich um Krabbenkutter, die sogar noch im Einsatz sind.

Auf dem Rückweg nach Hause haben wir noch einen kleinen Umweg über Wilhelmshaven gemacht. Leider hatten wir keine Zeit für einen Besuch des Deutschen Marinemuseums, aber wir haben uns das wenigstens von außen angeschaut. Als wir über die Kaiser-Wilhelm-Brücke, einer großen Drehbrücke, den Hafen überquert haben, sind wir zu einem russischem Schulsegelschiff gekommen, als die Kadetten gerade von Bord gingen. Schon sehr imposant so ein Schiff.

Das war also unser kleiner Trip zur Nordsee. Alle Bilder wurden mit Fujifilm X-T1 (Classic Chrome Filmsimulation), XF 18-55mm, XF 14 mm f/2.8, XF 35 mm f/1.4, XF 56 mm f/1.2 und einem alten Carl Zeiss 85mm f/1.4 Planar gemacht.