KW47/2015 – Paris

KW47/2015 – Paris - In love, c'est tout

KW47/2015 – Paris – In love, c’est tout

Eigentlich bin ich ein Gegner von Color-Key-Bildern, aber hier passt es einfach.

Im Mai dieses Jahres habe ich mit dem FAB Paris besucht und hatte viel Spaß dort. Wenn ich mir die Bilder von damals anschaue, kann ich es irgendwie nicht begreifen, was dort diese Tage passiert ist, und immer noch passiert. Ich muss auch bedauerlicherweise zugeben, dass mich die Ereignisse in Paris betroffener machen, als der ständige Terror in anderen Ländern. Ich weiß, dass die Menschen, die bei uns Schutz suchen, aus Ländern kommen, in denen solcher Terror leider Alltag ist. Der Unterschied für mich ist natürlich, dass ich noch nie in diesen Ländern war und diese auch relativ weit weg sind. Betroffenheit ist ja auch nichts rationales, für das man sich bewusst entscheidet. Daher denke ich, dass solche Reaktionen verständlich sind.

Aber nicht nur die jüngsten Ereignisse machen mich betroffen, sondern auch meine Gedanken bezüglich unserer Zukunft. Und damit meine ich nicht, dass ich Angst habe einem Terror-Anschlag zum Opfer zu fallen. Eigentlich fühle ich mich relativ sicher. Zumindest nicht unsicherer, als vor den Anschlägen in Paris.
Ich mache mir Sorgen darüber, wie wir als Gesellschaft damit umgehen werden.
Wir engagieren uns privat für Flüchtlinge, die genau wegen diesem Terror aus ihrer Heimat flüchten mussten. Die Deutsche Bevölkerung war diesbezüglich sehr zwiegespalten, was man an der Pegida-Bewegung gut sehen kann. Daher kämpften wir für die Akzeptanz unter den Zweiflern. Und nun machen eine Hand voll verwirrter Menschen diese Arbeit zunichte. Das macht mich wütend, aber ich gebe nicht auf.
Denn diese verwirrten Menschen stehen genau so wenig für den Islam, wie der Ku Klux Klan nicht fürs Christentum und Pegida nicht fürs Deutsche Volk steht. Leider werden einfach gestrickte Menschen das aber so sehen.

Wichtig wird sein, wie wir in Zukunft darauf reagieren werden. Werden wir diesen einfach gestrickten Menschen folgen, und vermeintlich einfache Lösungen für sehr komplexe Probleme fordern, die am Ende alles nur noch schlimmer machen werden?
Frankreich hat seit 2006 eine stärker ausgeprägte Vorratsdatenspeicherung. Vor kurzer Zeit wurde den Französischen Geheimdiensten quasi ein Blanko-Scheck ausgestellt, die dürfen fast alles, was sie wollen. Und nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo war das Land ja eh in Alarmbereitschaft. Es ist mir völlig unbegreiflich, wie Terroristen eine solche Aktion unentdeckt planen und koordinieren konnten. Diese Anschläge waren keine ad-hoc Aktionen. Es mussten Menschen rekrutiert, Waffen beschafft, Ziele auskundschaftet, Zeitpläne erstellt usw. werden. Diese Aktion hat sicherlich im Ganzen Wochen oder vermutlich sogar Monate gedauert. Wie kann so etwas in Zeiten der totalen Massenüberwachung jeglicher Kommunikation unentdeckt bleiben?

Schnell werden Rufe nach noch mehr Überwachung laut. Albert Einstein hat mal gesagt „Es ist verrückt, die Dinge immer gleich zu machen und dabei auf andere Ergebnisse zu hoffen.“. Und viel hilft eben oft nicht viel. Dieses Konzept sollte grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt werden. Ich glaube nämlich nicht, dass noch mehr Überwachung dieses Ereignis verhindert hätte. Die Täter waren den Behörden bereits seit langem bekannt. Offensichtlich wurden die Daten, die man schon hatte nicht gut ausgewertet. Noch mehr Daten hätten daher eher geschadet, als genutzt.

Sicherheitskonzepte sind natürlich wichtig. Aber viel wichtiger ist es die Ursachen von Terrorismus zu bekämpfen. Genau so, wie jetzt sicher wieder aufgerüstet wird, sollte man viel mehr dafür tun, dass Menschen nicht von radikalen Rattenfängern instrumentalisiert werden. Und damit meine ich nicht nur Islamisten, sondern genau so Rechtsextreme (man denke nur auf die Messerattacke auf die neue Kölner Bürgermeisterin). Und das sowohl in Europa, wie auch in den Ländern, aus denen der Terror zu uns kommt.
Hass führt zu Gewalt. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und das führt zu einer Gewaltspirale, und die löst keine Probleme.

Für das Problem gibt es leider keine einfache und schnelle Lösung. Es wird viel Zeit und viel Geld in Anspruch nehmen Vorurteile abzubauen, Menschen eine Perspektive in ihrem Leben zu geben und die Mauern in den Köpfen zu überwinden. Das Gute ist aber, dass es in unseren Händen liegt, was daraus werden soll.
Wollen wir die Terroristen gewinnen lassen und in Angst und Hass leben? Oder wollen wir ihnen den Stinkefinger zeigen, und „Jetzt erst recht!“ rufen?
Aus eigener Erfahrung kann ich nur raten auf andere Menschen zu zugehen und, egal ob sie aus einem anderen Land kommen, eine andere Religion haben oder einfach nur anders aussehen, sie in die Gesellschaft aufzunehmen. Ausgrenzung ist nämlich eine der Hauptursachen für Menschen sich zu radikalisieren. Dabei kann man von anderen Menschen und anderen Kulturen so viel lernen, genau wie andere Menschen auch von uns lernen können. Es kostet Überwindung, aber es lohnt sich.

Ich schließe für heute mit einem alten chinesischen Sprichwort: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“

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