Vietnam 2014 – Hue Part 2

image

Flag Tower (Flaggen Turm)

Heute haben wir das besucht, weswegen wir eigentlich nach Hue gekommen sind. Die Zitadelle und die verbotene Stadt des Kaisers. Diese sind einfach wunderschön, daher diesmal ein paar mehr Bilder.

Auf dem Weg dahin, war es tierisch heiß, und wir wollten uns Wasserflaschen kaufen. Als wir gerade dabei waren, haben uns zwei junge Männer angesprochen bzw. uns mit Handzeichen zu verstehen gegeben, dass sie sich gerne mit uns fotografieren lassen würden. Obwohl wir das nicht erwartet oder gar verlangt haben, bezahlten sie zum Dank unser Wasser. Ok, es war nicht viel, trotzdem nett.

Ich war zwar noch nicht in Peking, aber so viel ich darüber weiß, dürften diese verbotenen Städte ähnlich sein.
Von weitem schon deutlich sichtbar ist die am Parfüm Fluß gelegene Flag Tower (Flagen Turm). Dort ist die größte Flagge gehisst, die ich je gesehen habe.
Es ist ein fast quadratisches Areal umgeben von einem Wassergraben und einer Mauer.
Hier kommt das nach Ordnung dürstende Herz voll auf seine Kosten, denn hier hat alles seine Ordnung und seinen Platz.
Innerhalb der Mauer ist das Areal in verschiedene Zwecke aufgeteilt, daher sind die Gebäudekomplexe darin recht symmetrisch und harmonisch angeordnet.
Hinzu kommt, dass hier keine Mopeds fahren und auch keine Händler oder Rikschafahrer nerven. Ein recht ruhiger Ort also.

Das alles wurde zwischen 1804 und 1831 erbaut, ist also noch recht „frisch“. Der Stil ist aber klassisch asiatisch.
Der Haupteingang ist das mächtige und beeindruckende Noon Gate (Mittagstor). Es bietet 5 Portale, das mittlere und größte ist nur dem Kaiser vorbehalten. Die zwei Äußeren für ranghohe Beamte, und die Zwei ganz außen für alle anderen.
Leider befindet sich das Tor gerade in Restaurierung und ist von einem Gerüst umgeben.
Durch Naturkatastrophen und zwei Kriege, insbesondere dem Amerikanischen Krieg, wie er hier genannt wird, wurde sehr viel zerstört. Einiges wurde wieder restauriert oder wieder aufgebaut, vieles ist aber noch im Wiederaufbau oder wartet darauf. Ich denke, in 10 Jahren wird das alles noch prächtiger sein.

Es gibt dort auch eine sehr interessante Fotoausstellung, die in Zusammenarbeit mit einer deutschen Behörde erstellt wurde. Das sind Bilder aus den 1900er Jahren und zeigen den Kaiser im Amt, den Hofsaat und die Zitadelle.

Ähnlich, wie in Frankreich hat sich hier eine sehr aufwändige königliche/kaiserliche Küche entwickelt. Der Kaiser aß jeden Mittag 30-50 verschiedene kleine Speisen. Er trank Tee, der mit dem kalkfreien Tauwasser zubereitet wurde. Der Mann wusste, wie man es sich gut gehen lässt.

Apropos es sich gut gehen lassen. Er  hatte hunderte von Frauen, die in 9 Hierarchiestufen unterteilt waren. Hinzu kommen noch hunderte Konkubinen. Ihm wurde jeden Tag eine Liste vorgelegt, und er konnte sich eine auswählen. Für die Frauen war es (angeblich) eine Ehre.

Obwohl noch viel nicht wieder aufgebaut ist, ist die Zitadelle einen Besuch wert. Die Gebäude und Gärten sind einfach wunderschön.

Abends waren wir Hotpot essen, den man in verschiedenen Varianten essen kann. Im Prinzip ist das Bun Cha Ga, nur wird die Suppe in einem Topf serviert und die Nudeln getrennt dazu.
Zufällig saß ein Pärchen mit ihrem Baby neben uns, die wir auf dem Boot in der Ha Long Bucht kennengelernt haben. Das Baby wollte aber nicht so recht Ruhe geben, so dass die Eltern nicht essen konnten. Kurzerhand schnappte sich eine der Bedienungen das Kind und kümmerte sich um es, bis die Eltern fertig waren. Sehr unkompliziert und nett.

Später waren wir noch auf einem kleinen Nachtmarkt am Fluss.

Jetzt zu einem ganz anderen Thema.
Ich habe das schon hier und da mal angerissen, aber das Thema bedarf ein paar mehr Zeilen.
Das Herzstück des vietnamesischen Lebens ist das Moped. Es dient nicht nur dem Transport, darauf wird auch geschlafen, gegessen, geplaudert usw.
Es ist hier nicht ungewöhnlich, dass eine fünfköpfige Familie und ein Hund im Fußraum durch die Stadt düsen. Dabei schreibt der Fahrer noch seelenruhig eine SMS, während andere Mopeds aus allen Richtungen angeschossen kommen.
In Deutschland gilt das Prinzip der Rücksichtnahme. Die meisten versuchen sich an die Regeln zu halten, um die anderen nicht zu behindern oder zu verärgern. Das funktioniert jedoch nur bedingt, denn geben wir es zu, wir ärgern uns sehr häufig im Straßenverkehr. Eigentlich ist es purer Stress.
Hier in Vietnam gilt das Prinzip der Gelassenheit. Wer sich aufregt, „verliert sein Gesicht“, handelt also unehrenhaft. Hier fährt jeder da, wo gerade Platz ist. Wenn es sein muss auch auf dem Bürgersteig oder im Gegenverkehr. Wenn man geschnitten wird, dann weicht man halt aus oder fährt langsamer oder was auch immer. Hier regt sich keiner auf, wenn ein Auto auf einer voll befahrenen Straße wendet (wie mit uns). So wie ein Fisch sich im Fischschwarm nicht ärgert, dass er ausweichen muss.
Selbst Hunde haben sich darauf eingestellt und überqueren selbstständig Straßen im dichten Verkehr, ohne dass sich da jemand drum schert.
Es wundert jetzt auch nicht mehr, warum die Bürgersteige hier voll gestellt, im schlechten Zustand oder einfach nicht existent sind. Ausser ein paar Touristen geht hier kein Mensch zu Fuß.

Tagsüber, wenn die Sonne brennt, sieht man die meisten Frauen auf den Mopeds voll vermummt. Lange Hose, Jacke, Kapuze auf, Mundschutz, Handschuhe und Sonnenbrille. So schützen Sie sich gegen die starke Sonne. Aber nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil hier helle Haut ein Schönheitsideal ist. Die meisten Kosmetikprodukte hier enthalten Bleichmittel, so wie sie bei uns öfters Selbstbräuner enthalten.
Abends, wenn die Sonne untergegangen ist, zeigt man schon mal gerne mehr Haut. Aber nicht so viel, wie westliche Frauen.
Ich bewundere die Frauen hier. Ich schwitze schon im Sitzen, obwohl ich nur T-Shirt und kurze Hose an habe, und die ziehen sich an, wie bei uns im tiefsten Winter.
Oft packen sie ihre Mopeds so voll, dass man das Moped gar nicht mehr sieht. Das ist eine Kunst, denn die Waren sind manchmal sehr hoch gestapelt. Transportiert wird alles. Von Hühnern, über Bierkästen (gleich 5-6 auf einmal) bis hin zu riesigen Röhrenfernsehern.
Die Frauen erledigen hier auch körperlich schwere Arbeiten, wie z.B. auf dem Bau (natürlich ohne Helm und in Flip Flops).
Das Leben ist eines der Härtesten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s