Berlin 2015 – Der verschliffene Diamant – Part 2

Alexanderplatz Berlin

Alexanderplatz Berlin

Ebenso wie in Hamburg kann man in Berlin an alternativen Stadtführungen teilnehmen, die einem interessante Ecken abseits der üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten zeigen.
Wir meiden normalerweise solche geführten Touren, und fühlten uns auch diesmal nicht ganz wohl in unserer Haut. Man läuft in einer Gruppe und ist schon vom Weiten aus als gemeiner Touri erkennbar. Als würde man durch einen Zoo laufen, wobei die Frage unbeantwortet bleibt auf welcher Seite des Gitters man sich befindet. Wenigstens haben wir es auch in dieser Stadt geschafft diese City Tour Busse nicht zu nutzen. Die meiste Zeit waren wir zu Fuß oder mit der Bahn unterwegs. Und da fällt einem schon der zweite große Unterschied zu Köln auf. Die Stadt ist wesentlich breiter angelegt. Schöne breite Straßen, breite Bürgersteige und viele Parkplätze, auch wenn der Berliner das vermutlich nicht so sieht. Aber verglichen mit Köln sind es viele Parkplätze.

Aber zurück zu der alternativen Stadtführung. Treffpunkt war am Fernsehturm am Alexanderplatz. Eine Gruppe von ca. 15 Personen wurde von einer Studentin aus Australien angeführt. Eine Australierin macht Führungen in der Deutschen Hauptstadt. Ja, und das auf englisch, denn ausser Simone und mir kamen alle Teilnehmer aus dem Ausland. War aber alles gut, denn sie sprach sehr deutlich, musste aber oft gegen die laute Stadt anbrüllen.
Der Anfang war für uns beide nicht so spannend, da vieles erzählt wurde, was man als Deutscher eh schon weiß. Spannend war es, wie Fremde uns Deutsche sehen. Unsere Führerin wies die Teilnehmer eindringlich und mehrfach darauf hin nicht auf Radwegen zu laufen oder über rote Ampeln zu laufen, auch wenn gerade kein Auto kommt, sonst werden sie von den Deutschen angeschrien. Aber um 10 Uhr morgens Bier auf der Straße trinken ist ganz normal. Die Deutschen und ihre Regeln 😉

Die ersten Stationen der Tour waren, wie gesagt, nicht so spannend, da es um die Geschichte Berlins, insbesondere die Teilung zwischen Ost und West ging. Kennen wir schon, aber für so manche anderen Besucher ist das etwas völlig Neues. Ich vermute auch, dass viele es trotzdem nicht verstanden haben.

Der zweite Teil der Tour war schon deutlich spannender. Es ging um Berlin nach der Wende, über die Entstehung dieser Freiheit, die viele Berliner so lieben, über Streetart und über Gentrifizierung. Vor allem mit Letzterem hat Berlin massiv zu kämpfen.

Die erste kurze Pause haben wir in einem niedlichen kleinen Laden gemacht, der sich auf Mate Tee spezialisiert hat. Dort konnte man etwas über Mate erfahren und natürlich auch kaufen. Hört sich jetzt ungewöhnlich an, aber in Berlin ist es schwierig ein Getränk ohne Mate zu bekommen. Das Zeug ist überall drin. In Klassiker Club Mate, in Limonaden, in Cola, ja sogar im Wein. Verrückt.

Die zweite, diesmal etwas längere Pause haben wir am berühmten Currywurst Stand Konnopke’s Imbiss gemacht. War ganz lecker und auch scharf (wir haben „sehr scharf“ bestellt), umgehauen hat es mich aber nicht.

Konnopke's Imbiss

Konnopke’s Imbiss

Wir besuchten kurz die East Side Gallery und gingen dann zu YAAM in Kreuzberg, wo ich eh mal hin wollte. Das war genau nach meinem Geschmack. Entspannte und kreative Menschen, tolle Freizeitmöglichkeiten und ein herrlich duftendes Essen. Hier wäre ich gerne länger geblieben.

Weiter ging es zum berühmten „Baumhaus an der Mauer“ von Osman Kalin. Der alte Mann türkischer Abstimmung hat damals an einer Ecke der Mauer ein Baumhaus und einen Garten aus dem Abfall, wie z. B. alten Möbeln gebaut. Diesen Garten konnte jeder mit nutzen. Einiges von dem Gemüse wird an die benachbarte Schule gespendet.
Überhaupt gibt es in den Stadtteilen viel Zusammenhalt. Das merkt man immer wieder, da sich die Menschen dort gemeinsam gegen die Gentrifizierung währen.

Baumhaus an der Mauer

Baumhaus an der Mauer

Nächste Station war das Künstlerhaus Bethanien, ein altes schönes Gebäude, welches eigentlich abgerissen werden sollte. Wie so viele leer stehende Häuser in Berlin nach der Wende wurde damals auch dieses Gebäude einfach besetzt und von der Gemeinde als Treffpunkt genutzt. Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts oder Herkunft haben dort etwas Tolles und Bewahrenswertes geschaffen.

Danach waren wir noch kurz auf dem Türkischen Markt, doch es fing heftig an zu regnen, und wir flüchteten in ein Cafe.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir natürlich noch die Bundesgeschäftsstelle der Piratenpartei, deren Mitglieder sich gerade auf den CSD vorbereiten. Was wir nicht wussten, die Bahnhaltestelle dafür war direkt vor dem neuen BND Gebäude. Was für ein hässliches Teil. Sieht aus, wie ein ultramodernes Gefängnis aus. Wir haben uns gefragt, wie das in Zukunft ablaufen wird. Dort sollen über 6000 Menschen arbeiten. Die werden doch auffallen. Egal ob sie mit der Bahn fahren oder mit dem Auto. Und Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes sind ja aus gegebenem Anlass nicht gerade beliebt (und das zurecht). Und das in einer Stadt, wie Berlin. Das wird noch interessant in Zukunft.

Irgendwie ist das für mich auch der krasseste Gegensatz Berlins. Auf relativ engem Raum findet man eine konservative, kalte, menschenverachtende und konzerngesteuerte Regierung und ihren Machtapparat in ihrem Elfenbeinturm, und dann sind da die einfachen Menschen, vor denen die eigene Regierung so viel Angst hat, dass sie die Menschen permanent überwachen lässt.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn eine Angela Merkel, oder irgendeiner der Minister sich mal herablassen würde, und einige Zeit in z.B. Kreuzberg ohne dem üblichen Drumherum, wie ausgesuchten Publikum, dass treudoof in Kameras winkt, verbringen würde. Was würde sie dort sehen? Vermutlich leider nicht das Gleiche, wie ich.

Hatten dann noch eine nette Unterhaltung mit den Piraten. Die betreiben dort eine Freifunk Anlage, welche unter anderem gerne von der Jugend intensiv genutzt wird. Kinder sitzen mit ihren Smartphones vor der Tür und haben Spaß.

Kids und ihre Smartphones

Kids und ihre Smartphones

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