Die Gedanken sind frei…denkst Du!

#StopWatchingUs

#StopWatchingUs

Es liegt mittlerweile einige Tage zurück, aber das Thema liegt mir am Herzen und ich wollte noch etwas dazu schreiben.
Am 12.04.2014 fand eine Demonstration gegen Überwachung auf dem Heumarkt in Köln statt. Veranstaltet wurde die Demo von einem Ableger der #StopWatchingUs Bewegung.
Da die Demo in Köln war, also quasi bei uns vor der Haustür, und wir an dem Tag eh noch nichts vor hatten, haben wir mit demonstriert. Es gab auch mehr Teilnehmer (Polizei sprach von ca. 600), als ich erwartet habe. Besonders gut fand ich, dass die Teilnehmer nicht unbedingt die typischen Klischees erfüllten. Solche Leute gab es natürlich auch (warum auch nicht), aber man merkte, dass es ein Thema ist, welches die Menschen durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten hinweg bewegt.
Am Heumarkt war eine kleine Bühne aufgebaut, auf der es Sprach- und Gesangsbeiträge gab. Außerdem haben einige Parteien (Piraten, Grüne, Linke, SPD) kleine Info-Stände aufgebaut. An sich war mir das egal, aber bei der SPD musste ich doch staunen. Die aktuellen Aktionen der SPD, die ja Teil der großen Koalition ist, gehen ja eher in Richtung mehr Überwachung. Fand das schon heuchlerisch.
Die Kolonne setzte sich irgendwann in Bewegung und zog auf die andere Rheinseite, dann Richtung Süden bis zur nächsten Brücke, dann wieder über den Rhein und schließlich über die Südstadt zurück zum Heumarkt.
Alles war gut und friedlich. Die Menschen auf de Straße, in den Cafés und an den Bahnhaltestellen staunten aber nicht schlecht. Ob die Reaktionen positiv, negativ oder eher ratlos waren, lässt sich oft nicht wirklich sagen.
Egal, alles fängt mal klein an. Es ist wichtig die Menschen auf die Gefahren von Überwachung hin zu weisen und sie für solche Sachen zu sensibilisieren.

#StopWatchingUs

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Aber welche Gefahren gehen denn eigentlich von Überwachung aus? In Gesprächen über dieses Thema höre ich den Satz „Ist mir egal, sollen sie mich überwachen, ich habe nichts zu verbergen.“ leider viel zu oft. Das zeigt aber, dass sich diese Person einfach nur bisher keine Gedanken über dieses Thema gemacht hat. Es geht hier auch nicht wirklich ums „Verbergen“ sondern ganz einfach um Privatsphäre. Die meisten haben Vorhänge vor den Fenstern, würden fremden Menschen nicht erzählen, wie viel Geld sie verdienen oder auf dem Konto haben, würden fremden Menschen nie einfach so ihr Handy überlassen, so dass diese Menschen alles darauf lesen können, würden nie fremden Menschen erzählen wann sie sich wo mit wem wie lange getroffen haben, oder was sie eingekauft haben.

#StopWatchingUs

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Leider ist es aber so, dass man das heutzutage doch macht, nur man merkt es nicht so. In den letzten Jahren sind die technischen Möglichkeiten zur Überwachung dermaßen gewachsen, dass es einem die Sprache verschlägt, wenn man sich mal damit beschäftigt (das ist vermutlich auch der Grund, warum es so wenige tun). Heutzutage ist es möglich die komplette Telefonkommunikation zu speichern. Und zwar nicht nur die Verbindungsdaten (wer hat wen wie lange und wie oft angerufen), sondern auch den Inhalt. Der Inhalt kann sogar nach bestimmten Wörtern oder Wortkombinationen automatisch und elektronisch gescannt werden. Und das Wort „kann“ sollte man hier durch „wird“ ersetzen, denn tatsächlich wird das gemacht, und zwar von ausländischen Geheimdiensten und Firmen, die für diese Dienste arbeiten.

#StopWatchingUs

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Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen.
Die erste Konsequenz ist, dass sollten diese bestimmten Wörter in einem Gespräch vorkommen, irgendetwas passiert. Sonst würde man ja nicht überwachen. Meistens passiert etwas im Verborgenem, man merkt es gar nicht. Es ist wahrscheinlich, dass die Gesprächspartner auf irgendeiner Verdächtigen-Liste landen. Welche Folgen das wiederum hat, und wie man wieder von dieser Liste runter kommt, wissen nur die Geheimdienste. Man weiß auch nicht, welche Wörter die Wörter sind, nach denen gesucht wird. Es gibt sicher ein paar offensichtliche, aber es wurde mal ein Auszug aus so einer Liste bei irgendeiner bundesweiten Zeitung veröffentlicht, und es zeigte sich, dass es auch viele „harmlose“ Wörter auf die Liste geschafft haben.
Die zweite Konsequenz ist, dass wenn man von dieser Überwachung weiß, man automatisch sein Verhalten und seine Kommunikation verändert, um diese „bösen“ Wörter nicht zu benutzen. Das ist im Prinzip so, als würde mir pausenlos jemand über die Schulter schauen.
Das ist im Prinzip eine Art von Gehirnwäsche, dann so bringt man Menschen dazu entweder anders zu denken, oder wenigstens dass sie nicht mehr das sagen, was sie eigentlich denken. Und das geht ganz gewaltig gegen das Recht der freien Meinungsäußerung.

#StopWatchingUs

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Leider beschränkt sich die Überwachung nicht auf die Telefon-Kommunikation. Hinzu kommen Briefe (wer sendet einen Brief oder Paket an wen wann und wie oft), vermutlich einige andere Überwachungsarten, die mir gerade nicht einfallen oder die ich noch nicht kenne, und natürlich das Internet.
Versteht mich nicht falsch, ich halte das Internet für die größte Errungenschaft der Menschheit, aber Geheimdienste und multinationale Konzerne sind gerade fleißig dabei es nachhaltig zu schädigen oder gar zu zerstören. Und das ist mehr als schade, denn es bietet so viele Möglichkeiten und so viel Potential damit wirklich Gutes zu bewirken. Wenn aber am Ende davon nur eine riesige und total überwachte Werbe-Plattform übrig bleibt, wird es kaum jemand noch nutzen und die Menschheit verpasst eine große Chance über sich selbst hinaus zu wachsen.

#StopWatchingUs

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Im Internet wird noch umfassender gespeichert, was man so tut. Suchanfragen, Webseitenaufrufe, Chats (auch Video), soziale Netzwerke, Fotos, eMails, welche Bücher man liest, wie viel Geld man für was ausgibt, usw.
Hat man ein mobiles Telefon, werden sogar Bewegungsprofile erstellt (geht übrigens auch ohne Smartphone), so dass man nachvollziehen kann, wann wer wo war. Selbst wenn man kein Internet und kein mobiles Telefon hat, werden Daten über einen gesammelt, denn heutzutage muss man mittlerweile fast überall persönliche Daten angeben.

#StopWatchingUs

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Diese Daten, die ja aus unterschiedlichen Quellen kommen, werden in Beziehung zueinander gesetzt und verknüpft. Und zwar nicht nur von jedem Menschen gesondert, sondern für alle. So hat man ein mehrdimensionales Netzwerk an Informationen zu einem Menschen und seiner Umgebung. Man weiß dann mit wem sich dieser Mensch abgibt, welche Profile und Ansichten diese Menschen wiederum so haben, und deren Bekanntschaften auch. So kann man wiederum Rückschlüsse auf mich ziehen.
Mit den Bewegungsprofilen wird nicht nur festgestellt, wo ich an einem bestimmten Zeitpunkt war, sondern wer noch da war. Man stelle sich einen belebten Platz vor, den man einfach so besucht und zufällig befindet sich ein Verdächtiger auf dem gleichen Platz. Ich brauche diesen Menschen nicht zu kennen und auch nicht mit ihm zu sprechen. Die Tatsache, dass ich am gleichen Ort zur gleichen Zeit war, macht mich verdächtig.

#StopWatchingUs

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In unserem Staat gilt jeder so lange für unschuldig, bis seine Unschuld bewiesen ist. Mit der totalen Überwachung wird dieses Gesetz umgekehrt. Die Daten können lückenhaft oder sogar falsch sein, und es trotzdem so aussehen lassen, als wäre ich schuldig. Dann muss ich es irgendwie schaffen meine Unschuld zu beweisen. Da mir diese Mittel aber nicht zur Verfügung stehen, dürfte das recht schwierig werden.

#StopWatchingUs

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Was auch sehr besorgniserregend ist, ist die Unklarheit, was mit den Daten in Zukunft passiert und wie sicher sie gelagert werden. Mit diesen Daten könnten Kriminelle oder feindliche Nationen noch mehr Schaden anrichten, als wir uns vorstellen können. Als Beispiel kann man das Programm zum Denunzieren von Personen oder Gruppen des englischen Geheimdienstes aufführen. Bei diesem Programm hat man sich Strategien überlegt, wie man ganz gezielt den Ruf von Menschen zerstören kann. Das geht dank des Internets sogar recht einfach und wird schon eingesetzt. Gerüchte, Falschmeldungen, Identitätsklau, falsche Fotos, abgehörte und dann veröffentlichte Telefonate, … so etwas kann die Glaubwürdigkeit ganz schnell zerstören. Und zwar nicht nur von feinden, sondern auch von z.B. regierungskritischen Menschen oder Vereinigungen.
Werden Daten so umfassend gesammelt und auch noch quasi unbegrenzt gespeichert, birgt das eine weitere Gefahr. Wir wissen nicht, was die Zukunft uns bringt. Aber so viele Daten über so einen langen Zeitraum gesammelt, können in der Zukunft eine mächtige Waffe werden.

Daraus erwächst eine weitere wichtige Frage: Wer kontrolliert das alles eigentlich?
Tatsächlich gaben und geben Menschen ihre Freiheit zugunsten vermeintlicher Sicherheit auf und verloren so beides. Angst ist ein erprobtes Mittel um Menschen zu steuern.
In einer Demokratie sollte das aber eigentlich nicht so sein. Doch auch Demokratien sind immer anfällig für die verführerischen Versprechen von machthungrigen Menschen. Daher muss das Volk immer wachsam sein und immer wieder für ihre Freiheit kämpfen. Leider wird die Freiheit mittlerweile viel zu selbstverständlich genommen und das machen sich Organisationen, wie Geheimdienste zu Nutze.
Mittlerweile ist es tatsächlich schwer zu sagen, wer da noch was weiß und wer wen wie kontrolliert. Als die Überwachungsskandale öffentlich wurden, forderten z.B. amerikanische Politiker diverse Akten von ihren Geheimdiensten an. Sie bekamen Akten, die aber so geschwärzt waren, dass sich daraus keine verwertbaren Informationen gewinnen ließen. Natürlich immer mit der Ausrede, dass diese Akten zugunsten der Sicherheit geheimgehalten werden müssen.
Das ist natürlich bequem, denn so muss der Geheimdienst nichts über sich preisgeben. Wenn nicht mal Politiker erfahren dürfen, was da eigentlich passiert, wer darf es dann überhaupt?
Es scheint so, als hätten wir einen Staat im Staat, der sich aber der Kontrolle und den allgemeinen von uns aufgestellten Regeln entzieht.

Natürlich fragt man sich, was das alles kostet und ob es sich überhaupt lohnt, also welchen Nutzen es bringt.
Geheimdienste behaupten, sie schützen uns vor diversen gefahren. Fragt man konkret nach, werden aber keine Informationen zu z.B. vereitelten Anschlägen öffentlich gemacht, angeblich wieder aus Sicherheitsgründen. Auch das ist wiederum bequem, denn so kann niemand bewerten, wie effizient dieser Schutz tatsächlich ist. Gibt es keine Belege, kann ja jeder behaupten, er schütze die Bevölkerung.
Es gibt aber so einige Gegenbeispiele, die zeigen, dass die „bösen Buben“ nicht blöd sind, und sich der Überwachung entziehen können. Man denke da nur an den Anschlag beim Boston-Marathon oder an den Sprengsatz im Bonner Hauptbahnhof.
In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Verkehrsunfall zu sterben um ein vielfaches höher, als bei einem Anschlag.
Tatsächlich verschlingen Geheimdienste Unsummen unserer wertvollen Steuergelder, und leisten dabei extrem wenig. Würden wir das Geld in z.B. eine bessere Infrastruktur stecken, so würden wir wesentlich mehr Menschen retten, als es die Geheimdienste je könnten.

Tatsächlich ist es sogar so, dass Geheimdienste uns bewusst Gefahren aussetzen, nur um ihre Ziele zu erreichen. Bestes Beispiel ist der erst kürzlich bekannt gewordene Heartbleed OpenSSL Bug. Ob die Geheimdienste nun schon vorher davon wussten, oder nicht, Tatsache ist, dass sie solche Lücken nicht melden müssen, sondern sie gezielt ausnutzen dürfen. Das bedeutet, dass uns der Staat ganz bewusst schutzlos kriminellen Hackern dem Fraß vorwerfen. Statt uns also zu schützen, gefährden sie uns. Das ist doch paradox. Internet-Kriminalität ist ein Milliardengeschäft. Die Geheimdienste hätten mittlerweile die technischen Mittel uns besser davor zu schützen. Aber hier werden sie leider nicht tätig.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Regierungen, die solche Dienste finanzieren Angst vor ihrem eigenen Volk haben.

Was mich so richtig ärgert ist, wie unsere aktuelle Regierung mit Angela Merkel an der Spitze mit diesem Problem umgehen. Tatsächlich gehen sie nämlich damit gar nicht um, sondern machen einfach nichts. Und zwar zugunsten von wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Staaten. Auf deutsch gesagt bedeutet das, dass sie unsere Privatsphäre Stück für Stück und im Verborgenen VERKAUFEN. Jeder, der sich entziehen will, ist sofort verdächtig. Jeder, der dagegen vorgeht, ein Terrorist.

Eigentlich sollte man den Mann, der sein komplettes Leben aufgegeben und seit dem in ständiger Gefahr lebt, dafür danken, dass er so viel Courage gehabt hat die Menschen zu informieren. Edward Snowden sollte in Deutschland Asyl gewährt werden, wie jedem anderen politischen Flüchtling auch. Man sollte ihn feiern und als gutes Beispiel für Mut und ziviles Ungehorsam präsentieren. Edward Snowden ist kein Verräter. Die wirklichen Verräter sitzen in den Regierungsgebäuden unserer Nationen. Sie haben die Moral und Ethik, an die wir glauben, die Demokratie und auch uns verraten.

Und zum Abschluss eine wirklich sehenswerte Laudatio:

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