Traben-Trarbach an der Mosel

Mosel 2015 – Nacktarsch feinherb

Traben-Trarbach an der Mosel

Traben-Trarbach an der Mosel

Wir hatten das schon seit mindestens 2 Jahren vor, hat aber bisher nicht geklappt. Wir wollten einen Wochenendtrip an die Mosel machen, und haben es nun endlich geschafft.
Es war deswegen nicht ganz einfach einen Termin/Unterkunft zu finden, weil wir diesmal nicht alleine unterwegs waren, sondern mit einigen Freunden.

Manch einer wird sich vielleicht wundern. Mosel? Ist das nicht so eine Friede, Freude, Eierkuchen, „Die-Zeit-ist-stehengeblieben“ Rentner-Fantasiewelt? Ja, ist es. Andererseits aber auch nicht. Es kommt halt drauf an, was man daraus macht. Tatsächlich glaube ich, dass wenn wir (Simone und ich) alleine dort gewesen wären, es ganz anders gelaufen wäre.

Der Trip begann für mich schon mal als Alptraum, denn ich musste an einem Wochenende früh aufstehen. Aber gut, wir sind ja nicht allein unterwegs und wollen ja auch was erleben. Zwei Tage sind schnell vorbei.
Gegen 10 Uhr morgens haben wir uns auf einem Parkplatz in der Nähe unserer Unterkunft in Traben-Trabach getroffen. Wir konnten noch nicht einchecken, also gingen wir erst Mal eine „Grundlage“ schaffen also gemütlich frühstücken im Café Wichtig.
Gestärkt ging es direkt zum Weingut Storck zur ersten Weinprobe des Tages. Peter Storck, der Senior-Winzer (wie es auf der Homepage heißt) hat uns so manchen guten Tropfen verköstigt. Weine, Liköre und Brände machten die Runde schon am Vormittag ausgelassen. Peter Storck ist außerdem auch ein guter Fotograf, der besonders gerne das Thema Weinanbau und Mosel behandelt. Zumindest nehme ich das an, denn alle Bilder, die er uns gezeigt hat, waren so.
Nach der Weinprobe gaben wir unsere Bestellung für den nächsten Tag auf (wir wollten ja auch Wein mit nach Hause nehmen), kauften noch Wein „to go“ und liehen uns Weingläser von Peter Storck. Damit ging es dann zu Fuß hoch zur Ruine der um 1350 erbauten Grevenburg, die über der Stadt thront.

Mit ordentlich Wein im Blut, Wein in der Hand und bei 30 Grad im Schatten stellte der steile Weg zur Burgruine schon eine Herausforderung dar. Diese Weinwanderung lohnte sich aber definitiv, denn dort oben erfährt man nicht nur etwas über die Geschichte des Ortes, sondern man hat auch einen schon fast kitschig-schönen Rundumblick über die Stadt und die Mosel.

Wieder unten angekommen, suchten und fanden wir die nächste Möglichkeit zu einer Weinprobe. Ich weiß gar nicht so genau, wo wir da waren, war aber eher so eine Touristenfalle. Nicht schlecht, aber auch nicht gut. Aber wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns ein Lokal fürs Abendessen und Möglichkeiten für Unternehmungen am Abend zu empfehlen zu lassen.
Gegessen haben wir dann in der Alten Zunftscheune. Ein sehr schönes Lokal mit gutem Essen. Als Abendaktivität wurde uns das Straßenfest in Kröv empfohlen.
Doch zuvor wollten wir uns noch etwas frisch machen und unser Apartment beziehen. Ähnlich wie schon bei der Burgruine gab es hier schon die ersten weinbedingten „Ausfälle“.

Kröv ist ein kleiner Ort an der Mosel, der vom Weinbau und Tourismus lebt. Also quasi so, wie fast jeder andere Ort an der Mosel. Das Besondere an dem Ort ist der Name der Weinanbaufläche des Ortes, der Lage. Sie heißt nämlich „Kröver Nacktarsch“. Es gibt mehrere Spekulationen, wie es zu dem Namen kam. Aber überall im Ort gibt es Bildnisse von Erwachsenen, die Kindern den nackten Hintern versohlen. So mancher Rentner wird sich an seine Kindheit erinnert fühlen 😉
Heute wird das natürlich für den Tourismus vermarktet.

Das Straßenfest war gut besucht, die engen Straßen und Gassen waren gut gefüllt. Hier und da spielte eine Band, und es gab natürlich reichlich Essen und Wein. Sogar ein Food-Truck mit Hamburgern (leider waren wir noch satt). Ich war aber erstaunt über die Preise. In einem Urlaubsgebiet, den vornehmlich ältere Leute (also solche die auch Geld haben) besuchen, habe ich deutlich höhere Preise erwartet. Wir haben schon ganz passablen Wein für 4 € die Flasche gekauft. 0,1 cl (wobei es jedes Mal mindestens 0,15 cl waren), also ein kleines Weißweinglas, kosteten zwischen 1,50 € – 2,00 €. Auch Liköre (natürlich kleinere Gläser) kosteten so viel (oder wenig).
Als wir so durchs Fest schlenderten, dachte ich mir, dass wir dort nicht alt werden. Es war zwar einiges los, aber die Musik war nicht so unsere, und das Publikum war doch schon weit fortgeschrittenen Alters.
Und dann kam Eddy Mars! Wir gingen an einem größeren Zelt vorbei, in dem viele ältere Leute wie wild schunkelten und lauthals mitsangen. Kenne ich sonst nur vom Karneval. Eddy Mars ist ein belgischer Entertainer und Sänger, der eine wilde Mischung an belgischen Schlagern live gesungen hat. Einerseits einfach nur trashig, andererseits wieder kultig. Wir haben da einige Zeit zugeschaut und einige von uns haben sogar bei einer Polonaise mitgemacht.

Mit frischen und vor allem kühlen Weinflaschen ausgestattet gingen wir runter zur Mosel, legten uns alle auf einen Steg und bewunderten die Sterne. Ja, die Sterne waren wirklich da, es lag nicht am Wein. lediglich über die Anzahl der gerade fliegenden Flugzeuge am Himmel gab es unterschiedliche Meinungen 😉
Das war zwar schön, machte aber auch müde, so dass wir wieder zurück zum Zelt von Eddy Mars gegangen sind und uns dort hingesetzt haben. Hier wurde dann weiter getrunken, geschunkelt und gefeiert. Im Grunde war es eine astreine Eskalation, sogar eine Bierbank musste dran glauben. Aus Rücksicht auf die Beteiligten gehe ich hier nicht näher ins Detail, aber es war irgendwie verrückt. Vor allem für diese Gegend.
Die Frau von der zweiten Weinprobe, die uns das Fest empfohlen hatte, war auch da. Sie hat sich zu uns gesetzt und ein wenig gequatscht. Das hat sie auch mehrfach gemacht und war, wie soll ich es ausdrücken, etwas sehr anhänglich. Ich scheine einen Schlag bei älteren Frauen zu haben, denn eine andere, vom Wein enthemmte Grazie fortgeschrittenen Alters hat es drei mal versucht. Natürlich erntete ich Spott und Gelächter von meinen Freunden, aber was soll’s, gehört dazu 😉
Zurück im Appartment haben wir zum Runterkommen noch eine Flasche Wein leer gemacht und sind dann (wein)seelig eingeschlafen.

Am Sonntag haben wir wieder im Café Wichtig gefrühstückt und haben uns dann auf eine Wanderung nach Bernkastel-Kues gemacht. Diesmal aber ohne Wein.
Es war heiß, es war anstrengend, aber es hat auch viel Spaß gemacht. Die Gespräche drehten sich natürlich über die Erlebnisse vom Vorabend.

Kurz vor Bernkastel-Kues haben wir noch die Gelegenheit genutzt, und sind in der >Waldschenke „Zur Eisernen Weinkarte“ eingekehrt. Etwas ungewöhnlich, da diese Waldschenke komplett im bayrischen Stil gehalten wurde. Das ging von der Deko, über die Musik und das Essen bis hin zur Bedienung im Dirndl. Ich habe mir eine Wildscheinbratwurst vom Grill mit superleckerem Preiselbeersenf gegönnt.
Die Schenke liegt noch recht weit oben im Weinberg über Bernkastel-Kues, so dass man von dort aus einen wunderschönen Ausblick hat.

Bernkastel-Kues selbst ist vielleicht etwas größer, als Traben-Trabach. Es ist aber definitiv touristischer. Wir bummelten durch die Stadt, besuchten einen Feinkostladen und aßen leckeres Eis.

Zurück ging es per Schiff. Eine ruhige und beschauliche Fahrt von zwei Stunden, die uns durch Weinberge und durch Schleusen führte.
Zweifelhafter Höhepunkt der Fahrt war die Baustelle des „Hochmoselübergangs“. Es handelt sich um eine im Bau befindliche Brücke über die Mosel. Brücken gibt es viele über die Mosel, aber diese Brücke wird gigantisch und sehr hoch. Und sie durchschneidet das malerische Moseltal mit ihrer Hässlichkeit. Derzeit wird noch an den Pylonen und am ersten Abschnitt gearbeitet, aber bereits dass lässt erahnen, was da noch kommt. Mir ist unbegreiflich, wie man so etwas machen kann.

Zurück in Traben-Trabach haben wir uns erschöpft in unsere Autos gesetzt, und sind heim gefahren.
Es waren nur zwei Tage. Eigentlich nur 1,5 Tage. Wir haben aber so viel erlebt (habe wie gesagt aus Rücksicht noch einiges weggelassen), dass es einem vorkommt, als wäre es eine Woche. Wir haben viel getrunken, viel gelacht, einfach eine gute Zeit gehabt.

Mosel, mach dich auf was gefasst! Wir werden zurück kommen.

Alle Bilder wurden mit der Fujifilm X100s gemacht.

Wein

Wein