Jadebusen in Wilhelmshaven

Ostfriesland 2016: Die Macht des Mondes

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Jadebusen in Wilhelmshaven

Jadebusen in Wilhelmshaven

Viele Menschen haben mir schon gesagt, dass ich an ungewöhnlichen Orten Urlaub mache. Und damit meine ich nicht so etwas, wie meinen Trip durch Vietnam. Auch wenn dieses Ziel für die meisten Deutschen sehr exotisch ist, ist es heutzutage schon Mainstream weit weg, oder zumindest irgendwo in die Tropen ans Meer zu fliegen.
Ich hingegen mache hin und wieder Urlaub an Orten, die früher beliebte Urlaubsziele waren (und es teilweise noch sind) wie z.B. Mosel oder Teutoburger Wald.

Dieses Jahr sollte es eigentlich nach Island gehen, doch es kam anders. Aus persönlichen Gründen haben wir uns für Ostfriesland an der Nordsee entschieden. Ja, ich weiß, wie kommt man von Island ausgerechnet auf Ostfriesland? Glaubt mir, ich habe gute Gründe. Und Island ist nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Irgendwann werde ich auch dahin fahren.

Ich muss zugeben, ich war anfangs sehr skeptisch. Ostfriesland ist nicht gerade dafür bekannt besonders aufregend zu sein. Beliebt ist es eher bei Familien mit ganz kleinen Kindern oder älteren Menschen, die eben keine Aufregung, sondern Ruhe in einer klassisch pittoresken Landschaft suchen. Aber genau das haben wir gesucht, und letztendlich auch bekommen.

Wer es nicht kennt, Ostfriesland ist eine Landschaft im äußersten Nordwesten Deutschlands, direkt an der Nordsee. Das Besondere an dieser Landschaft ist, dass die Landschaft und das Meer sehr platt bzw. flach sind. Ein Einheimischer sagte mir dazu ein lokales Sprichwort: Man weiß schon am Samstag, wer Sonntag zu Besuch kommt.
Durch die geringe Tiefe der Nordsee an dieser Stelle zieht sich das Meer hunderte Meter, mancherorts gar Kilometer weit zurück, wenn Ebbe einsetzt. Dabei wird der Meeresboden freigelegt und man kann ihn begehen. Diese besondere natürliche Region nennt man auch Watt. Das Land wurde und wird hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt und ist eher durch kleinere Ortschaften geprägt. Besonders typisch sind auch die vielen großen Windräder zur Energiegewinnung.

Windräder

Windräder

Windräder

Windräder

Untergekommen sind wir in Carolinensiel, einem kleinen Ort mit einem kleinen alten Hafen, der nun als Museum dient. Im Hafen findet man Boote, wie man sie früher zum Transport und zur Fischerei genutzt hat. Der Ort besteht überwiegend aus den für Ostfriesland typischen kleinen, roten Backsteinhäusern. Das sieht alles sehr hübsch aus, doch hat man ein wenig das Gefühl in einem Geisterdorf zu wohnen. Spaziert man nämlich durch den Ort, dann sieht man an den Schildern an den Häusern, dass diese meistens Ferienhäuser sind, oder Ferienwohnungen enthalten.

Es ist schon irgendwie merkwürdig, wenn man an den Strand kommt, und da ist weit und breit kein Meer. Wir sind dann ins Watt gelaufen, allerdings nicht wie meistens üblich barfuß, sondern in Gummistiefeln, denn es war noch sehr kalt. Ich habe einige Fotos gemacht, und merkte aus den Augenwinkeln, wie eine kleine Welle meine Stiefel umspülte, und dachte mir nichts dabei. Doch meine Partnerin meinte nur „Lass uns gehen, die Flut kommt“. Ich wollte gerade entgegnen, dass das doch nur eine kleine Welle sei, die sich gleich zurückzieht. Doch sie behielt Recht. Es dauerte nur einige Sekunden, und ich musste zurück weichen, sonst wären meine Stiefel voll gelaufen. Ich habe schon davon gehört, dass Menschen das unterschätzt haben und ertrunken sind. Wie schnell das geht und wie gefährlich das sein kann, zeigt diese kurze Dokumentation.

Zurück am Ufer haben wir den einzigen Nachmittag mit schönem Wetter genossen. Die typischen Strandkörbe wurden gerade erst aufgebaut und waren überwiegend geschlossen.

Ich machte ein paar Fotos und wollte auch die üblichen Langzeitaufnahmen am Meer machen. Da im Meer nichts mehr zu sehen war, was interessant genug gewesen wäre es zu fotografieren, habe ich meine Partnerin auf die Treppe gesetzt. Später haben wir das Spiel umgedreht, und ich habe mich auf die Treppe gestellt. Dabei wollte ich, dass es wirkt, als stünde ich im Wasser (was ich ja teilweise auch tat). Das erste Foto ging gut, war aber noch nicht wirklich zufriedenstellend. Beim zweiten Foto stand das Wasser aber bereits so hoch, dass es mir irgendwann in den Stiefel lief. Zum Glück schien die Sonne, so dass ich meine Socken und Stiefel zum Trocknen auslegen konnte. Ich fotografierte weiter, doch nun barfuß.

Den Abschluss bildete ein kleiner Snack im Wattkieker: Bier und ein Kibbeling-Baguette mit Dillsauce. Ich bin absolut kein Fischesser, aber das war wirklich lecker.

Dreht man sich am Strand weg vom Meer hin zum Land, so sieht man oft erst mal einen langen grasbewachsenen Hügel. Dahinter sieht man nur Baumspitzen und Dächer von Häusern aufragen. Da auch das Land sehr flach ist, ist es in der Vergangenheit immer wieder zu zerstörerischen Überschwemmungen gekommen. Die Einwohner haben daher zum Schutz Dämme angehäuft, die im Volksmund Deich genannt werden.

An den anderen Tagen hatten wir leider nicht so viel Glück mit dem Wetter. Im April muss man zwar mit Wetterschwankungen rechnen, aber so kalt, dazu Schnee oder Hagel gepaart mit starkem Wind sind auch für diese Region und Jahreszeit ungewöhnlich. Man kann das aber nicht ändern und muss versuchen das Beste draus zu machen.
So sind wir in den Nachbarort Neuharlingersiel gefahren und haben versucht dem Wetter zu trotzen, was leider nicht immer gelungen ist. Wir sind sogar einmal ins Auto geflohen, weil Wind und Hagel so stark waren. Zum Aufwärmen sind wir dann in eine echt schöne Kneipe gegangen. Das Dattein bietet gute Waffeln, leckeren Tee und eine abgefahrene Inneneinrichtung. Daher wurde es schon mehrmals als Film-Location genutzt.
In Neuharlingersiel befindet sich auch ein kleiner Hafen, der auch mit alten Booten bestückt ist, diese jedoch nicht so alt sind, wie die in Carolinensiel. Hier handelt es sich um Krabbenkutter, die sogar noch im Einsatz sind.

Auf dem Rückweg nach Hause haben wir noch einen kleinen Umweg über Wilhelmshaven gemacht. Leider hatten wir keine Zeit für einen Besuch des Deutschen Marinemuseums, aber wir haben uns das wenigstens von außen angeschaut. Als wir über die Kaiser-Wilhelm-Brücke, einer großen Drehbrücke, den Hafen überquert haben, sind wir zu einem russischem Schulsegelschiff gekommen, als die Kadetten gerade von Bord gingen. Schon sehr imposant so ein Schiff.

Das war also unser kleiner Trip zur Nordsee. Alle Bilder wurden mit Fujifilm X-T1 (Classic Chrome Filmsimulation), XF 18-55mm, XF 14 mm f/2.8, XF 35 mm f/1.4, XF 56 mm f/1.2 und einem alten Carl Zeiss 85mm f/1.4 Planar gemacht.

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Goldener Oktober Part 2

Herbst, Bäume, Sonne, Licht, Sonnenuntergang, Virneburg

Goldener Oktober in Virneburg

Am Tag nachdem wir Schloss Poppelsdorf in Bonn einen Besuch abgestattet haben, haben wir eine Wanderung rund um Virneburg in der Eifel unternommen. Anfangs war es noch recht diesig, aber leider nicht neblig. Nach und nach wurde es heller, und gegen Ende hatten wir auch ca. 1 Stunde lang perfektes Licht.

Bis auf ein Bild sind alle Bilder OOC (Out of the camera), also nicht bearbeitet. Wurden nur verkleinert. Zum Einsatz kam die Kamera FujiFilm X-T1 mit der Filmsimulation Velvia und den Objektiven Fujinon XF 18-55 mm f/2.8-4 R und ein altes Tamron 90 mm f/2.8 Di Macro.

Virneburg, Burg, Eifel, Herbst

Blick von der Virneburg

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Goldener Oktober

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Goldener Oktober

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Wandern in Virneburg

Sonne, Virneburg, Weg, Natur, Bäume, Sonnenuntergang

Goldener Oktober

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Goldener Oktober

Sonne, Virneburg, Weg, Natur, Eifel

Der Weg

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Wildschweinspuren

Felder, Bäume, Herbst, Eifel

Nach der Ernte

Virneburg, Natur

Flora rund um Virneburg

Virneburg, Natur

Flora rund um Virneburg

Virneburg, Sonne, Herbst, Eifel

Wandern in Virneburg

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Wandern in Virneburg

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Aussicht auf die Virneburg

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Wandern in Virneburg

Virneburg, Burg, Eifel, Herbst

Blick von der Virneburg

Virneburg, Paorama, Herbst, Bäume, Natur, Sonne, Sonnenuntergang

Panorama von Virneburg. Ohne Stativ und mit der kamerainternen Panoramafunktion.

Hermannsdenkmal

Teutoburger Wald 2015

Hermannsdenkmal

Hermannsdenkmal

„Warum ausgerechnet Teutoburger Wald?“ oder „Wie seid ihr denn darauf gekommen?“ sind die üblichen Fragen, wenn ich erzähle, dass wir einen Teil unseres Urlaubs dort verbracht haben. Ich gebe zu, das ist kein Ziel, an das man denkt, wenn man sich einen Kurzurlaub gönnen möchte. Aber genau dafür ist es optimal.
Ich wollte nicht so weit und nicht so lang fahren. Bei nicht mal 240 km Entfernung ist man schnell dort und auch schnell wieder zurück. Außerdem wollte ich schon immer mal das Hermannsdenkmal sehen.

Wir haben uns für zwei Nächte in eine kleine private Pension eingemietet. Fast ganz oben auf einem Berg, ziemlich abgelegen am Rand eines Waldes, nur wenige Kilometer vom Hermannsdenkmal entfernt. Ruhe, Abgeschiedenheit und Natur. Leider auch kein Fernseher auf dem Zimmer. Manche würden das gut finden, ich nicht. Wenn man nicht fernsehen möchte, kann man das Gerät einfach abgeschaltet lassen. Ist es nicht da, ist das schon störend für die, die fernsehen möchten. Aber wenigstens gab es WLAN, wenn auch nur mäßig gutes.

Ganz in der Nähe findet man auch die berühmten Externsteine, die wir uns am ersten Abend angeschaut haben. Diese Fels- und Steinformation ist den Menschen wohl schon recht lange bekannt. Man findet sehr viele Bearbeitungsspuren, die schon aus dem Mittelalter stammen.
Man kann auf drei der Felsen über eine in den Stein gehauene Treppe klettern. Zwei der Felsen sind oben über eine Brücke miteinander verbunden, die man in fast 50 m Höhe überqueren kann.
Die Felsformation ist umgeben von einer parkähnlichen Anlage mit Teich. Auf den Wegen kann man sich rund um die Sehenswürdigkeit bewegen und sie sich so von allen Seiten anschauen. Das Licht an sich war an diesem Abend ganz schön. Da es aber eben schon Abend war, war die Sonne zum Fotografieren eigentlich auf der „falschen“ Seite. ich habe versucht das Beste daraus zu machen.
Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir außerhalb der Saison da waren, aber es waren nur wenige Menschen außer uns da. Ich persönlich fand das sehr gut, aber ähnlich wie am Hermannsdenkmal gab es große Parkplätze, was normalerweise auf viele Besucher schließen lässt. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass durch die günstigen Flüge die Kurzurlauber eher z.B. nach Mallorca fliegen, als in den Teutoburger Wald fahren. An manchen Stellen der Gegend hat man auch wirklich das Gefühl, dass die goldenen Zeiten vorbei sind.

Später am Abend sind wir noch nach Detmold gefahren. Wir wollten etwas essen, und haben gleich die Gelegenheit genutzt uns die Stadt ein wenig anzuschauen. Es ist eine nette Stadt, besonders aufregend fand ich sie jetzt aber nicht. Wir waren aber noch in einem Brauhaus und haben das regionale Bier probiert. Mein Detmolder Landbier hat mich sehr positiv überrascht.

Detmolder Landbier

Detmolder Landbier

Am nächsten Tag haben wir dann eine ausgedehnte Wanderung durch die Umgebung gemacht. Ungefähr 15 km waren geplant, es wurden vermutlich aber ein wenig mehr. Wir hatten perfektes Wanderwetter.
Wenn ich ehrlich bin, ich habe, außer dem Namen noch nie wirklich etwas von Detmold und Umgebung gehört. Schon gar nicht, dass es dort so schön ist. Wir kamen immer wieder durch Dörfer und kleine Städte, die einfach malerisch schön waren. Besonders gut haben mir die alten aber wieder aufgepeppelten Fachwerk- und Bauernhäuser und die etwas wilden Gärten gefallen. Es gab aber auch so einige richtig große neue Häuser, auf riesigen Grundstücken, die perfekt gepflegt waren. Da wohnen wohl viele wohlhabende Leute.

Unterwegs haben wir auch so manches Getier getroffen. Wir kamen an einer Kuhherde, inkl. stattlichen Bullen und einem Kalb, vorbei. ich habe es Schnitzel getauft. Simone fand das gar nicht lustig. Sogar eine Herde Emus haben wir gesehen. Und natürlich Ziegen. Simone ist ja jeck auf Ziegen. ich habe eine davon Kotelett genannt. Simone fand das gar nicht lustig.

Nach der Wanderung sind wir dann noch zum eigentlichen Ziel der Reise, zum Hermannsdenkmal gefahren. Auch hier erwartete uns ein sehr großer und leerer Parkplatz. Es war wieder recht spät und ich befürchtete auch hier, dass ich wegen dem Licht zur falschen Tagszeit da wäre. Aber weit gefehlt. Schon auf dem Weg vom Parkplatz zum Denkmal konnte ich erkennen, dass man von hinten aufs Denkmal zu läuft und die Sonne war dabei hinterm Denkmal. Was natürlich bedeutet, dass das Denkmal von vorne perfekt belichtet ist. Die warme und tiefstehende Spätsommersonne verwandelte aber auch die Rückseite des Denkmals in ein tolles Motiv.
Wie auch schon bei den Externsteinen habe ich mich hier fotografisch ausgetobt. Digital, analoges Mittelformat mit zwei Kameras und auch Polariod kamen zum Einsatz.

Zum Essen hatten wir keine Lust weit zu fahren. Auf dem Weg nach Detmold haben wir ein spanisches Restaurant in einer alten Mühle mit schönem Biergarten gefunden und sind dort eingekehrt. Das Toro Blanco kann ich wärmstens empfehlen. Schöne Location, guter Service und das Essen fand ich sehr gut. Als Vorspeise hatte ich Champignons mit Knoblauch. Ein so einfaches Gericht kann so unglaublich gut schmecken. Als Hauptgang hatte ich ein Schweinefilet überbacken mit Manchego Käse. Sehr lecker und die Preise waren auch ok.

Am letzten Tag, bevor wir endgültig nach Hause gefahren sind, haben wir noch einen Abstecher nach Paderborn gemacht. Leider wurde rund um den Paderborner Dom gebaut. Von innen ist der Dom aber auch interessant.
Mitten in Paderborn, an verschiedenen Stellen sprudeln die Quellen der Pader, des kürzesten Flusses Deutschlands (4 km).

Das war es eigentlich auch schon. Es war das, was es sein sollte. Ein kurzer und gemütlicher Urlaub.

Traben-Trarbach an der Mosel

Mosel 2015 – Nacktarsch feinherb

Traben-Trarbach an der Mosel

Traben-Trarbach an der Mosel

Wir hatten das schon seit mindestens 2 Jahren vor, hat aber bisher nicht geklappt. Wir wollten einen Wochenendtrip an die Mosel machen, und haben es nun endlich geschafft.
Es war deswegen nicht ganz einfach einen Termin/Unterkunft zu finden, weil wir diesmal nicht alleine unterwegs waren, sondern mit einigen Freunden.

Manch einer wird sich vielleicht wundern. Mosel? Ist das nicht so eine Friede, Freude, Eierkuchen, „Die-Zeit-ist-stehengeblieben“ Rentner-Fantasiewelt? Ja, ist es. Andererseits aber auch nicht. Es kommt halt drauf an, was man daraus macht. Tatsächlich glaube ich, dass wenn wir (Simone und ich) alleine dort gewesen wären, es ganz anders gelaufen wäre.

Der Trip begann für mich schon mal als Alptraum, denn ich musste an einem Wochenende früh aufstehen. Aber gut, wir sind ja nicht allein unterwegs und wollen ja auch was erleben. Zwei Tage sind schnell vorbei.
Gegen 10 Uhr morgens haben wir uns auf einem Parkplatz in der Nähe unserer Unterkunft in Traben-Trabach getroffen. Wir konnten noch nicht einchecken, also gingen wir erst Mal eine „Grundlage“ schaffen also gemütlich frühstücken im Café Wichtig.
Gestärkt ging es direkt zum Weingut Storck zur ersten Weinprobe des Tages. Peter Storck, der Senior-Winzer (wie es auf der Homepage heißt) hat uns so manchen guten Tropfen verköstigt. Weine, Liköre und Brände machten die Runde schon am Vormittag ausgelassen. Peter Storck ist außerdem auch ein guter Fotograf, der besonders gerne das Thema Weinanbau und Mosel behandelt. Zumindest nehme ich das an, denn alle Bilder, die er uns gezeigt hat, waren so.
Nach der Weinprobe gaben wir unsere Bestellung für den nächsten Tag auf (wir wollten ja auch Wein mit nach Hause nehmen), kauften noch Wein „to go“ und liehen uns Weingläser von Peter Storck. Damit ging es dann zu Fuß hoch zur Ruine der um 1350 erbauten Grevenburg, die über der Stadt thront.

Mit ordentlich Wein im Blut, Wein in der Hand und bei 30 Grad im Schatten stellte der steile Weg zur Burgruine schon eine Herausforderung dar. Diese Weinwanderung lohnte sich aber definitiv, denn dort oben erfährt man nicht nur etwas über die Geschichte des Ortes, sondern man hat auch einen schon fast kitschig-schönen Rundumblick über die Stadt und die Mosel.

Wieder unten angekommen, suchten und fanden wir die nächste Möglichkeit zu einer Weinprobe. Ich weiß gar nicht so genau, wo wir da waren, war aber eher so eine Touristenfalle. Nicht schlecht, aber auch nicht gut. Aber wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns ein Lokal fürs Abendessen und Möglichkeiten für Unternehmungen am Abend zu empfehlen zu lassen.
Gegessen haben wir dann in der Alten Zunftscheune. Ein sehr schönes Lokal mit gutem Essen. Als Abendaktivität wurde uns das Straßenfest in Kröv empfohlen.
Doch zuvor wollten wir uns noch etwas frisch machen und unser Apartment beziehen. Ähnlich wie schon bei der Burgruine gab es hier schon die ersten weinbedingten „Ausfälle“.

Kröv ist ein kleiner Ort an der Mosel, der vom Weinbau und Tourismus lebt. Also quasi so, wie fast jeder andere Ort an der Mosel. Das Besondere an dem Ort ist der Name der Weinanbaufläche des Ortes, der Lage. Sie heißt nämlich „Kröver Nacktarsch“. Es gibt mehrere Spekulationen, wie es zu dem Namen kam. Aber überall im Ort gibt es Bildnisse von Erwachsenen, die Kindern den nackten Hintern versohlen. So mancher Rentner wird sich an seine Kindheit erinnert fühlen 😉
Heute wird das natürlich für den Tourismus vermarktet.

Das Straßenfest war gut besucht, die engen Straßen und Gassen waren gut gefüllt. Hier und da spielte eine Band, und es gab natürlich reichlich Essen und Wein. Sogar ein Food-Truck mit Hamburgern (leider waren wir noch satt). Ich war aber erstaunt über die Preise. In einem Urlaubsgebiet, den vornehmlich ältere Leute (also solche die auch Geld haben) besuchen, habe ich deutlich höhere Preise erwartet. Wir haben schon ganz passablen Wein für 4 € die Flasche gekauft. 0,1 cl (wobei es jedes Mal mindestens 0,15 cl waren), also ein kleines Weißweinglas, kosteten zwischen 1,50 € – 2,00 €. Auch Liköre (natürlich kleinere Gläser) kosteten so viel (oder wenig).
Als wir so durchs Fest schlenderten, dachte ich mir, dass wir dort nicht alt werden. Es war zwar einiges los, aber die Musik war nicht so unsere, und das Publikum war doch schon weit fortgeschrittenen Alters.
Und dann kam Eddy Mars! Wir gingen an einem größeren Zelt vorbei, in dem viele ältere Leute wie wild schunkelten und lauthals mitsangen. Kenne ich sonst nur vom Karneval. Eddy Mars ist ein belgischer Entertainer und Sänger, der eine wilde Mischung an belgischen Schlagern live gesungen hat. Einerseits einfach nur trashig, andererseits wieder kultig. Wir haben da einige Zeit zugeschaut und einige von uns haben sogar bei einer Polonaise mitgemacht.

Mit frischen und vor allem kühlen Weinflaschen ausgestattet gingen wir runter zur Mosel, legten uns alle auf einen Steg und bewunderten die Sterne. Ja, die Sterne waren wirklich da, es lag nicht am Wein. lediglich über die Anzahl der gerade fliegenden Flugzeuge am Himmel gab es unterschiedliche Meinungen 😉
Das war zwar schön, machte aber auch müde, so dass wir wieder zurück zum Zelt von Eddy Mars gegangen sind und uns dort hingesetzt haben. Hier wurde dann weiter getrunken, geschunkelt und gefeiert. Im Grunde war es eine astreine Eskalation, sogar eine Bierbank musste dran glauben. Aus Rücksicht auf die Beteiligten gehe ich hier nicht näher ins Detail, aber es war irgendwie verrückt. Vor allem für diese Gegend.
Die Frau von der zweiten Weinprobe, die uns das Fest empfohlen hatte, war auch da. Sie hat sich zu uns gesetzt und ein wenig gequatscht. Das hat sie auch mehrfach gemacht und war, wie soll ich es ausdrücken, etwas sehr anhänglich. Ich scheine einen Schlag bei älteren Frauen zu haben, denn eine andere, vom Wein enthemmte Grazie fortgeschrittenen Alters hat es drei mal versucht. Natürlich erntete ich Spott und Gelächter von meinen Freunden, aber was soll’s, gehört dazu 😉
Zurück im Appartment haben wir zum Runterkommen noch eine Flasche Wein leer gemacht und sind dann (wein)seelig eingeschlafen.

Am Sonntag haben wir wieder im Café Wichtig gefrühstückt und haben uns dann auf eine Wanderung nach Bernkastel-Kues gemacht. Diesmal aber ohne Wein.
Es war heiß, es war anstrengend, aber es hat auch viel Spaß gemacht. Die Gespräche drehten sich natürlich über die Erlebnisse vom Vorabend.

Kurz vor Bernkastel-Kues haben wir noch die Gelegenheit genutzt, und sind in der >Waldschenke „Zur Eisernen Weinkarte“ eingekehrt. Etwas ungewöhnlich, da diese Waldschenke komplett im bayrischen Stil gehalten wurde. Das ging von der Deko, über die Musik und das Essen bis hin zur Bedienung im Dirndl. Ich habe mir eine Wildscheinbratwurst vom Grill mit superleckerem Preiselbeersenf gegönnt.
Die Schenke liegt noch recht weit oben im Weinberg über Bernkastel-Kues, so dass man von dort aus einen wunderschönen Ausblick hat.

Bernkastel-Kues selbst ist vielleicht etwas größer, als Traben-Trabach. Es ist aber definitiv touristischer. Wir bummelten durch die Stadt, besuchten einen Feinkostladen und aßen leckeres Eis.

Zurück ging es per Schiff. Eine ruhige und beschauliche Fahrt von zwei Stunden, die uns durch Weinberge und durch Schleusen führte.
Zweifelhafter Höhepunkt der Fahrt war die Baustelle des „Hochmoselübergangs“. Es handelt sich um eine im Bau befindliche Brücke über die Mosel. Brücken gibt es viele über die Mosel, aber diese Brücke wird gigantisch und sehr hoch. Und sie durchschneidet das malerische Moseltal mit ihrer Hässlichkeit. Derzeit wird noch an den Pylonen und am ersten Abschnitt gearbeitet, aber bereits dass lässt erahnen, was da noch kommt. Mir ist unbegreiflich, wie man so etwas machen kann.

Zurück in Traben-Trabach haben wir uns erschöpft in unsere Autos gesetzt, und sind heim gefahren.
Es waren nur zwei Tage. Eigentlich nur 1,5 Tage. Wir haben aber so viel erlebt (habe wie gesagt aus Rücksicht noch einiges weggelassen), dass es einem vorkommt, als wäre es eine Woche. Wir haben viel getrunken, viel gelacht, einfach eine gute Zeit gehabt.

Mosel, mach dich auf was gefasst! Wir werden zurück kommen.

Alle Bilder wurden mit der Fujifilm X100s gemacht.

Wein

Wein

Berlin 2015 – Der verschliffene Diamant – Part 3

Berlin

Berlin

Heute sagte die Wettervorhersage Regen und teilweise auch Gewitter voraus, weswegen wir nicht genau wussten, was wir machen werden. Solange es nicht regnet wollen wir uns wie üblich zu Fuß durchschlagen, bei Regen auf Museen und Ausstellungen ausweichen, von denen es in Berlin sehr viele gibt.

Den Anfang machte eine Van Gogh Alive Ausstellung. Es war jedoch nicht der übliche Besuch in einer Galerie oder einem Museum, bei dem einfach Bilder an der Wand hingen. Es war ein durchaus interessantes und modernes Konzept. Bilder des Meisters wurden auf riesige Leinwände projiziert, zwischendurch gab es Zitate und Animationen untermalt von klassischer Musik.
Ich weiß noch nicht so genau, ob ich das gut finde. Optisch war es jedenfalls außergewöhnlich.

Auf dem Weg zum nächsten Ziel liefen wir zufällig an einem eher unscheinbaren Gebäude vorbei, vor dem alte bemalte Stücke der Berliner Mauer standen. Ein Klappschild wies darauf hin, das dort Einrichtungsgegenstände aus industriellen Beständen verkauft wurden. Eigentlich wollte ich da gar nicht rein, den auf Trödel stehe ich nicht so. Sobald ich drin war, änderte sich meine Meinung schlagartig. Die dunklen Räume waren voll von Lampen, Uhren, Stühlen und eine Menge anderen Zeugs. Eine sehr schräge Atmosphäre. Ich habe mich kurz mit dem jungen Verkäufer unterhalten. Das Geschäft läuft wohl ganz gut, aber er müsse nächste Woche raus. Wie das halt so oft in besetzen Häusern ist.

Tatsächlich war es so, dass das „Geschäft“ nur in einem Teil im Erdgeschoss war. Der Rest stand wohl schon länger leer und wurde von Menschen als Treffpunkt und Partylocation genutzt.
Wir haben uns Raum für Raum, Etage für Etage vorgearbeitet. Es war ein Gefühl, als wäre man ein Archäologe, der einen alten Tempel erkundet. Man sieht, was dort alles liegen gelassen wurde, und versucht zu rekonstruieren, was dort wohl früher war. Außerdem hatte man das Gefühl, man geht durch eine schräge Art von Kunstgalerie, den in vielen Räumen gab es viel interessanter Streetart. Und immer mit dem Bewusstsein, dass es das alles bald nicht mehr geben wird.

Das ist halt die von mir schon erwähnte Freiheit in Berlin. Nach der Wende sind viele Einwohner in den Westen gezogen und ließen ihre Wohnungen komplett möbliert zurück. Junge Männer, die keinen Wehrdienst leisten wollten, und solche, die gesellschaftlichen Zwängen entfliehen wollten, zogen nach Berlin und dort in solche Häuser, weil man dort kostenlos wohnen konnte. Viele Grundstücke und Häuser gehörten früher dem Staat. Nach dem Zusammenbruch der DDR mussten viele Besitzverhältnisse erst geklärt werden. Heute ist Berlin pleite und versucht aus allem Geld zu machen. So werden solche Grundstücke an (teils ausländische Investoren) verkauft, die daraus seelenlose Eigentumswohnungen für Reiche bauen und damit das zerstören, was Berlin ausmacht. Auf einer Häuserwand stand in großen Buchstaben „Diese Stadt ist ausverkauft.“ Treffend und traurig zugleich.

Mich hat das alles an eine Woche im Jahre 2001 erinnert. Damals besuchte ich einen ehemaligen Schulfreund, der nach Berlin gezogen war. Ich wollte mir die Stadt ansehen und die Love Parade besuchen. Er wohnte damals in einem verlassenen Altersheim. Fließend Wasser gab es nur im Garten, WC ebenso. Strom wurde mit Kabeltrommel von irgendwo (ich wollte gar nicht wissen woher) ins Zimmer geleitet. Essen hat man sich aus der Küche des neuen benachbarten Altersheims „organisiert“, in dem mein Freund damals arbeitete.
Das war mein kurzer Ausflug in die Hausbesetzerszene. Beim durchstreifen der Räume kamen viele Erinnerungen von damals wieder zurück.

Aus den Fenstern des Gebäudes konnte man den Hinterhof des Gebäudes sehen. Dort standen weitere originale Mauerstücke, eine Arena und viele Spuren von wilden Partys.

Simone sagte so schön, dass sie Streetart so gerne mag, weil die Künstler durch die Städte Europas fahren und dort ihre Spuren hinterlassen. Wenn man dann das Werk eines Künstlers in einer der Städte findet, dann ist es so, als würde man zufällig einen alten Freund treffen, obwohl man den Künstler vermutlich noch nie getroffen hat.
Ich habe bereits von Streetart in z. B. Hamburg berichtet. In Berlin ist Streetart allgegenwärtig. Deutlich mehr, als in Hamburg. Dafür gibt es in Hamburg mehr Vielfalt. In Berlin beschränken sich die Künstler meistens auf Graffitis und Paste-Ups, in Hamburg findet man oft auch Knitting oder Styropor-Figuren, Kacheln, Mosaike usw.
In der Straße, in der wir das Gebäude gefunden haben, gab es noch viele weitere ähnliche Gebäude, die es vermutlich bald nicht mehr geben wird.

Ich wäre gerne noch länger dort geblieben, aber wir wollten noch mehr sehen und Simone hatte Hunger. So kehrten wir in Markthalle 9 ein, wo wir köstliche Pulled Pork Sandwiches und eine unfassbar gute Pizza von einem italienischen Brotbäcker gegessen haben.

Weiter ging es zum Club der Visionäre, einem Ort an einem Wasserkanal, der für legendäre Minimal-Techno Partys bekannt war. Wir haben uns das von außen angeschaut, denn man konnte die Musik, die gefühlt aus drei Tönen bestand, hören. Meine geschundenen Füße brauchten eine Pause. So gab es Bier von der Tanke, Foccacia vom Brotbäcker aus Markthalle 9 am Kanal auf der anderen Seite der Brücke. Wir unterhielten uns über das Erlebte, schauten Spatzen beim Putzen im Sand zu und genossen den Augenblick.

Letzte Station sollte Friedrichshain sein. Auf dem Weg dahin überquerten wir die Oberbaumbrücke, die zum Glück auf unserer Seite überdacht war. Ein starker Wolkenbruch mit ordentlichen Windböhen zwang uns zu einer Pause.

Erschöpft suchten wir uns ein Lokal, es war wie zu erwarten nicht besonders gut. Aber in einer Touristen Gegend ist das leider so. Diese Lokale dort sind alle so. Mäßiges bis schlechtes Essen zu relativ hohen Preisen. Aber die Cocktails waren lecker 😉

Den schönen aber anstrengenden Tag haben wir dann bei uns im Park bei einem gemütlichen Bierchen ausklingen lassen.

Wie immer war auch diese Reise zu kurz. Ich hätte gerne noch andere interessante Orte besucht. Ich wäre gerne zu einem Konzert ins YAAM gegangen, hätte gerne eine der Partys in verlassenen Häusern besucht.
Berlin war und ist eine Reise wert, wenn man mal nicht der Herde hinterher läuft.

Berlin 2015 – Der verschliffene Diamant – Part 2

Alexanderplatz Berlin

Alexanderplatz Berlin

Ebenso wie in Hamburg kann man in Berlin an alternativen Stadtführungen teilnehmen, die einem interessante Ecken abseits der üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten zeigen.
Wir meiden normalerweise solche geführten Touren, und fühlten uns auch diesmal nicht ganz wohl in unserer Haut. Man läuft in einer Gruppe und ist schon vom Weiten aus als gemeiner Touri erkennbar. Als würde man durch einen Zoo laufen, wobei die Frage unbeantwortet bleibt auf welcher Seite des Gitters man sich befindet. Wenigstens haben wir es auch in dieser Stadt geschafft diese City Tour Busse nicht zu nutzen. Die meiste Zeit waren wir zu Fuß oder mit der Bahn unterwegs. Und da fällt einem schon der zweite große Unterschied zu Köln auf. Die Stadt ist wesentlich breiter angelegt. Schöne breite Straßen, breite Bürgersteige und viele Parkplätze, auch wenn der Berliner das vermutlich nicht so sieht. Aber verglichen mit Köln sind es viele Parkplätze.

Aber zurück zu der alternativen Stadtführung. Treffpunkt war am Fernsehturm am Alexanderplatz. Eine Gruppe von ca. 15 Personen wurde von einer Studentin aus Australien angeführt. Eine Australierin macht Führungen in der Deutschen Hauptstadt. Ja, und das auf englisch, denn ausser Simone und mir kamen alle Teilnehmer aus dem Ausland. War aber alles gut, denn sie sprach sehr deutlich, musste aber oft gegen die laute Stadt anbrüllen.
Der Anfang war für uns beide nicht so spannend, da vieles erzählt wurde, was man als Deutscher eh schon weiß. Spannend war es, wie Fremde uns Deutsche sehen. Unsere Führerin wies die Teilnehmer eindringlich und mehrfach darauf hin nicht auf Radwegen zu laufen oder über rote Ampeln zu laufen, auch wenn gerade kein Auto kommt, sonst werden sie von den Deutschen angeschrien. Aber um 10 Uhr morgens Bier auf der Straße trinken ist ganz normal. Die Deutschen und ihre Regeln 😉

Die ersten Stationen der Tour waren, wie gesagt, nicht so spannend, da es um die Geschichte Berlins, insbesondere die Teilung zwischen Ost und West ging. Kennen wir schon, aber für so manche anderen Besucher ist das etwas völlig Neues. Ich vermute auch, dass viele es trotzdem nicht verstanden haben.

Der zweite Teil der Tour war schon deutlich spannender. Es ging um Berlin nach der Wende, über die Entstehung dieser Freiheit, die viele Berliner so lieben, über Streetart und über Gentrifizierung. Vor allem mit Letzterem hat Berlin massiv zu kämpfen.

Die erste kurze Pause haben wir in einem niedlichen kleinen Laden gemacht, der sich auf Mate Tee spezialisiert hat. Dort konnte man etwas über Mate erfahren und natürlich auch kaufen. Hört sich jetzt ungewöhnlich an, aber in Berlin ist es schwierig ein Getränk ohne Mate zu bekommen. Das Zeug ist überall drin. In Klassiker Club Mate, in Limonaden, in Cola, ja sogar im Wein. Verrückt.

Die zweite, diesmal etwas längere Pause haben wir am berühmten Currywurst Stand Konnopke’s Imbiss gemacht. War ganz lecker und auch scharf (wir haben „sehr scharf“ bestellt), umgehauen hat es mich aber nicht.

Konnopke's Imbiss

Konnopke’s Imbiss

Wir besuchten kurz die East Side Gallery und gingen dann zu YAAM in Kreuzberg, wo ich eh mal hin wollte. Das war genau nach meinem Geschmack. Entspannte und kreative Menschen, tolle Freizeitmöglichkeiten und ein herrlich duftendes Essen. Hier wäre ich gerne länger geblieben.

Weiter ging es zum berühmten „Baumhaus an der Mauer“ von Osman Kalin. Der alte Mann türkischer Abstimmung hat damals an einer Ecke der Mauer ein Baumhaus und einen Garten aus dem Abfall, wie z. B. alten Möbeln gebaut. Diesen Garten konnte jeder mit nutzen. Einiges von dem Gemüse wird an die benachbarte Schule gespendet.
Überhaupt gibt es in den Stadtteilen viel Zusammenhalt. Das merkt man immer wieder, da sich die Menschen dort gemeinsam gegen die Gentrifizierung währen.

Baumhaus an der Mauer

Baumhaus an der Mauer

Nächste Station war das Künstlerhaus Bethanien, ein altes schönes Gebäude, welches eigentlich abgerissen werden sollte. Wie so viele leer stehende Häuser in Berlin nach der Wende wurde damals auch dieses Gebäude einfach besetzt und von der Gemeinde als Treffpunkt genutzt. Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts oder Herkunft haben dort etwas Tolles und Bewahrenswertes geschaffen.

Danach waren wir noch kurz auf dem Türkischen Markt, doch es fing heftig an zu regnen, und wir flüchteten in ein Cafe.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir natürlich noch die Bundesgeschäftsstelle der Piratenpartei, deren Mitglieder sich gerade auf den CSD vorbereiten. Was wir nicht wussten, die Bahnhaltestelle dafür war direkt vor dem neuen BND Gebäude. Was für ein hässliches Teil. Sieht aus, wie ein ultramodernes Gefängnis aus. Wir haben uns gefragt, wie das in Zukunft ablaufen wird. Dort sollen über 6000 Menschen arbeiten. Die werden doch auffallen. Egal ob sie mit der Bahn fahren oder mit dem Auto. Und Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes sind ja aus gegebenem Anlass nicht gerade beliebt (und das zurecht). Und das in einer Stadt, wie Berlin. Das wird noch interessant in Zukunft.

Irgendwie ist das für mich auch der krasseste Gegensatz Berlins. Auf relativ engem Raum findet man eine konservative, kalte, menschenverachtende und konzerngesteuerte Regierung und ihren Machtapparat in ihrem Elfenbeinturm, und dann sind da die einfachen Menschen, vor denen die eigene Regierung so viel Angst hat, dass sie die Menschen permanent überwachen lässt.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn eine Angela Merkel, oder irgendeiner der Minister sich mal herablassen würde, und einige Zeit in z.B. Kreuzberg ohne dem üblichen Drumherum, wie ausgesuchten Publikum, dass treudoof in Kameras winkt, verbringen würde. Was würde sie dort sehen? Vermutlich leider nicht das Gleiche, wie ich.

Hatten dann noch eine nette Unterhaltung mit den Piraten. Die betreiben dort eine Freifunk Anlage, welche unter anderem gerne von der Jugend intensiv genutzt wird. Kinder sitzen mit ihren Smartphones vor der Tür und haben Spaß.

Kids und ihre Smartphones

Kids und ihre Smartphones