Fujifilm X-T1 – Review

Fujifilm X-T1

Fujifilm X-T1

Achtung! Warnung!
Wer nur mal schauen möchte, aber im Moment eigentlich keine Kamera kaufen möchte, sollte hier aufhören zu lesen. Andernfalls will man das Ding haben.

Dies ist mein persönliches und subjektives Review der Fujifilm X-T1 Kamera. Beispiele zur Bildqualität und Rauschverhalten gibt es in anderen Reviews im Netz, daher spare ich mir das. Ich besitze ja bereits die X100s, die den gleichen Sensor beinhaltet. Daher weiß ich auch, was der Sensor leisten kann.
Mir geht es eher um die zahlreichen Funktionen, die Haptik und wie sich die Kamera so in meinem Foto-Alltag schlägt.
Ein bekannter hat sich die Kamera gekauft und mir freundlicherweise für ein Wochenende auf dem ich auf einer Hochzeit fotografieren wollte, überlassen. So konnte ich das Gerät ausgiebig und im „Echtes-Leben“-Einsatz ausprobieren.

Gehäuse
Die Kamera ist von den Abmessungen her nicht wesentlich größer als eine X-E1 oder X-E2. Lediglich der Buckel für den Sucher ragt aus dem Gehäuse auf, wie das üblicherweise bei SLR-Gehäusen so ist. Und das ist auch schon der größte Kritikpunkt, den ich an dieser Kamera festgestellt habe. Ich schaue mit dem rechten Auge durch den Sucher. Bei der X-E1 und X100s ist der Sucher links im Gehäuse, so dass wenn ich da durch schaue, mein Gesicht weitestgehend frei ist. Bei der X-T1 hingegen habe ich beim Sachauen durch den Sucher direkt meine Nase am Display platt gedrückt und natürlich Flecken hinterlassen.
Durch den ausgeprägteren Wulst auf der rechten Seite liegt das Gehäuse gut in der Hand und fühlt sich sehr wertig an. Es wird sich zeigen, wie lange die Ummantlung an diesem Wulst halten wird, denn da wird das Material schon stark beansprucht.
Das Gehäuse ist Staub- und Spritzwasser geschützt. Ist für mich jetzt nicht entscheidend, aber für den Fall der Fälle ganz nett. Bisher gibt es nur ein Fuji-Objektiv, welches ebenfalls so geschützt ist. In der nächsten Zeit wird es aber mehr davon geben.

Fujifilm X-T1 Klappdisplay

Fujifilm X-T1 Klappdisplay

Display
Die X-T1 besitzt ein großes und hochauflösendes Display, welches sich nach oben und unten kippen lässt. Besonders viel gibt es dazu nicht zu sagen. Dass sich das Display kippen lässt, erleichtert dem Fotografen nicht nur das Leben, es eröffnet ganz neue Möglichkeiten.
Eine Erleichterung ist es, wenn man z.B. auf einem Stativ in Bodennähe (z.B. bei Makroaufnahmen) arbeitet. Bei DSLRs ohne LiveView musste man früher ziemliche Verrenkungen machen, vor allem wenn man selbst groß ist. Mit LiveView war es schon einfacher, aber mit fest angebrachtem Display konnte sich das je nach Winkel der Kamera trotzdem zu einer ungewollten Yoga-Stunde entwickeln.
Mit dem Klappdisplay ist das nun weitestgehend vorbei. Einen Minuspunkt hat das Ganze dann aber doch. Das Display lässt sich nicht nach rechts oder links klappen. Man kann also die Vorteile des Klappdisplays nicht nutzen, wenn man die Kamera hochkant nutzt.

Fujifilm X-T1

Fujifilm X-T1

Sucher
Der elektronische OLED-Sucher der X-T1 ist das Sahnestück der Kamera. Er ist so groß, wie der Sucher einer einer professionellen Vollformat-Kamera, er ist hell und klar. Nutzt man die Kamera hochkant wird das Bild im Sucher quasi gedreht, d.h., die Anzeigen, wie Blende, ISO, Verschlusszeit usw. drehen sich mit, so dass man sie immer bequem lesen kann.
Durch die schiere Größe des Suchers hat man zu den zusätzlichen Funktionen, wie Focus-Peaking und Schnittbild nun auch einen Splittscreen zum manuellen Fokussieren eingebaut. Bei den bisherigen X-Kameras konnte man beim manuellen Fokussieren den Fokus-Punkt „zoomen“ also quasi den Abschnitt wie durch eine Lupe sehen. Es ging dabei aber nur entweder Normal-Bild oder Lupe. Beim Splittscreen geht beides gleichzeitig. Das normale Bild ist dann zwar etwas kleiner, dafür wird rechts davon ein vergrößertes Bild, also die Lupe eingeblendet. So kann man sowohl punktgenau manuell fokussieren, und dabei die Bildkomposition und was da so im Bild passiert, im Auge behalten. Sehr gute Idee.
Bei den bisherigen X-Kameras konnte man zwischen drei verschiedenen View-Modes auswählen. Entweder wird nur das Display, oder nur der Sucher genutzt, oder der Augensensor am Sucher entschiedet. Hatte man die Kamera auf nur Sucher stehen, war der Sucher immer aktiv. Bei der X-T1 kann man aber auch dafür den Augensensor nutzen, so dass der Sucher erst aktiviert wird, wenn der Augensensor merkt, dass man durchschaut. Die bisherigen Modi gehen natürlich weiterhin wie gewohnt.
Das Einzige, was mir am Sucher nicht gefällt, ist die fest verbaute Gummiwulst um den Sucher. Das ist bei den anderen X-Kameras leider auch so. Fotografiert man mit Brille, so gibt das immer Abdrücke auf der Brille. Ziemlich nervig. Bei meiner Nikon konnte man das einfach abnehmen.

Fujifilm X-T1 Bedienelemente

Fujifilm X-T1 Bedienelemente

Bedienelemente
Besonders in diesem Bereich zeigt die X-T1 ihre wahre Stärke. Anfänger könnten durch die vielen manuellen Einstellungsmöglichkeiten direkt am Gehäuse überfordert sein. Für etwas erfahrene Fotografen sind sie aber ein Segen.
Bei den meisten bisherigen X-Kameras gab es bereits dedizierte Regler für Belichtungszeit und Belichtungskorrektur. Die Blende wird bei fast allen Objektiven direkt mit dem Blendenring am Objektiv eingestellt. Bei der X-T1 kommt zusätzlich dazu noch ein dediziertes Rad für ISO.
Es gibt nun getrennte Buttons für AE-L und AF-L Buttons. Bisher war das in einem Button vereint. Will man die Belichtungsmessung blocken und gleichzeitig Backfocusing machen, dann war das bisher nicht möglich. Nun schon.
Weiterhin gibt es einen Button für WLAN (dazu später mehr), und zum Filmen. Wenn man mit der Kamera filmen möchte, ist das sicher super, dass man nicht erst im Menü umschalten muss. Blöd finde ich nur die Position des Buttons, denn der liegt rechts neben dem Auslöser. Ist mir zwar nicht passiert, aber es könnte passieren, dass man statt den Auslöser die Filmaufnahme startet.
Gut finde ich auch, dass es einen dedizierten Lösch-Button gibt. Ich verstehe nur nicht, warum er da liegt, wo er liegt. Ich hätte die Position mit dem Play-Button (zum anzeigen der gemachten Fotos) getauscht, denn den nutzt man sicher um ein vielfaches mehr.
Hinzu kommen dedizierte Einstellungsmöglichkeiten für den Aufnahmemodus (Normal, Panorama, Doppelbelichtung, …) und für die Belichtungsmessung. Mit den beiden Reglern spart man sich ganz viel Zeit. Tolle Sache. Leider gibt es aber auch hier keine mittenbetonte Integralmessung.
Und zu guter Letzt kann man sich insgesamt 6 Buttons frei belegen. Dazu kommt noch das bereits aus anderen X-Kameras bekannte Q-Menü und die „Custom Settings“. Hat man die Kamera ein mal auf seine (verschiedenen) Bedürfnisse eingestellt, braucht man fast nie mehr ins Menü. Man kann dann alles Wichtige über irgendeinen Knopf, Regler oder Rad einstellen. Das setzt natürlich etwas Übung voraus, aber hat man es mal drin, kann man die Kamera mit verbundenen Augen einstellen.

Fujifilm X-T1 WLAN App

Fujifilm X-T1 WLAN App

WLAN + Smartphone-App
Besonders spannend fand ich auch die WLAN-Funktion. Man kann damit nicht nur Bilder zum Smartphone oder Tablet übertragen, man kann die Kamera damit auch fernsteuern. Da ich immer mein Smartphone bei mir habe, ist das eine super Sache, denn so braucht man keinen Fernauslöser mehr. Das ist sogar besser, als ein gewöhnlicher Fernauslöser, da man dabei wo anders sein kann, und dabei quasi durch den Sucher sieht. So kann man auch beim Fernauslösen das Bild genau kontrollieren.
Ja, das Bild, welches übertragen wird, könnte etwas größer sein. Und die Verbindung zwischen Kamera und Smartphone dauert meist zwischen 5-10 Sekunden. Aber das ist nicht so schlimm, und kann sicher noch per App-Update und Firmware-Update noch verbessert werden.
Die Kamera hat auch einen eingebauten Intervalometer, was sie zu einer guten Timelapse-Kamera. Ich habe aber nicht herausgefunden, ob man das Intervall auch per App einstellen und nutzen kann.
Die App gibt es für iOS und Android. Ich habe es mit meinem S3 und Nexus 7 getestet. Hat alles wunderbar funktioniert. Nur wenn man sich in der Nähe eines dem Smartphone bekanntem WLAN befindet, dann kann es passieren, dass das Smartphone durcheinander kommt.

Fujifilm X-T1 Klappdisplay

Fujifilm X-T1 Klappdisplay

Sonstiges
Der Autofokus ist deutlich besser, als bei meiner X-E1. Er wird sicher nicht so gut sein, wie der einer ausgewachsenen Profi-DSLR, aber in 95% der Fälle wird das ausreichen. Ich habe auch die (subjektive) Erfahrung gemacht, dass die AF-Geschwindigkeit und Treffsicherheit teilweise am Objektiv liegen. Bei wenig Licht pumpte mein XF 35mm schön öfter hin und her, während meine X100s ganz schnell fokussierte. Aber mit meinem XF 14mm oder dem XF 56mm ging das dann an der X-T1 auch wieder flott.
Größere Kritikpunkte sind für mich außerdem der Akku, der immer noch für nicht all zu lang reicht, die Akku-Anzeige, auf die man sich nicht verlassen kann und die etwas dürftige Blitz-Steuerung.

Fujifilm X-T1 Klappdisplay

Fujifilm X-T1 Klappdisplay

Fazit
Die X-T1 ist eine Spitzenkamera mit einigen wenigen Kritikpunkten. Die gleiche Kamera, aber mit 24 Megapixel und besserer Blitzsteuerung, und man hat eine Traumkamera. Eigentlich wollte ich noch keine neue Kamera, aber nachdem ich die X-T1 mal ausprobieren durfte, wurmt es mich doch. Andererseits ist ja bald Photokina. Hmpf! Mal abwarten.

Beispiele direkt aus der Kamera nur verkleinert

Fujifilm X-T1 und XF 14 mm

Fujifilm X-T1 und XF 14 mm

Fujifilm X-T1 und XF 14 mm

Fujifilm X-T1 und XF 14 mm

Fujifilm X-T1 und XF 14 mm

Fujifilm X-T1 und XF 14 mm

Fujifilm X-T1 und XF 35 mm

Fujifilm X-T1 und XF 35 mm

Fujifilm X-T1 und XF 35 mm

Fujifilm X-T1 und XF 35 mm

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