Vietnam 2014 – Ho Chi Minh City (Sai Gon) Part 2

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Spülkopf

Direkt um die Ecke befindet sich das Kriegsopfermuseum. Vor dem Museum werden alte, erbeutete amerikanische Kriegsmaschienen, Flugzeuge, Hubschrauber, Panzer, Boote usw. ausgestellt.
Das Innere verteilt sich auf 3 Etagen. Es werden vereinzelt Exponate, wie Gebrauchsgegstände, Munition, Waffen und Trümmer gezeigt.
Das Meiste sind aber sehr viele Fotos mit entsprechender Beschreibung.
Die Fotos thematisieren die Bereiche vor dem Krieg, während des Krieges, die Auswirkungen davon und wie Vietnam langsam auf die Füße kam.
Vor allem die Bilder der Auswirkungen und Spätfolgen der chemischen Waffen (bekannteste dürfte Agent Orange sein) sind schon heftig. Aber auch die Bilder, die während des Krieges gemacht wurden, sind nichts für schwache Nerven. Solche Bilder würde man vermutlich in einem deutschen Museum nicht sehen. Erschossene Frauen mit toten Säuglingen im Arm, Leichenteile usw. Viele der Bilder erinnern an die Bilder, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei den Befreiungen von Konzentrationslagern gemacht wurden.
Nicht schön, aber wichtig, dass es nicht vergessen wird.

Beim Besuch des Museums muss man bedenken, dass man sich in einem kommunistischen Staat befindet, in dem man besser aufpasst, was man zu bestimmten Themen sagt.
Die Ausstellung ist daher natürlich recht einseitig. Die Amerikaner werden als das personifizierte Börse dargestellt, wohingegen die Vietnamesen als Helden glorifiziert werden. Aber auch die Vietnamesen waren nicht gerade zimperlich.
Aber ganz ehrlich, ich kann es etwas verstehen.
Die Amerikaner haben nicht ihr Land verteidigt, sondern einen äußerst brutalen Angriffskrieg in einem fern Land geführt.
Leider scheinen sie nicht viel dazu gelernt zu haben, wenn man sich die Geschichte seit dem Vietnamkrieg bis heute anschaut. Sie machen immer wieder die gleichen Fehler.
Die Einseitigkeit der Ausstellung dürfte man umgekehrt in den USA auch so wiederfinden. Die Genfer Konventionen verbieten den Einsatz von chemischen Waffen. Trotzdem wurden sie massenweise eingesetzt.
Eine amerikanische Einheit hat ein ganzes Dorf massakriert. Um das zu vertuschen wurde alles niedergebannt und mit Buldozern platt gemacht. Und das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein.
Wie auch immer, Krieg ist immer furchtbar. Meistens leiden nicht die, die die Zügel in den Händen halten, sondern die einfache Bevölkerung.
Ich bin froh, dass Vietnam trotz der vielen Schicksalsschläge, ein so tolles Land geworden ist.

Auf dem Weg zum Palast der Wiedervereinigung kamen wir durch eine Straße, in der es mehrere Geschäfte gab, die nur Tresore verkaufen. Die werden präsentiert, wie andernorts Obst.
Ich frage mich bei so manchen Geschäften hier, von was die leben. Sie sind oft sehr spezialisiert und man sieht nie Kundschaft.

Der Palast der Wiedervereinigung, ehemals der Palast des Präsidenten von Südvietnam, ist eher unspektakulär. Wir haben uns das Eintrittsgeld dafür gespart und es nur von außen gesehen.

Dann haben wir den Ben Tanh Markt besucht, der sich in einem überdachten Gebäude befindet. Der Fischmarkt darin war noch ganz interessant, der Rest eher nicht. Viele Stände haben die gleichen Waren, und man wird überall angesprochen, ob man was kaufen will.
Die Hitze draußen ist schon unerträglich. Im Gebäude ist es noch schlimmer. Wir bleiben nicht lange.

Auf dem Weg zurück ins Hotel machen wir noch in einem Café halt um uns etwas zu erfrischen. Während wir unsere Getränke schlürfen, fängt es an zu regnen. Lustigerweise zur gleichen Zeit, wie am Tag zuvor.
Das nenne ich mal Regen. Das Wort „Wolkenbruch“ wäre stark untertrieben. Innerhalb weniger Minuten standen die Straßen 15-20 cm unter Wasser. Vorbeifahrende Autos schleudern Wassermassen auf die Bürgersteige, die vorbeifahrenden Mopeds wirken eher wie Jetskis, die durchs Wasser pflügen.

Als der Regen aufhört, setzen wir unseren Weg fort. Doch da, wo vorher Wege waren, sind nun Flüsse. Zum Glück habe ich mir kurz vorher Sandalen gekauft.
So kommen wir, wenn auch mit nassen Füßen, im Hotel an.

Fürs Abendessen hat Simone einen interessanten Laden gefunden. Auf dem Weg zu Banh Xeo 46a tauchte plötzlich eine katholische Kirche vor uns auf. In Europa wäre das kein Ding, hier fällt es einem direkt ins Auge. Vor allem, weil die Kirche pink ist (sieht man auf dem Bild nicht so gut). Von außen können wir einen Blick rein werfen. Innen ist sie bunt, es drehen sich viele Ventilatoren, die von der Decke runter hängen.
Neben der Kirche gibt es auch so etwas wie einen Weihnachtsmarkt. Man kann hier aber nur Weihnachtsdeko kaufen.

In einer dunklen Gasse finden wir unser Ziel. Es ist eine Mischung aus Straßenküche und Restaurant. Kellner fliegen mit riesigen Blechtablets umher und servieren unzählige regionale Gerichte. Das Publikum ist bunt gemischt.
Über all dem wacht eine ältere Frau mit strengen Blick wie ein Adler. Sie dirigiert dieses chaotische kulinarische Orchester und greift hier und da ein.
Unser Essen wird unglaublich schnell serviert und schmeckt toll. Wir wissen nur nicht so recht, wie man das isst. Egal, notfalls mit Händen wird der Magen gefüllt.
Auf dem Rückweg sehen wir uns noch an, wie die Speisen zubereitet werden. Mir völlig unbegreiflich, wie die Frauen das machen. Ich schwitze wie in der Sauna und das nur beim Sitzen. Die Frauen stehen inmitten von 14 heißen Öfen, aus denen nicht selten Stichflammen den Laden erhellen.
Krasses Bild und ein schöner Abschluss für den Tag.

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