Radfahren und andere Abenteuer

Alle Jahre wieder bekommt man im Frühling, wenn die Leute ihre Drahtesel wieder aus seinem Überwinterungsquartier holen, von den Medien die üblichen Berichte über die schlimmen Radfahrer aufgewärmt.
Natürlich haben sie damit nicht ganz Unrecht. Es gibt viele ungeübte Fahrer, die nach einer Winterpause so manche Fehler machen. Es gibt auch schwarze Schafe, die z.B. im Dunkeln ohne Licht fahren.
Dennoch bin ich der Meinung, dass diese Berichte in der Regel sehr einseitig sind. Ich fahre leidenschaftlich gerne Rad, bin geübt, hab schon einige Kilometer auf dem Buckel und hab da so meine eigenen Erfahrungen gemacht.

Infrastruktur
Deutschland zählt sicher zu einem der Länder, die recht viele und relativ gut ausgebaute Radwege haben. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern sind wir da schon ganz weit vorne. Wenn man aber nach Holland schaut, sieht man, wie man es noch besser machen kann.
Als Radfahrer muss man sich in sehr vielen Fällen die Wege mit den Autofahrern oder Fußgängern teilen. Diese Lösungen sind jedoch aus der Not geboren, da man den eh schon knappen Platz nicht noch „unnötig“ verknappen wollte. So hat man auf den Straßen meist nur eine gestrichelte Linie, die die Grenzen des Radweges anzeigt. Diese Radwege sind aber sehr schmal, so dass man als schneller Radfahrer immer wieder in den Autoverkehr ausweichen muss, wenn man langsame Fahrer überholen möchte. Selbst für ein Rad kann es schon Mal knapp werden, wenn man von breiten Autos überholt wird.
Diese Linie ist für Autos natürlich kein Hindernis, so dass der Radweg oft einfach als Parkplatz oder eine einfache Verbreiterung der Straße angesehen wird. Ich lag schon mal fast im Graben, weil ein Autofahrer, neben dem ich her fuhr, mich einfach nicht gesehen hat (er hat auch gar nicht erst geschaut), und dabei mit seinem Auto immer weiter nach rechts abdriftete. Oft werden auch einfach die Türen von parkenden Autos aufgerissen, ohne dabei in den Spiegel zu schauen, so dass diese plötzlich den kompletten Radweg blockieren. Je nach dem, wie knapp vor einem dass passiert, kann man dabei ganz böse stürzen.

Aber auch mit Fußgängern hat man da so seine Probleme, da die Radwege oft einfach als ein zusätzlicher Gehweg genutzt werden. Klar kommt dann immer das Argument, dass man als Radfahrer dann klingeln kann. So ein Argument kommt aber meist von jemandem, der selbst wenig oder gar nicht Rad fährt. Man braucht nur an einem sonnigen Sonntag eine Tour zu unternehmen. Zum einen muss man alle paar Meter klingeln, und außerdem jedes Mal runter bremsen, da Fußgänger sich bei einer Fahrradklingel sehr oft sehr irrational verhalten. Man sollte meinen, dass wenn eine Fahrradklingel ertönt, man auch ein herannahendes Fahrrad erwarten sollte. In einem solchen Fall kann man dann ganz lässig einfach zur Seite gehen. Merkwürdigerweise bleiben Fußgänger oft stehen, oder laufen dabei einem noch mehr in den Weg, weil sie sich umdrehen, um zu sehen, was den da kommt. Mir ist schon mal passiert, als ich unterwegs war, dass drei Menschen nebeneinander vor mir her gingen. Als ich klingelte, sprang der linke nach rechts, und der rechte nach links, so dass sie sich in der Mitte getroffen haben. Und der in der Mitte konnte sich nicht entscheiden, wo er hin ausweichen soll, und tänzelte in der Mitte rum. Ich musste stehen bleiben, weil ich mich vor lachen nicht mehr einkriegen konnte.

In Holland sind die Radwege oft durch eine Art Bordstein von den Straßen oder Gehwegen getrennt, so dass Autofahrer gar nicht auf den Radweg drauf können, und die Fußgänger schnell merken, wenn sie auf der falschen Seite sind.

Im Winter ist es oft gar nicht mehr möglich Rad zu fahren, weil die Schneepflüge aber auch die Anwohner den Schnee einfach auf die Radwege befördern. Im Winter muss ich mich immer zwischen den Autos hindurch schlängeln. Bei glatter Fahrbahn nicht ganz ungefährlich.

Menschen
Zu dem Mangel in der Infrastruktur kommt noch die menschliche Komponente hinzu, die eine sehr große Rolle spielt.
Zur Ignoranz kommen noch die ganz niederen Emotionen, wie Neid, Aggressivität, Imponiergehabe und Territorialverhalten hinzu.
Innerorts ist die Höchstgeschwindigkeit in der Regel auf 50 km/h begrenzt. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer. Wie schon erwähnt, gibt es Radfahrer, die fahren (sehr) langsam, es gibt aber auch welche, die fahren sehr schnell, ohne die zugelassene Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten. Das überfordert viele Autofahrer schon auf zweierlei Weise. Auf den engen Wegen ist man gezwungen den Überholvorgang im Autoverkehr durchzuführen, was viele Autofahrer aus unerfindlichen Gründen überrascht. Hat man mal freie Bahn und ist schnell unterwegs, wird die Geschwindigkeit von Radfahrern oft unterschätzt. Der Autofahrer sieht nur einen Radfahrer, schätzt seine Geschwindigkeit aber nicht ab, sondern ruft, vielleicht aus der eigenen Erfahrung als Radfahrer, diese aus seiner Erinnerung ab. So wurde mir schon sehr oft die Vorfahrt genommen, ich wurde beim Rechtsabbiegen übersehen oder einfach gefährlich ausgebremst.
Ganz amüsant aber auch gefährlich sind männliche Autofahrer, deren Ego anscheinend einen Schaden nimmt, wenn sie von einem Fahrrad überholt werden. In der Stadt ist das keine Seltenheit. Dann kann man die wildesten Fahrmanöver bestaunen. Meist heult dann der Motor auf, und das Auto schießt plötzlich an einem vorbei, nur um 5 Meter weiter voll in die Eisen zu gehen, weil da schon das nächste Hindernis (Kreuzung, Kreisverkehr, ein anderes Auto, etc.) ist. Dabei wird gerne noch nach rechts rüber gezogen, um den Radfahrer den Weg zu zumachen, so dass man ja nicht noch mal überholt wird. Mitunter sind diese Manöver so waghalsig und eng, dass es nicht nur für den Radfahrer, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich wird.

Bei Fußgängern hingegen gibt es andere, nicht minder gefährliche Anekdoten. Wie schon erwähnt, verhalten sich Fußgänger oft einfach nicht rational. Ich bin mir sicher, dass wenn sie Auto fahren würden, und nicht gehen, würden sie sich ganz anders verhalten.
Jeder Radfahrer hat sicher schon Mal erlebt, dass ein Fußgänger z.B. den Weg kreuzt. Dann richtet man seine eigene Geschwindigkeit und Kurs so aus, dass man ohne Probleme und anzuhalten vor oder hinter dem Fußgänger vorbei fahren kann. Sofern der Fußgänger sich normal verhält und einfach weiter geht. So mancher bleibt aber einfach stehen, oder läuft sogar zurück, als würde man als Radfahrer mit geschlossenen Augen durch die Welt fahren.
Sehr beliebt sind auch Hunde. Besonders gern habe ich die dünnen dunklen Leinen, die man erst aus 50 cm Entfernung erkennen kann. Wenn also Herrchen/Frauchen rechts geht, der Hund aber ganz links, hat man eine schöne Stolperfalle gebaut. Wenn man flott unterwegs ist, kann das aber ganz schön gefährlich werden, und das nicht nur für den Radfahrer. So ganz ohne Leine ist meist aber auch doof, da ein Hund wenig von Verkehrsregeln versteht. Da kommt es schon Mal vor, dass so ein Hund plötzlich seine Richtung wechselt, oder gar aus einem Gebüsch direkt vors Rad springt. Letztes Jahr hatte ich so ein Erlebnis. Ich landete in einem Weiher, und hab mich ziemlich böse verletzt. Statt mir zu helfen, und einen Krankenwagen zu rufen, wurde ich massiv von den Hundebesitzern (die haben sich plötzlich zusammen gerottet) bedroht. Vermutlich stellvertretend für alle anderen Radfahrer, die es waren auf öffentlichen Wegen Rad zu fahren, obwohl doch da Hunde rumlaufen könnten.

Fazit
Mein persönliches Fazit ist, dass ich einfach ungern Rad im öffentlichen Straßenverkehr fahre. Ich fahre lieber Mountainbike in der Natur. Da hat man unter Umständen bei schönem Wetter zwar auch viele ignorante Fußgänger vor sich, aber nicht so viele, wie in der Stadt. Und die Autos fehlen.
Außerdem ist man in der Natur und das MTB-Fahren ist auch anspruchsvoller, da man noch viel Körpergefühl und Übung braucht um schnell über Stock und Stein fahren zu können. Reine Kondition reicht da nicht aus.
Hört sich alles recht negativ an, aber ich liebe das Radfahren immer noch. Ich wollte nur aufzeigen, dass es nicht immer nur die bösen Radfahrer sind, die alle Unfälle verursachen.

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