Vietnam 2014 – Hoi An Part 2

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Easy Rider für Arme

Frühstück gab es heute im Freien und Grünen, nämlich auf einer Terrasse im ersten Stock unseres Homestays. Anders als bisher gab es kein Buffet, alles wurde auf Bestellung frisch zubereitet.

Ich musste endlich mal einiges an Wäsche waschen lassen. Auf dem Weg zur Wäscherei fing es an zu nieseln. So mussten wir unseren Plan die Gegend mit einem Moped zu erkunden, ein wenig verschieben. Also kurze Pause auf dem Balkon.

Nachdem der Regen aufgehört hat, sind wir zu einem der zahlreichen Moped-Verleihs gegangen (lustigerweise da, wo ich meine Wäsche abgeben habe) und haben uns zwei Helme und ein Moped geliehen.
Dann sind wir einfach drauf los gefahren, raus aus Hoi An. Wir wollten schließlich das ursprüngliche Vietnam sehen.

Das letzte Mal, dass ich ein Moped gesteuert habe, liegt schon sehr sehr viele Jahre zurück. Alles in allem hat es aber doch ganz gut geklappt. Der Verkehr ist für vietnamesische Verhältnisse sehr moderat. Wir fuhren durch einige Dörfer, und man merkte schnell, dass Hoi An nicht dem „echten“ Vietnam entspricht, obwohl diese Dörfer quasi nebenan liegen.

Von der erhöhten Straße aus sahen wir interessante Reisfelder und Siedlungen. Manchmal muss man die sicher scheinenden und bequemen Wege verlassen, um etwas zu erleben.
Gesagt, getan.

Irgendwann bogen wir einfach in einen Weg ab, der nicht wirklich wie eine Straße aussah, und verfuhren uns natürlich. Aber gerade dann passieren die interessantesten Dinge.

Wir fuhren über schmale Pfade, da wo die Landbevölkerung lebt und arbeitet. Wie in Hue waren wir auch hier die Attraktion. Auch hier verirrt sich wohl selten ein Tourist hin. Eine alte Frau schaute von ihrer Arbeit auf, und ihr fiel vor Erstaunen die Kinnlade herunter. Ich grinste sie breit an, und sie grinste zurück. Überall lächelten uns die Menschen zu und grüßen uns fröhlich. Was für ein Kontrast zu Hoi An, wo man nur höflich ist, weil man an mein Geld will.

Ich hielt immer wieder an, um zu fotografieren. Auf einem schmalen Weg sah ich einen Streifen aus Enten, die an einem Feld mit Lotusblüten saßen. Das wollte ich natürlich fotografieren, doch ich bin ein wenig zu weit gefahren. Als ich versucht habe zurück und dann an die richtige Stelle zu rangieren, wäre es fast um uns geschehen. Ich verlor das Gleichgewicht, hatte nicht genug Gefühl im Gasarm, und wir wären beinahe in einem Bewässerungsgraben gelandet. Da hätten wir das Moped nie alleine wieder raus bekommen.
Mir blieb keine andere Wahl, als das Moped quasi fallen zu lassen. Gab am Unterboden ein paar Kratzer, die aber nicht weiter ausfielen. Besser so, als das Ding mitten im Nirgendwo unter Wasser zu setzen.
Weiter gab es noch andere Hindernisse, z.B. Kühe, die den schmalen Weg versperrten. Aber die alten Besitzer winkten uns nett zu und machten uns ein wenig Platz, so dass wir langsam und vorsichtig zwischen den Tieren hindurch manövrieren konnten.
Überall, wo wir vorbei kamen, schauten uns die Menschen an, als hätten wir pinke Hasenohren auf dem Kopf. Aber ein Grinsen, und die meisten grinsten zurück.

Leider wurde das Wetter wieder schlechter. Es regnete immer wieder und es wurde kühler. Beides zusammen macht nur mit T-Shirt, kurzer Hose und Flip-Flops auf einem Moped bekleidet auf Dauer keinen Spaß. Dummerweise wussten wir nicht mehr, wo wir waren, was die Navigation zurück zum Homestay schwierig machte.
Nach einigen unbeabsichtigten Schlenkern fanden wir schließlich doch den Weg zurück.

Eigentlich wollten wir nur kurz Pause machen, uns mit Tee und Kaffee und Baguette aufwärmen, und danach besser gekleidet wieder los düsen. Doch nach dem Zwischenstopp beim Baguette-Dealer merkte ich direkt, dass etwas nicht stimmt. Das Gefährt ließ sich nur noch schwer lenken und fühlte sich irgendwie schwammig an. Wir hatten hinten einen Platten.
Es waren nur noch ein paar Meter bis zum Homestay, die wir gerade so noch zurück legten. Der Plan war eine Pause zu machen, das Moped zu tauschen und wieder los zu düsen. Doch gerade als wir angekommen sind, fing ein richtiger Wolkenbruch an.
Wir hatten also doppelt Glück im Unglück. Wir konnten zwar nicht weiter, aber besser so, als wenn wir den Platten Kilometer weit entfernt bei irgendwelchen menschenverlassenen Reisfeldern und im Regen mit unpassender Kleidung gehabt hätten.

Der Regen hörte leider auch nicht mehr auf. Es wurde mal weniger, dann wieder mehr, aber es hörte nicht mehr auf. Wir mussten das Ding aber noch abgeben. Wir liehen uns einen Schirm von Linh, unser Homestay-Betreiberin aus, die uns erzählte, dass es an diesem Tag schon seit Jahren regnet. Heute ist nämlich Lehrer-Tag in Vietnam, und am Lehrer-Tag regnet es hier immer.

Da es eh schon dunkel war, und das Wetter nicht besser wurde, gaben wir das Moped ab, und gingen essen.

Ich weiß mittlerweile auch mehr über das Baguette. Es wird Banh Mi genannt. Morgen werde ich eines da essen, wo Anthony Bourdain es auch schon gegessen hat.

Auf dem Heimweg haben wir uns noch was zu Trinken, was zu Naschen und leckeres Mangoeis am Stiel geholt und es uns mit unseren kleinen Geckos gemütlich auf dem Balkon gemacht.

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