Die USA und ihre Sünden

Als ich noch klein war, fand ich die USA als Land und Kultur sehr spannend. Es wirkte alles so bunt, modern und fortschrittlich. Deutschland dagegen kam mir grau, träge und langweilig vor. Die USA waren für mich eine Art Idol.

Je älter ich wurde, desto mehr wandelte sich mein Bild von diesem Staatenverbund. Als Kind spielte man irgendwann „Cowboy&Indianer“, wie fast jedes Kind zu meiner Zeit (und auch davor). Ob das heute noch in Mode ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls habe ich mir damals keine Gedanken darüber gemacht, was genau Cowboys und Indianer sind und warum die sich nicht so wohl gesonnen waren.

Mit dem Älterwerden kam auch mehr Hintergrundwissen, und die Erkenntnis, dass das alles andere als ein Spiel war, sondern bitterer Ernst, der viele Menschen ins Unglück oder sogar den Tot stürzte.

Später erfuhr ich, dass Menschen von anderen Kontinenten entführt wurden, um sie gegen ihren Willen zu verkaufen und arbeiten zu lassen, wie eine Ware. Die Sklaverei wurde dann zwar irgendwann abgeschafft, die Apartheit und der Rassismus blieben aber.

Wenn man sich anschaut, seit wie vielen Jahren die USA bestehen, und wie viele Jahre davon die USA im Krieg waren, dann ist der Unterschied nicht gerade groß. Und bis auf wenige Ausnahmen (z.B. den Bürgerkrieg) wurden alle außerhalb der USA geführt.
Das wirft schon kein gutes Licht auf die Nation.

Die Kriege gegen den Irak waren ganz klar wirtschaftlich motiviert. Wir erinnern uns, wie der Donald Rumsfeld „Beweise“ von Massenvernichtungswaffen in Irak der UN vorgelegt ha, um den Angriff zu legitimieren. Während und nach dem Krieg wurden keine solchen Waffen gefunden. Stattdessen wurden neue Märkte eröffnet und der Zugang zu Ölquellenerleichtert. Das Land selbst befindet sich eigentlich im Bürgerkrieg. Seit dem hört man ständig von Anschlägen.

Aber was seit dem Terroranschlag vom 09.11. von den USA unternommen wurde, ist meiner Meinung nach, einfach eine Frechheit.
Es wurden Angriffskriege gegen Länder geführt, in denen vermeidliche Terroristen leben. Menschen wurden gefangen, gefoltert oder gar getötet. Es wurden, neben Guantanamo, auch andere Gefängnisse errichtet. Immer schön außerhalb der USA, um dort ungestört die eigenen Menschenrechtsgesetze umgehen zu können.
Ich habe einige Berichte darüber gelesen. Die Foltermethoden hinterlassen selten körperliche Spuren. Sind also schwieriger nachzuweisen. Aber psychische Folter ist mindestens genau so grausam. Bekannt wurde das Waterbording. Bei diesem Vorgang wurde ein Ertrinken simuliert. Es gab aber auch viele andere Foltermethoden, die oft auch kombiniert wurden. Schlafentzug, Reizentzug, Tage lang ohrenbetäubende Musik (oft mehrere Lieder gleichzeitig), stundenlanges Sitzen in verrenkten Positionen, Kälte, Isolation, Angst usw.
Ein ehemals Inhaftierter berichtete, dass ein Wächter sogar sagte „Wenn Du kein Terrorist warst, bevor Du hierher gebracht wurdest, dann wirst Du einer sein, wenn Du hier rauskommst“. Das sagt schon alles. Denn genau so wird es sein. Derjenige wird vielleicht kein Terrorist, aber die USA ist definitiv nicht der Heilsbringer, als die sie sich immer darstellt.
Erschrocken war ich auch über die Meinungen von Amerikanern, die auf der Straße zum Thema Folter befragt wurden. Viele waren der Meinung, dass Folter legitim sei, wenn man dadurch Amerikaner retten könnte.
Mir scheint, man hat aus der Geschichte nichts gelernt. Außerdem besitzt anscheinend kaum einer genügend Empathie, um sich in so eine Lage u versetzen. Ich bin mir sicher, dass jeder von uns alles, und ich meine wirklich alles, zugeben würde, wenn er entsprechend gefoltert wird. Bei Folter würde jeder von uns auf Gott uns eine Mutter schwören, dass der Mond aus Käse ist.

Eigentlich will man doch unterdrückte Menschen befreien, ihnen die Möglichkeit zur Selbstbestimmung geben. So wird das aber nichts.

Interessant ist auch, gegen wen die USA Krieg führen oder führten. Ginge es nämlich um Freiheit und Menschen, dann müsste die USA den Menschen in z.B. Syrien oder seinerzeit Libyen helfen. Andere Beispiele gib es zu Genüge. Kriege werden nur gegen Länder geführt, bei denen es sich wirtschaftlich lohnt. Alles andere ist Augenwischerei.
Außerdem braucht man sich nur die Ausgaben eines Jahres für Krieg anzusehen, und daneben die Ausgaben für Bildung oder Gesundheitswesen nur innerhalb der USA ansehen. Von Unterstützung für Arme will ich gar nicht erst anfangen. Allein daran erkennt man schon, wo die Interessen liegen.

Mir ist durchaus bewusst, dass nicht alle Amerikaner so sind, dennoch sind die Tatsachen einfach alles andere als gut. Das Argument, dass die Medien diese Themen künstlich aufbauschen, teile ich nicht. Ich bin ziemlich sicher, dass da noch viel mehr Mist unterm Teppich ist, von dem die Medien noch nichts wissen.

Ich muss sagen, mein Bild über die USA aus meinen Kindertagen hat sich gründlich geändert.

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