Brass Petzval 85mm Objektiv von Lomography

Nikon FE2 und Petzval 85mm

Nikon FE2 und Petzval 85mm

Dieses Petzval Objektiv habe ich nicht irgendwo auf einem Dachboden eines alten Herrenhauses gefunden. Es ist eine Neuauflage des legendären Petzval Objektives, welches das erste Portrait Objektiv der Welt war und 1840 konstruiert wurde. Lomography haben das als Kickstarter-Projekt aufgezogen und Erfolg damit gehabt.
Fast zur selben Zeit hat der Stilpirat die Linse auch getestet. Dort findet ihr noch ein paar mehr Bilder und technischen Daten dazu. Auch chip.de testete das Objektiv bereits.
Nun konnte ich das Objektiv endlich auch testen. Wie immer kein technischer sonder ein Alltags-Test.

Petzval 85mm und analoger Film

Petzval 85mm und analoger Film

Die Außenhülle besteht aus Metal, ebenso Gegenlichtblende, Deckel und die Blenden. Daher ist es nicht gerade leicht, aber es geht noch. Natürlich hat es keinen Autofokus. Fokussiert wird mit dem dicken Rad an der linken Seite. Die Blenden werden einfach in den dafür vorgesehenen Schlitz geschoben.

Petzval 85mm mit der X-E1

Petzval 85mm mit der X-E1

Hört sich eigentlich alles ziemlich umständlich an, und das ist es auch. So richtig scharf wird es nie und der Schärfeabfall zu den Rändern hin ist „zerstörerisch“.
Also warum tut man sich ein solches Objektiv an?

Petzval 85mm mit der X-E1

Petzval 85mm mit der X-E1

Nun, es liefert Bilder, die man so mit keinem anderen Objektiv erreichen kann. Es erinnert vom Ergebnis her ein wenig an die Objektive von Lensbaby. Gerade mit seinen 85mm Brennweite ist es für Portraits prädestiniert. Aber das ist nicht das Besondere. Man kann damit einen einzigartigen analogen Look erzeugen. Und ganz besonders ist der berühmte „Swirl-Effekt“. Wenn man eine große Blendenöffnung wählt, kann man bei geeignetem Hintergrund das Bokeh tonnenförmig um das Motiv „legen“. Ich weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben soll. Am besten, man schaut sich die Bilder an, dann versteht man, was ich meine.

Petzval 85mm mit der X-E1

Petzval 85mm mit der X-E1

Zusätzlich dazu gibt es Blenden in verschiedenen Mustern, darunter auch Sterne, Tropfen, usw. Theoretisch kann man sich auch eigene Blenden basteln mit eigenen Mustern. Das wirkt sich dann aufs Bokeh so aus, dass man dieses Muster als Bokeh im Hintergrund sieht.

Leider sieht man hier nur einen Stern

Leider sieht man hier nur einen Stern

Nun zum Alltagstest. Ich habe das Objektiv für das Nikon-Bajonett ausprobiert (gibt es auch für Canon). Und sowohl an meiner analogen Nikon FE2 als auch an der digitalen Fujifilm X-E1.

Petzval 85mm mit der X-E1

Petzval 85mm mit der X-E1

Die Blenden stecken recht lose im Schlitz, so dass man sie verlieren könnte. Man kann aber den Fokus auf unendlich stellen, dass klemmt die Blende beim Transport etwas ein. Ich würde aber empfehlen bei Nichtgebraucht die Blende rauszunehmen.
Der Fokusring geht recht leicht, aber der Weg von ganz nah bis unendlich ist recht kurz. An der X-E1 mit Focus-Peaking lässt sich so aber mit etwas Übung ganz flott fokussieren. An der FE2 ist der Sucher auch so groß, dass das Fokussieren dort auch recht gut geht.
Dennoch, die Position ist etwas doof, denn mit der Linken Hand halte ich für gewöhnlich Objektiv und Kamera von unten, und bediene die Kamera mit der rechten Hand. Nun muss ich mit der linken Hand fokussieren, und mit der Rechten Kamera halten und die Kamera bedienen.

Petzval 85mm mit X-E1

Petzval 85mm mit X-E1

Der Swirl-Effekt ist auch nicht ganz so einfach hin zu bekommen. Ich hatte das Objektiv nur einen Nachmittag lang zur Verfügung. Ich denke, man muss das etwas üben und vor allem ein Auge für den richtigen Hintergrund haben.

Würde ich dieses Objektiv empfehlen? Nicht uneingeschränkt.
Wenn man gerne experimentiert oder bei Portraits einen besonderen einzigartigen Look sucht, dann wird man mit dem Objektiv viel Spaß haben. Für alle Pixelzähler und Schärfefanatiker ist es allerdings nichts. Mit einem Preis von derzeit 550 € ist es auch nicht ganz so günstig, da es eher ein Spezial-Objektiv ist. Man kann es nicht so universell einsetzen wie ein herkömmliches 85mm Objektiv. Es ist eben eine Lomo-Linse und bei Lomo ging schon immer einen anderen Weg.

Ach ja, noch was. Wer es nicht mag von Leuten angesprochen zu werden, sollte die Finger von dem Objektiv lassen. Ich bin es schon gewohnt wegen meiner analogen FE2 oder der analog aussehenden X-E1 und X100s angesprochen zu werden. Aber bei dem Objektiv klappt den Leuten die Kinnlade runter. Ähnlich, wie damals, als ich mit der Yashica Mat 124 (einem Nachbau der berühmten Rolleiflex Mittelformatkamera) gemütlich durch die Stadt gelaufen bin.

Petzval 85mm mit analogem Film

Petzval 85mm mit analogem Film

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3 Gedanken zu “Brass Petzval 85mm Objektiv von Lomography

  1. Ich bin noch stark am überlegen ob ich da Objektiv kaufe…. den Effekt habe ich letztens ausersehen auch mit der Konstruktor erzielt. Wielange hast du zum fokussieren gebraucht?

    • Mit etwas Übung geht das ziemlich flott. Habe allerdings eine spiegellose Kamera, die einige Hilfen fürs manuelle Fokussieren hat, die eine (D)SLR nicht hat. Focus-Peaking zum Beispiel. Mir ist der Preis für das Objektiv eigentlich etwas zu hoch. Aber wenn es mal weniger kostet, z.B. gebraucht, werde ich es mir noch mal überlegen.

  2. Pingback: Petzval so weit das Auge reicht…. | Candy Shop

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