Fujifilm X-E3 + Fujinon XF 23 mm F/2

Fujifilm X-E3: Spätes Review

Warum spätes Review? Na die Kamera ist seit 1,5 Jahren auf dem Markt. Da mich aber niemand sponsert, kann ich nur darüber berichten, was ich auch privat besitze.
Ich habe schon länger ein Auge auf die Kamera geworfen und mein Plan war es eigentlich in diesem Jahr damit meine X-T1 und X100s zu ersetzen. Beides sind gute Kameras, aber bei den neueren Fujifilm-Modellen gibt es doch ein paar Verbesserungen, die ich gerne hätte.Bevor ich den Plan in die Tat umsetzen konnte, „half“ das Schicksal etwas nach. Wobei ich auf diesen „Schubser“ gerne verzichtet hätte. Im Januar ist in unser Haus eingebrochen worden und unter anderem meine komplette Fujifilm-Ausrüstung gestohlen worden. Also X-T1 und alle Objektive. Meine Infrarot X-E1 haben sie da gelassen (sah vermutlich nach analog aus) und meine X100s hatte ich zu der Zeit bei mir.

Da ich im Prinzip nichts mehr hatte, konnte ich auch mal über den Fujifilm-Tellerrand schauen, was die anderen Hersteller in der Zwischenzeit so anbieten. Habe mir daher die Sony A7 II und die Sony Alpha 6500 angeschaut. Beides sehr gute Kameras. Bei der A7 II störte mich allerdings die Größe und Gewicht, vor allem mit hochwertigen Objektiven und die DSLR-Bauweise. Ich brauche kein Vollformat. Bildstabilisierung im Gehäuse und Klappdisplay sind zwar ganz gut, aber machen die Nachteile für mich nicht wett. Die Alpha 6500 wäre schon eher was für mich. Kleiner, leichter, trotzdem Klappdisplay und Bildstabilisierung im Gehäuse. Hier störte mich allerdings die Bedienung. Man kann zwar viel auf seine Bedürfnisse konfigurieren, aber der Blendenring fehlt mir doch, und die Belichtungskorrektur finde ich zu umständlich. Eine meiner meist genutzten Funktionen.

Fujifilm X-E3 + Fujinon XF 23 mm F/2

Fujifilm X-E3 + Fujinon XF 23 mm F/2

Entscheidung für die X-E3

Die Entscheidung fiel letzt endlich doch auf die Fujifilm X-E3. Sie ist definitiv nicht optimal für mich, da sie kein Klappdisplay, keine Bildstabilisierung im Gehäuse und keinen Wetterschutz bietet. Das sind alles Dinge, die man locker hätte umsetzen können, wie die Alpha 6500 beweist. Fast alle neuen Fuji-Objektive sind Wetter geschützt (WR), warum dann nicht auch die Gehäuse neuer Kameras? Ja, das Klappdisplay mag vielleicht nicht ganz zum Design passen, aber wenn man es nicht ausklappt, wird man eh keinen Unterschied sehen. meine Vermutung ist, dass Fuji eine technische Abgrenzung zu den „höherwertigeren“ Serien, wie X-Pro, X-T oder seit neuestem X-H haben wollte. Die X-E3 mit Klappdisplay, Wetterschutz und Bildstabilisierung wäre die fast perfekte Kamera für mich.
Warum habe ich mich also gegen die anderen Kameras und für die X-E3 entschieden? Nun, zum einen kenne ich mich mit diesen Kameras ganz gut aus, es ist also kaum Umgewöhnung notwendig. Ich bin immer noch großer Fan des Bedienungskonzepts, das sich stark an analogen Kameras orientiert. Die Kamera ist schön, leicht, kompakt und bietet technisch sehr viel. Die ganzen technischen Eckdaten werde ich hier nicht auflisten, davon gibt es genug im Netz. Fuji hat allerdings ein paar negative Punkte, die ich bei älteren Fujifilm-Modellen moniert habe, tatsächlich verbessert. Dazu später mehr. Hinzu kommen einige sinnvolle Neuerungen, so dass die Kamera trotz der fehlenden oben genannten Features für mich attraktiv genug war. Und nicht zuletzt der Preis. Momentan gibt es den Body für knapp 700 € neu zu kaufen. Im Vergleich zur Alpha 6500 kann ich mir die X-E3 und schon fast ein Objektiv kaufen.

Fujifilm X-E3 + Fujinon XF 14 mm F/2.8 + Fujinon XF 23 mm F/2 + Fujinon XF 35 mm F/2 + Fujinon XF 50 mm F/2 = 1330 g

Fujifilm X-E3 + Fujinon XF 14 mm F/2.8 + Fujinon XF 23 mm F/2 + Fujinon XF 35 mm F/2 + Fujinon XF 50 mm F/2 = 1330 g

Objektive

Ich werde in den nächsten Wochen auch noch ein paar Reviews zu Objektiven schreiben, da ich jetzt auch neue Objektive habe und es nicht die Gleichen sind, wie ich sie vorher hatte. Ich konzentriere mich nun mehr auf die neuen „kleinen“ f2 Objektive, auch Fujicron genannt. Die sind optisch vielleicht nicht ganz so stark, wie die „Großen“, aber immer noch hervorragend. Dafür sind sie meist günstiger, kompakter, leichter und haben einen schnelleren Autofokus. Das sind Aspekte, die momentan wichtiger sind. Lediglich das XF 14 mm f/2.8 habe ich mir wieder geholt, weil es trotzdem recht kompakt ist und ich weiß, dass es sich gut für Infrarot-Fotografie eignet.

Fujifilm X-E3 Rückseite

Fujifilm X-E3 Rückseite

Body

Aber zurück zur X-E3. Deren Gehäuse ist sogar noch einen Tick kleiner, als das der Vorgänger. Dafür musste auch der integrierte Blitz weichen. Den gibt es jetzt als aufsteckbaren Popup-Blitz, wie ich ihn schon von der X-T1 kannte. Für mich persönlich nicht so schlimm, da ich eh kaum blitze. Außerdem finde ich diesen Bitz etwas einfacher: hoch geklappt = eingeschaltet; runter geklappt = ausgeschaltet. Obwohl das Gehäuse sehr kompakt ist, kann ich gut damit arbeiten. Wie das mit den großen Objektiven an der Kamera wäre, weiß ich nicht. Ist für mich aber auch nicht so wichtig, da ich eher auf die kompakten Objektive setze. Und die X-E3 und diese Objektive sind wie füreinander gemacht.
Auch das Stativgewinde befindet sich wieder nicht auf der optischen Achse. Das kann man durch einen entsprechenden Handgriff beheben. Ist für mich aber auch nicht so wichtig, da ich verhältnismäßig wenig Stativ nutze, und wenn doch, dann mache ich keine Panoramas damit.
Die Tasten auf der Rückseite befinden sich nun alle rechts oder oberhalb vom Display, so dass man alles mit der rechten Hand bedient.

Fujifilm X-E3 Touch-Display

Fujifilm X-E3 Touch-Display

Touch-Display

Dafür bietet die X-E3 als erste X-Kamera ein Touch-Display an. Ich war zunächst skeptisch und bin es immer noch, aber das wird sich vermutlich mit etwas Übung ändern. Zunächst mal das Wichtigste: man kann Touch nutzen, muss es aber nicht. Die Kamera lässt sich auch komplett ohne der Touch-Funktionen nutzen. Das finde ich sehr gut. Der Fotograf kann für sich so entscheiden, welche Art der Bedienung besser ist. Der Joystick ist dafür ein super Ersatz.Nutzt man das Touch-Display aber nicht, verliert man dadurch 4 Fn-Tasten. Das Gehäuse an sich hat nicht so viele Tasten, dafür hat man Wischgesten, wie man sie vom Smartphone kennt, eingeführt. Diese Gesten kann man sich dann nach belieben mit Funktionen belegen. Zugegeben, wie man am besten wischt, wie empfindlich das Touch-Empfindlichkeit ist, da muss man sich erst mal dran gewöhnen. Außerdem finde ich es merkwürdig, dass man nicht per Touch durch die Menüs navigieren kann. Beim Fotografieren selbst kann das Touch-Display durchaus sehr nützlich sein. So kann man das Display unterschiedlich einstellen:

  • Man tippt aufs Display –> der Punkt wird fokussiert.
  • Man tippt aufs Display –> der Punkt wird fokussiert und die Kamera löst aus.
  • Das Display wird quasi wie ein Touch-Pad eines Notebooks verwendet. Nur scheibt man damit nicht den Mauszeiger über das Display, sondern den Fokus-Punkt.
  • Ob man das nun nutzt, oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Ich greife meist doch eher zum Joystick. Aber für Smartphone-Fotografen sicher ein interessantes Feature, weil man sich so nicht ganz so viel umstellen muss.

    Menü nicht immer intuitiv

    Die Menüführung finde ich auch etwas gewöhnungsbedürftig und nicht intuitiv. Was z.B. SD-Karte Formatieren oder Sensorreinigung in der Gruppe „Benutzereinstellungen“ verloren haben, erschließt sich mir nicht. Grundsätzlich ist das aber nicht so wild, da man sich meist die Kamera ein mal auf die persönlichen Anforderungen einstellt und dann nur noch selten das Menü aufsucht. Es gibt ja viele dedizierte Tasten, frei belegbare Fn-tasten und das konfigurierbare Q-Menü. Da muss man wirklich eher selten ins „richtige“ Menü.

    Eigene Namen für Custom Settings

    Seit den ersten X-Kameras von Fujifilm kann man sich Custom Settings definieren und einfach abrufen. Custom Settings sind quasi frei definierbare Einstellungspresets, über die man schnell viele Einstellungen auf bestimmte Situationen anpassen kann. Ein sehr nützliches Feature. Doch bisher konnte man für die Presets keine Namen vergeben. Sie hießen, wie die Filmsimulation, die man im Preset gewählt hat. Nicht besonders aussagekräftig, vor allem, wenn man mehrere Presets mit der gleichen Filmsimulation definiert hatte. Nun kann man endlich auch Namen vergeben. Die Bildschirm-Tastatur, die man dafür verwendet ist auch nicht besonders intuitiv nutzbar, aber wenn man es ein mal raus hat, ist es ok. Man nutzt sie eh sehr selten, da man in der Regel nicht so häufig neue Custom Settings definiert.

    Anzeige Belichtungszeit

    Sehr gut finde ich die neue Funktion, dass die aktuell errechnete Belichtungszeit im Zeitautomatik-Modus angezeigt wird. Das kannte ich schon von meiner alten Nikon D90 und habe mir das von Anfang an bei den Fujis gewünscht. Bisher war es so, dass man erst die aktuell berechnete Belichtungszeit erst sehen konnte, wenn man den Auslöser halb durchgedrückt hat. Nun wechselt die Anzeige, wenn man z.B. die Kamera schwenkt und sich die Lichtverhältnisse ändern. So kann man sehr schnell sehen, ob die errechnete Zeit für einen ok ist und ggf. manuell nachjustieren.

    ISO-Einstellung

    Eine weitere kleine, aber für mich sehr nützliche Funktion wurde implementiert. Bei den meisten X-Kameras hat man entweder ein dediziertes Einstellungsrad für ISO, oder man muss es übers Menü machen. Mein langgehegter Wunsch war es die ISO-Einstellung auf eines der vorderen oder hinteren Räder legen zu können, und zwar so, dass man dafür nicht noch extra eine Taste drücken muss, und ohne dass dafür ein Menü aufgeht. Es ist zwar etwas tricky einzustellen, aber man kann das vordere Einstellrad so belegen, dass wenn man dran dreht sich die ISO-Einstellung sofort ändern und man das nur an der ISO-Anzeige sieht. Es geht also kein Menü auf. Super Sache. Allerdings gibt es hier einen Wermutstropfen. Wenn man sich die wählbaren ISO-Werte auf einer Skala vorstellt (links die niedrigen Werte, rechts ansteigend), dann ist die Platzierung der Auto-ISO-Programme aus meiner Sicht an der falschen Stelle. Die sind nämlich ganz rechts, also noch hinter den größten ISO-Werten. In der Realität wird man meistens mit den Auto-ISO-Programmen arbeiten. Wenn man mal davon manuell abweichen möchte, wird man meist bei den kleineren ISO-Werten anfangen und sich dann bis zum gewünschten Wert „hocharbeiten“. Daher gehören für mich die Auto-ISO-Programme auf die andere Seite der Skala, weil man dann viel schneller bei den kleineren Werten anfangen und sich dann „hocharbeiten“ kann. leider kann man auch nur bis zum Ende der Skala scrollen. Wäre schön, wenn es da wenigstens eine Möglichkeit gäbe über das Ende der Skala zum anderen Ende zu springen (keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll).

    Camera Remote App

    Von der Camera Remote App habe ich mir wesentlich mehr versprochen. Ich hoffte, dass ich damit das Klappdisplay zumindest auf dem Stativ kompensieren könnte. Ich kannte die App schon von früher, aber die X-E3 ist meine erste Kamera, die auch die Bluetooth-Verbindung unterstützt. Ich erhoffte mir eine bessere und vor allem schnellere Verbindung zum Smartphone. Aber da hat Fujifilm aus meiner Sicht den größten Bock geschossen. Und die Bewertungen im Play Store geben mir da Recht. Zunächst wollte sich die App überhaupt nicht verbinden. Sie suchte endlos, es gab aber nie eine Verbindung. Ein wenig Recherche ergab, dass die App nur dann verbindet, wenn sie Zugriff auf aktivierte Standortdienste des Smartphones hat. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Wenn das so ist, warum kommt in der App keine entsprechende Meldung? Stattdessen such die App endlos. Noch besser wäre es, wenn man diesen Zwang komplett entfernen würde. Das ist doch eigentlich nur dann notwendig, wenn man seine Bilder geotaggen möchte. Ich möchte das aber nicht, und meine Standortdienste am Smartphone ist auch fast immer deaktiviert, weil ich sie nicht brauche und sie außerdem viel Akku fressen.Dann habe ich die App ein wenig genauer unter die Lupe genommen. Es sind Tracker von Google implementiert. ich weiß, dass diese Tracker das Nutzerverhalten protokollieren und an Google senden. Auch hier weiß ich nicht, wo ich anfangen soll, so mies ist das. Wenn man schon tracken will, dann kann man einen einsprechenden Dienst selbst hosten (in diesem Falle Fuji). Google ist natürlich billiger, aber auch nur deswegen, weil die App (und übrigens die meisten anderen auch) Google persönliche Daten freihaus liefert. Google, die Datenkrake schlechthin. Dabei gibt es immer die gleiche Ausrede, man will damit die App verbessern. Aber wenn man sich anschaut, wie mies die App ist, und wie wenig Fuji tut, um das zu ändern, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass das schlichtweg eine Lüge ist. Meine Vermutung ist, dass man mit den Daten wesentlich einfacher personalisierte Werbung platzieren kann. Und mit den zwanghaft aktivierten Standortdiensten hat man dazu sogar noch ein Bewegungsprofil. Das geht gar nicht! Damit ist die App praktisch unbenutzbar für mich. Mag sein, dass das viele menschen nicht kümmert, aber die ganzen Datenskandale der letzten Zeit zeigen, dass der beste Schutz vor Datenverlust und Datenmissbrauch nun mal Datensparsamkeit ist.

    Acros Filmsimulation

    Diese Filmsimulation ist neu für mich. Ich habe mich schon sehr darauf gefreut. Momentan experimentiere ich noch etwas mit den Einstellungen rum. Den ganz großen Unterschied zu den bisherigen Schwarzweiß-Filmsimulationen habe ich noch nicht gesehen, aber vermutlich sieht man das bei anderen Lichtverhältnissen besser. Auch die Körnung, die man optional dazu schalten kann, ist für mich noch gewöhnungsbedürftig.Hier schon mal meine ersten Testbilder:

    Fujifilm X-E3 Acros Filmsimulation (OOC nur für den Blog verkleinert)

    Fujifilm X-E3 Acros Filmsimulation (OOC nur für den Blog verkleinert)

    Fujifilm X-E3 Acros Filmsimulation (OOC nur für den Blog verkleinert)

    Fujifilm X-E3 Acros Filmsimulation (OOC nur für den Blog verkleinert)

    Fujifilm X-E3 Acros Filmsimulation (OOC nur für den Blog verkleinert)

    Fujifilm X-E3 Acros Filmsimulation (OOC nur für den Blog verkleinert)

    Fazit

    Auch wenn ich noch einige Verbesserungsvorschlag habe, ist die X-E3 eine hervorragende Kamera für Fotografen, wie mich. Viel Kamera in einem hübschen und kompakten Gehäuse zu einem mittlerweile vergleichsweise günstigen Preis. Dazu ein gutes Objektiv-Lineup, mehr braucht man eigentlich selten.
    Ich habe nun die X-E3, XF 14 mm f/2.8, XF 23 mm f/2, XF 35 mm f/2 und das XF 50 mm f/2. Mit den Schutzkappen und Gegenlichtblenden der Objektive, den Objektiven, dem Blitz, Speicherkarte, Akku und Kamera wiegt mein Setup nun 1330 g. Oft bin ich nur mit der Kamera und dem XF 23 mm unterwegs, was insgesamt 600 g wiegt. Für das, was das Setup leistet und bietet, ist das ein schön geringes Gewicht. So mag ich es.

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