Fujifilm X-E 1

Ich hab’s getan. Ich habe mir schon wieder eine Kamera gekauft ;-D
Ich habe ja schon längere Zeit über den Kauf einer neuen Kamera hin und her überlegt. Eigentlich sollte es die Nikon D600 werden, eine verhältnismäßig günstige Vollformatkamera. Diese ist jedoch teurer ausgefallen, als ursprünglich gedacht, und bietet eigentlich außer dem Vollformat-Sensor nichts mehr, als die Nikon D7000. Und das war’s mir eigentlich nicht wert. Zumal ich die meisten meiner Objektive hätte ersetzen können, weil diese nicht vollformatfähig sind. Und ich glaube nicht, dass der Vollformatsensor meine Bilder um so viel besser machen würde.
An sich mag ich DSLRs. Sie geben einem das Gefühl ein „richtiger Fotograf“ zu sein. Zumal es bis vor kurzem keine Alternative gab, was Handling und vor allem Bildqualität angeht. Das hat sich nun geändert (zumindest meiner Ansicht nach).
Die spiegellosen Systemkameras (DSLMs) sind mittlerweile auf einem Level, bei dem es sich ernsthaft lohnt seine DSLR in Rente zu schicken. Da eine DSLR doch recht groß und schwer ist, nimmt man sie nicht so oft mit, wie man eigentlich möchte. Wie oft dachte ich: „Ach hättest Du jetzt deine Kamera dabei“. Auch im Urlaub macht es nicht gerade viel Spaß sich beladen wie ein Packesel durch die Botanik zu bewegen.
Also habe ich einige DSLMs ausprobiert (Fuji X-E 1, Olympus OM-D E-M5, Sony NEX 6, …) und für mich entschieden, das da was geht.
Nach langer Recherche habe ich mich schließlich für die Fuji X-E 1 entschieden.

Die Kamera reit sich in die X-Serie von Fuji ein, und ist daher in einem chicen Retro-Look designt. Sie ist schön leicht und relativ kompakt im Verhältnis zu einer DSLR.
Sie hat den 16 MP APS-C X-Trans-Sensor der X-Pro 1, des Fuji-Flaggschiff, geerbt, der wegen einer besonderen Pixelanordnung ohne Tiefpassfilter auskommt, und daher besonders scharfe Bilder liefert. Außerdem ist er besonders rauscharm, hat einen sehr großen Dynamikumfang und bietet bessere Bildqualität als so manche teure DSLR. Die Zeitschrift Photographieattestierteihr sogar eine deutlich bessere Bildqualität als der Leica M9, die immerhin fast das Sechsfache kostet.

Die Verarbeitung ist Spitze. Die obere und untere Abdeckung sind aus einer Magnesiumlegierung gefertigt. Die oberen Einstellräder haben die Beschriftungen eingefräst. Der Body macht einen stabilen und wertigen Eindruck.

Was für mich persönlich neben der Bildqualität entscheidend für den Kauf war, sind die Bedienelemente. Bei dem meisten DSLMs sind die eher spärlich am Body verteilt, da die Zielgruppe meist Knippser sind, die eh Automatiken nutzen. Natürlich kann man bei anderen DSLMs auch alles manuell einstellen, wenn man will, doch dafür muss man sich oft durchs Menü quälen.
Wenn man das Fotografeieren mit einer DSLR gewohnt ist, wird man mit der X-E 1 ohne ins Handbuch schauen zu müssen loslegen können. Man kann natürlich auch Automatiken nutzen, aber die Kamera ist eher auf Halbautomatiken oder die manuelle Nutzung ausgelegt. Daher würde ich diese Kamera auch Knippsern eher weniger empfehlen. Da ist eine Sony NEX 6 besser.

Auch die Menüführung ist gut durchdacht. Es gibt eigentlich nur zwei Menüebenen: Übersicht und dann die einzelnen Optionen. Über die Q-Taste kann man ein Quick-Menü mit den wichtigsten Optionen aufrufen. Die Fn-Taste kann man mehr oder weniger frei mit einer gewünschten Funktion belegen.
Ganz nett, aber sicher nicht nur in der Fuji enthalten, ist die elektronische Wasserwaage und andere Helferlein, wie Histogramm, Gitternetz, usw, die man natürlich auch ausblenden kann. Dadurch, dass die Kamera ja „nur“ über einen elektronischen Sucher verfügt, sieht man noch vor der Aufnahme, wie sich die Belichtungskorrektur auswirkt.

Die Kamera verfügt auch über eine Panorama-Funktion, die ich aber bisher nicht testen konnte. Die Bilder, die ich aber dazu schon gesehen habe, sehen ganz gut aus.

Ein weiterer, für mich sehr wichtiger Kaufgrund, sind die Objektive. Derzeit gibt es nur vier (3 Festbrennweiten und ein Zoom), aber es gibt eine Road-Map, bei der 2013 weitere Objektive folgen. Dieses sind Top-Objektive, und Ken Rockwell meint sogar, dass diese mindestens so gut sind, wie die Leica-Objekive. Und das bei einem Bruchteil des Preises der Leica-Objektive. Ich mag eh Festbrennweiten, vor allem wenn sie so gut verarbeitet und lichtstark sind. Selbst, wenn ich die Kamera irgendwann mit einem Nachfolger ersetzen sollte, die Top-Objektive bleiben.
Zeiss hat für das X-Bajonett (und für das NEX-System von Sony) auch drei Objektive mit Autofokus (!) angekündigt. Durch die Bajonett-Größe und das geringe Auflagemaß kann man mit entsprechenden Adapter-Ringen auch Fremdobjektive vieler anderer Hersteller nutzen, dann allerdings ohne Autofokus. Habe letztens selbst ein 35mm Leica-Objektiv ausprobiert, und es hat sehr gut funktioniert. Das manuelle Fokussieren funktioniert trotz elektronischen Sucher sehr gut, vor allem weil man den Ausschnitt, auf den man fokussiert, vergrößern kann.
Das manuelle Fokussieren der Fuji eigenen Objektive ist etwas gewöhnungsbedürftig. Man fokussiert zwar weiterhin über einen Fokus-Ring am Objektiv, das wird allerdings auf einen Motor übertragen, der dann die Optik bewegt. Ist aber bei vielen aktuellen DSLM-Objektiven so. Soll wohl für sanftere Fokussierung beim Filmen sorgen.
Ein weiteres Highlight der Objektive ist der Blendenring. Man verstellt die Blende über einen Ring am Objektiv, so wie es zu Analogzeiten üblich war. Da ich auch analog fotografiere musste ich mich kaum umstellen.

Im Gegensatz zur großen Schwester hat die X-E 1 auch einen kleinen eingebauten Blitz mit der Leitzahl 7 (ISO 200). Ist zwar nicht stark, aber durchaus nützlich, vor allem, weil er auch als Master dienen kann. Zugegeben, das Ding sieht recht wackelig aus. Natürlich gib es auch einen Blitzschuh für externe Blitzgeräte.

Wo Licht ist, ist auch Schatten.
Neben dem fehlenden Hybridsucher ist das Display ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zur X-Pro 1. Es löst nur halb so hoch auf, was aber dennoch ausreichend ist, wie ich finde. Bisher fehlte mir die Höhere Auflösung noch nicht. Sehr schade finde ich allerdings, dass man das Display nicht klappen kann. Ok, das passt nicht ganz zum Retro-Design, aber trotzdem, das geht auch besser.
Das Display verfügt auch nicht über eine Touch-Funktionalität. Ich persönlich finde zwar Bedienelemente am Body wichtiger (bei Touch-Displays wird darauf oft verzichtet, weil ja alles übers Display geht), aber das sollte nicht unerwähnt bleiben.

An der Sony NEX 6 hat mir das WLAN-Modul gut gefallen, mit dem man Bilder zum Computer übertragen, aber die Kamera auch (sogar vom Smartphone aus) fernsteuern kann. So braucht man keinen zusätzlichen Fernauslöser mehr.

Filmen kann man mit der Kamera auch, allerdings wohl bei weitem nicht so gut, wie mit der NEX 6. Ist mir aber auch ziemlich egal. Mit meiner DSLR kann man auch filmen, und ich habe bisher ein kurzes Filmchen gedreht. Ich will damit fotografieren. Würde ich filmen wollen, würde ich auch eine Filmkamera kaufen.

Wie schon erwähnt, es gibt bisher noch wenige eigene Objektive für die X-Serie, aber lieber wenige aber sehr Gute, als viele Schlechte und Durchschnittliche.

Außerdem finde ich das Gehäuse nicht so schön griffig, wie das der NEX 6. Es fehlt einfach der Griff. Denn kann man zwar dazu kaufen, aber das mag ich nicht. Dadurch, dass die Kamera aber leicht und kompakt ist, ist das noch u verschmerzen.

Nun kommt der größte Kritikpunkt, und ich hoffe Fuji bessert da noch nach. Wenn man die Kamera schnell schwenkt, hat man einen leichten Lag im Sucher. Das alleine wäre noch nicht schlimm. Aber leider ist der Autofokus wirklich langsam. Wenn man eine DSLR gewohnt ist, dann ist das schon heftig. Außerdem finde ich das verstellen des Autofokus-Punktes nicht sehr gelungen, man muss zuerst auf die Taste „AF“ drücken, die bei mir von der Wange verdeckt wird, wenn ich durch den Sucher schaue. Und erst dann kann man per Steuerkreuz den Punkt verschieben. Bei meiner DSLR geht das genau so, man muss allerdings auf keine „AF“ Taste drücken. Auch das Rad, mit dem man Einstellungen auswählen kann, ist im Aufnahmemodus nutzlos. Ok, beim manuellen Fokussieren kann man damit das Bild vergrößern. Ich wünschte mir, man kann das Rad individuell mit Funktionen belegen, wie z.B. der Auswahl der ISO Zahl.

Fazit
Hervorragende Hardware, verbesserungswürdige Software. Ich hoffe, Fuji legt da noch nach.
Wem würde ich die Kamera empfehlen? Jedem, der sich ein wenig mit Fotografie auseinandersetzen möchte und sehr gute Bildqualität erwartet. Wer allerdings einen Allrounder sucht, oder einfach nur knippsen möchte, ohne viel nachzudenken, oder gar filmen, der ist bei Sony oder Panasonic wohl besser aufgehoben.
Da ich weder laufende Kinder, Hunde oder Sportler fotografiere, ist der langsame Autofokus für mich persönlich verschmerzbar. Ich nehme mir lieber Zeit und baue das Bild auf. Da kommt es nicht darauf an, ob der Fokus in 0,1 oder 0,5 Sek. sitzt.

Guter unabhängiger Test
Vergleich zur Sony NEX 6
Blick durch den Sucher mit Videos
Videovergleich zur Sony NEX 6

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3 Gedanken zu “Fujifilm X-E 1

  1. Schöner Erfahrungsbericht, danke fürs posten.

    Es ist wirklich schade, dass Fuji in Sachen AF nicht auf der Höhe ist. Die Kamera ist ansonst gelungen. Die Bildqualität dank einzigartigem Sensor überzeugt mich genauso wie das Design und die Haptik (hab sie schon kurz ausprobieren dürfen). Aber der AF…es ist gut das du darüber hinwegsehen kannst, mich würde er wahnsinnig machen. 😉
    Und letztendlich kauft man sich eine Kamera nach dem Gefühl und nicht nach den Features die auf einem Blatt Papier stehe – zumindest sollte man es so machen. Was nutzt mir die hervorragende BQ und die Haptik, wenn ich beim Fotografieren mit dieser Kamera einfach keinen Spaß?

  2. Ich finde es eigentlich auch sehr schade. Vor allem bei dem Preis. Aber es gibt nun mal keine Eierlegende Wollmilchsau. Irgendwo muss man immer Kompromisse eingehen.

    Ich schreibe gerade noch an einem Artikel darüber.

  3. Pingback: Fujifilm X-E 1 Teil 2 « Der scharfe Blog

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