Zeitarbeit und befristete Verträge – Legale Zuhälterei?

Zugegeben, ein reißerischer und provokativer Titel.
Das Thema hat mich wieder „eingeholt“, da ich zwischenzeitlich kurz arbeitssuchend war. Viele der vom Arbeitsamt vorgeschlagenen Stellen waren Angebote von Zeitarbeitsfirmen. Außerdem haben sich diese Firmen auch über andere Wege bei mir gemeldet.

Als Gerhard Schröder noch Bundeskanzler war, hat die Bundesregierung Gesetze erlassen, die Zeitarbeit und befristete Arbeitsverträge erlauben, um die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.
Die Idee dahinter war an sich nicht schlecht. Zeitarbeit sollte z.B. ungelernten oder gering qualifizierten Arbeitnehmern mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt geben. Man hoffte außerdem, dass Arbeitnehmer, die von der Zeitarbeitsfirma „verliehen“ werden, sich bei der Arbeitsstelle so profilieren können, dass sie fest angestellt werden.
Der Arbeitgeber konnte hingegen schnell und flexibel so viele Kräfte ordern, wie er gerade brauchte, ohne sich um die üblichen Pflichten der Personalverwaltung kümmern zu müssen.
Befristete Arbeitsverträge haben natürlich auch ihre Vorteile, wenn sie so eingesetzt werden, wie der „Erfinder“ es sich gedacht hat. Denn eigentlich sollen Arbeitsverträge nur befristet ausgeschrieben werden, wenn es dafür plausible Gründe, wie ein endliches Projekt, Vertretung von Arbeitskräften in z.B. Elternzeit, usw. geht. So ist der Arbeitnehmer von Anfang an darauf vorbereitet, dass er sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nach neuer Arbeit umsehen sollte. Und der Arbeitgeber kann so ein „Loch stopfen“, ohne hinterher einen nicht mehr benötigten Arbeitnehmer zu viel zu haben.

Im Jahre 1999 habe ich ein paar Monate für die Firma Tremonia gearbeitet, um die Zeit zwischen Abitur und Bundeswehr zu überbrücken. Dort habe ich so meine Erfahrungen mit Zeitarbeitsfirmen gemacht. Denn wie so oft, sieht auf den Papieren der Regierung alles so gut aus, hat aber meist nicht viel mit der Realität gemeinsam.
Die meisten Arbeitnehmer dieser Firmen waren (zumindest damals) Ungelernte oder Menschen mit Migrationshintergrund.
Wir haben damals als Kommissionierer in diversen Warenlagern in der Umgebung und bei Paketdiensten gearbeitet. Das bedeutet, wir sind auf elektrogetriebenen Transportmitteln durch Lagerhallen gefahren, und haben Waren verteilt oder auf einer Palette gesammelt. Diese Paletten wurden dann auf LKWs verladen und zum Einzelhandel transportiert.
Natürlich wurde im Akkord gearbeitet. Es wurde von der Zeitarbeitsfirma auch eine Prämie ab einer bestimmten Stückzahl pro Tag versprochen.
Vermutlich hat die Firma nicht damit gerechnet, aber die Stückzahlen wurden erreicht, es wurde aber keine Prämie ausgezahlt. Statt dessen bekamen wir fadenscheinige Ausreden zu hören. Aber nicht mit mir. Ich habe meine Kollegen aufgeklärt, wir haben und zusammengeschlossen und den Jungs in der Niederlassung von Tremonia richtig Feuer unterm Hintern gemacht. Am Ende der Geschichte ist sogar der Oberchef der Firma angereist, um nach dem Rechten zu schauen. Ich konnte es zwar nicht beweisen, aber ich vermute, dass die Jungs sich die Prämie selbst in die Tasche stecken wollten.
Außerdem gab es teilweise eine ganz merkwürdige Firmanpolitik. Mir wurde auf den Kopf zu und unverblümt gesagt, dass auch wenn man vom Arzt krank geschrieben wird, man trotzdem arbeiten kommen darf/soll.

Um ehrlich zu sein, ich habe in meiner Zeit bei Tremonia keinen einzigen Kollegen getroffen, der von der Arbeitsstelle übernommen wurde. Die Arbeitgeber hatten auch nicht nur Vorteile von den Zeitarbeitern. So gab es einige Kollegen, die entweder keine Lust hatten, oder recht temperamentvoll waren, was sich natürlich erheblich auf die Arbeitsqualität auswirkte. Klar, der wurde dann von der Firma nicht mehr geordert. Aber trotzdem entstand so ein „Schaden“, auch wenn er nur aus Zeitverlust bestand.
Die Arbeitsbedingungen waren teilweise echt erbärmlich. Es gab Kollegen, die den ganzen Tag beladene Paletten mit so etwas, wie großer Frischhaltefolie umwickelt haben, damit diese beim Transport hielt. Diese Kollegen hatten nach wenigen Stunden erhebliche Rückenprobleme und rissige oder sogar blutige Hände. Das kümmerte aber keinen. Konnte ein Kollege nicht mehr, wurde er am nächsten Tag durch einen anderen ausgetauscht.
Hab dort auch eine Weile im Logistikzentrum von DPD gearbeitet. Wir haben die LKWs mit den Paketen ausgeladen und dann die Lieferwagen wieder damit beladen. Ein System, wie man verladen soll, gab es nicht. Egal, wie groß oder schwer das Paket war, es wurde einfach von der Rampe aus in den Wagen geworfen. Manche Pakete sahen nachher aus, wie Briefmarken oder eine Ziehharmonika.

In der letzten Zeit ist mir aber aufgefallen, dass Zeitarbeitsfirmen verstärkt nach gut ausgebildeten Fachkräften suchen. Es scheint also, dass es da einen großen Bedarf gibt.
Ich persönlich halte nichts davon. Wenn man etwas auf dem Kasten hat, sollte man sich nach einer Festanstellung umsehen oder sich selbstständig machen. Denn Zeitarbeitsfirmen sind eigentlich so ein Zwischending. Man Arbeitet nur zeitweise an „Projekten“ und wechselt dann wieder zu neuen Projekten, so wie es Selbstständige oft auch tun, aber man ist trotzdem fest angestellt. Der große Nachteil ist, dass die Zeitarbeitsfirma sich fürstlich bezahlen lässt, aber nur einen Bruchteil davon an den Arbeitnehmer weiter gibt.

Bei befristeten Arbeitsverträgen ist das Problem recht ähnlich. Eine eigentlich gute Idee wird missbraucht und der Arbeitnehmer verheizt und an kurzer Leine gehalten.
Denn meist werden diese Verträge nicht aus den oben genannten Gründen befristet ausgeschrieben, sondern mit der Ausrede, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer erst „kennenlernen“ will und schauen will, ob der Arbeitnehmer auch etwas taugt. Doch dafür gibt es eigentlich die Probezeit, die mittlerweile fast überall 6 Monate dauert. Der Arbeitgeber, der innerhalb dieser 6 Monate nicht erkennt, ob der Arbeitnehmer etwas taugt, sollte ich Gedanken darüber machen, ob er seinen Job gut macht.
In Wahrheit ist es eher so, dass man die Probezeit so „ausdehnt“, und den Arbeitnehmer nach Belieben rumschubsen kann. Denn der Arbeitnehmer hat immer den Gedanken im Kopf „Wenn ich dies und das nicht (gut) mache, dann wird mein Vertrag nicht verlängert“. Das nutzen viele Arbeitgeber schamlos aus.
Klar, die Befristung dauert immer eine bestimmte Zeit, und so ein Vertrag kann auch nicht unendlich oft verlängert werden. Nach einer bestimmten Anzahl von Verlängerungen muss der Arbeitnehmer entweder komplett freigestellt werden, oder unbefristet übernommen werden.
Der große Nachteil für Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen ist, dass sie zum einen „ausgeliefert“ sind, und zum anderen keine Planungssicherheit haben. Wenn die Chancen gut stehen, dass man z.B. in einem Jahr keine Arbeit mehr hat, dann wird man größere Anschaffungen und eine Familienplanung meiden.

Alles in allem habe ich meine Erfahrungen gemacht, und bin froh, dass ich nun wieder eine unbefristete Festanstellung habe.

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