Kulturlandschaft

Das Ende der Welt

Das Ende der Welt

Im Kölner Umland wird schon seit Jahrhunderten Braunkohle abgebaut. Von einem kleinen Zuverdienst entwickelte sich dieser Wirtschaftszweig zu einer milliardenschweren Industrie, die vielen Menschen in dieser Region Arbeit bietet, die aber auch massiv die Umwelt umwälzt. Es ist so lukrativ, dass ganze Ortschaften umgesiedelt werden, um Platz für die riesigen Tagebaue zu machen.

Braunkohle liegt in der Regel nicht so tief im Boden, wie Steinkohle, weswegen man Braunkohle meistens im Tagebau fördert. Gigantische Schaufelradbagger fräsen sich in die Landschaft und erzeugen gigantische Löscher, um ans Flöz zu kommen, wie die Schicht mit der Kohle in der Fachsprache heißt.

Irgendwann ist die Kohle aber komplett abgebaut oder der Abbau wird unrentabel. Dann ist die Arbeit am Tagebau nicht vorbei. Nach dem Abbau folgt die Rekultivierung. Manche Tagebaue wurden später mit Wasser gefüllt und zu Seen umfunktioniert. Andere wiederum wurden wieder mit Erde aufgefüllt und renaturiert.
Als Kind habe ich in einem Ort gewohnt, der direkt an einen solchen Tagebau grenzte. Manchmal habe ich am Rand dieses Tagebaus gespielt, manchmal bin ich sogar einige Meter runter gelaufen. Das war zwar nicht erlaubt, weil sehr gefährlich, aber als heranwachsender Junge hat mich das wenig interessiert.

Zwischen den Feiertagen habe ich Freunde in diesem Ort besucht und wir sind in, oder besser gesagt auf dem Tagebau spazieren gegangen. Denn da, wo in meiner Kindheit sich ein hunderte Meter tiefes Loch befand, ist heute eine Art Heidelandschaft. Das Loch wurde mit Erde aufgefüllt und es wurden verschiedene Pflanzen angepflanzt, damit die Erde nicht erodiert. Alles wirkt so fremd auf mich, da es während meiner Abwesenheit geschah. Es ist fast unvorstellbar, dass dort mal so ein Loch gewesen ist.
Die Flora und Fauna dort sind noch etwas trist. Es wird noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, dauern, bis man dort nicht mehr erkennt, was dort mal gewesen ist.

Es ist ein Symbol dafür, wie der Mensch mit seiner Umwelt, aber auch mit seiner Geschichte umgeht.

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6 Gedanken zu “Kulturlandschaft

  1. Spannende Bilder. Ist das Garzweiler. Den dortigen Abbau habe ich 2015 besucht, das erste Mal in meinem Leben habe ich damals diese Kulturlandschaften gesehen, auch einen Ort besucht, der kurz vorm verschwinden ist. Spannender Kontrast aus Faszination vor der Technik und Betroffenheit, was mit den Menschen dort passiert, die ihr Leben dort verbracht haben.

      • Coole Bilder. Ich hatte ursprünglich auch mehr Bilder von so einem Geisterdorf. Sind wohl irgendeiner Aufräum-Aktion zum Opfer gefallen 😉

        Ja, ich war früher mal im Abbaugebiet. Als Schüler mit der Schulklasse (lange her und natürlich damals ohne Fotoapparat), und vor ein paar Jahren bei einer Art Führung durch den Betreiber selbst. Die hatten sogar einen extra für solche Touren umgebauten gelädefähigen LKW mit einer Besucherkabine hinten drauf. Alleine die Fahrt war schon sehr abgefahren, weil man ganz oft das Gefühl hatte, dass man da nicht durch kommt oder dass das Teil einfach umkippt.
        Ich meine aber irgendwo gehört zu haben, dass es solche Touren nicht mehr gibt.

      • Das klingt spanndend, die LKW Fahrt hätte ich auch gemacht. In Thüringen habe ich mal mit einer Jugendgruppe eine Besichtigung einer alten Salzmiene gemacht. Damals ist auch ein offener LKW (wir saßen hinten drauf) durch die Tunnel gebrettert, vorne das Licht der Scheinwerfer, hinten Dunkelheit und das alles hoch und runter in einem (gefühlt) halsbrecherischen Tempo. War abgefahren.

      • Das war schon cool. Die Dinger sehen noch krasser aus, wenn man drunter steht.
        Ich war auch mal dabei, als einer dieser Bagger von einem Tagebau in einen anderen Tagebau überführt wurde. Es lohnt sich nämlich nicht die Dinger auseinander zu bauen, die fahren „einfach“ rüber. Der Bagger fuhr über einen kleinen Fluss und über eine Autobahn (nicht meine Bilder).
        Es ist unglaublich. Die Dinger sind fast 100 m hoch, über 200 m lang und über 14.000 t schwer, und sie können trotzdem fahren.

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