Ein Jahr, eine Stadt, eine Linse

Vor vier Jahren bin ich auf das Video „X100: 1 Mile, 1 Year, 1 Lens“ von Todd Gipstein gestoßen und war tief beeindruckt. Das ist eine Idee ganz nach meinem Geschmack.
Er ist ein relativ bekannter Fotograf und hat unter anderem für National Geographic gearbeitet hat. Es ist nicht so schwer interessante Fotos von exotischen Ländern und Menschen zu machen. Ein Freund von mir sagt immer (natürlich nicht ganz ernst gemeint), schnalle einem Dackel eine Kamera um, stelle sie auf Intervall-Auslösung ein und schicke ihn durch den Grand Canyon, er wird ein paar gute Bilder nach Hause bringen. Einfach nur deswegen, weil es der Grand Canyon ist. In einer Umgebung, in der man lebt und sich täglich bewegt, wo alles gewöhnlich scheint, ist es nicht ganz so einfach gute und interessante Bilder zu machen.

Todd hat aber genau das getan. Er hat sich selbst ein paar Regeln auferlegt. Er fotografierte ein Jahr lang im Umkreis von einer Meile um sein Haus mit nur einer Linse/Kamera und nur Schwarzweiß-Bilder. Die Linse ist bei dieser Kamera fest verbaut, lässt sich also nicht wechseln. Außerdem bietet sie keinen Zoom, man ist auf die Brennweite von 23 mm (35 mm Kleinbildäquivalent) beschränkt, der klassischen Reportage-Brennweite.

Ich fand die Idee und auch das Ergebnis so toll, dass ich beschlossen habe mir die Idee mit ein paar Anpassungen zu eigen zu machen. Ich fotografierte zwar auch ein Jahr lang für dieses Projekt ausschließlich in Schwarzweiß, doch ich nutze den Nachfolger der Kamera und ich habe mich nicht auf eine Meile sondern auf meinen (damaligen) Wohnort beschränkt. Alles andere habe ich beibehalten.

Ähnlich, wie bei Todd, war es auch mein Ziel herauszufinden, ob ich trotz gewisser Einschränkungen kreativ sein kann. Ich wollte aber nicht die typischen Bilder bringen, die es so vom meiner (damaligen) Heimatstadt eh schon gibt. Es sollten ganz persönliche Bilder mit meiner ganz persönlichen Sicht eines Immis auf die Stadt, für die er sich entschieden hat, werden. Quasi ein Inside-Job.

Interessanterweise ist bei diesem Projekt noch mehr bei raus gekommen, als ich vor Beginn erwartet habe. Ich sehe die Stadt nun mit anderen Augen. Ich habe die Stadt besser kennengelernt, ich habe sie noch mehr lieben gelernt und ich hatte Ideen für neue Projekte.
Tatsächlich ist es sogar so, dass ich das Projekt noch länger hätte machen können, da ich bei weitem noch nicht alle Ecken der Stadt besucht habe, und das obwohl die Stadt nicht besonders groß ist und es hier kein Meer und auch keine Berge gibt.

Eigentlich habe ich geplant das Projekt schnellstmöglich abzuschließen. Doch wie das Leben so spielt, hat sich in der Zwischenzeit viel in meinem Leben geändert. Da ich Amateur bin, musste ich solche Hobby-Projekte leider zeitweise auf Eis legen, da andere Dinge zu dieser Zeit einfach wichtiger waren. Ironischerweise wohne ich nicht mehr in der Stadt, um die es in dem Projekt geht. Mein Kind wurde geboren, wir brauchten daher mehr Platz und kauften deswegen ein Haus im Nachbarort. Auch wenn ich nicht mehr in Brühl wohne, bin ich dennoch oft dort. Es fühlt sich immer noch wie „nach Hause kommen“ an.

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10 Gedanken zu “Ein Jahr, eine Stadt, eine Linse

  1. Sehr schöne, stimmungsvolle und auch witzige Fotos. Da sieht man mal wieder, was für ein gutes Auge du hast. Vieln Dank für den link!

  2. Vielen Dank für die schönen Fotos, toll gemacht! Habe selber mal 4 Jahre in Brühl gewohnt, mit meiner damaligen Liebe und jetzt Deine beeindruckenden Fotos vom Schlosspark… da kommen viele Erinnerungen wieder! Danke schön.

  3. Wunderschöne Bilder, die Stimmung kommt gut rüber. Ein bisschen Melancholie durch das Schwarz-Weiß und die Musik. Im Kopf entstehen sofort Geschichten. Am besten fand ich die Fotos auf denen Menschen in ihrem Kontext zu sehen waren, Bilder mit Strukturen/Kontrast und Schrift. Brühl kenne ich nur am Rande, aber das alte Symbol des Karl-Kaufmann-Wegs habe ich sofort an einem Baum erkannt (schwarzes Dreieck auf weißem Grund). 😉 Wir sind ihn 2016 nahezu komplett gelaufen, aber am Anfang von Weilerswist aus gestartet. Der Film wirkt wie ein Zeugnis aus uralten Tagen. Dabei sind es ja erst 3 Jahre. Hat mir sehr gut gefallen und regt zum Nachahmen an! 🙂

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