Nach über 20 Jahren wieder das erste Mal in der alten Heimat

Manch einer wird wissen, ich bin in Polen geboren, und bin dort aufgewachsen, bis ich 9 Jahre alt war. Genauer gesagt in einer kleinen Stadt in Oberschlesien zwischen Oppeln und Tschenstochau.

Nachdem meine Eltern mit mir ausgewandert sind, war ich nur noch ein Mal dort, und zwar ein Jahr nach unserer Auswanderung. Seit dem sind über 20 Jahre vergangen.
Eigentlich habe ich mich noch an recht viel erinnert, aber vieles ist schon verblasst.

Der Anlass war, dass mein Onkel seinen sechzigsten und mein Opa seinen neunzigsten Geburtstag gefeiert haben. Meinen Onkel habe ich genau so lange nicht mehr gesehen, wie ich in Deutschland lebe. Meinen Opa habe ich so ca. 13 Jahre nicht mehr gesehen.

Wir sind von Köln aus nach Katowice geflogen. Um den Flughafen herum werden auch fleißig Schnellstraßen für die Europameisterschaft 2012 gebaut. Aber schon etwas außerhalb gibt es nur noch hauptsächlich Landstraßen, die auch noch in einem recht schlechtem Zustand sind.
Kaum aus dem Flugzeug gestiegen, roch es auch schon, wie in meiner Kindheit. Später habe ich überall gesehen, wo das herkam. Die Leute haben ihr Laub verbrannt. Das iist dort so üblich, und füllt die Luft mit diesem leichten Brandgeruch.

Ein Nachbar meines Onkels hat uns abgeholt. Die etwas über 80 km lange Fahrt dauerte über 90 Minuten. Wir wurden direkt zu einem Hotel gebracht, in dessen Saal die Feier statt fand. Da die Feier auch schon im Gange, als wir eintrafen. Daher wurde uns auch direkt Essen vorgesetzt, und vorgesetzt, und vorgesetzt…
Dazu stand Hochprozentiges auf dem Tisch, was die allgemeine Laune auch schnell steigerte, und wie in Schlesien üblich, in wilden Tänzen und Jubelschreien endete.

Wie erwartet habe ich so viel Wodka getrunken, dass ich irgendwann froh war, als ich im Bett lag.

Am nächsten Morgen mussten wir leider schon relativ früh los, was mir so ganz und gar nicht leicht fiel. Wir machten uns auf den Weg zu meinem Opa. Auf dem Weg da hin, haben wir eine kurze Tour durch die Stadt gemacht. Wir sind auch an dem Haus vorbei gekommen, in dem ich meine frühe Kindheit verbracht habe. Das Haus ist zwar immer noch das selbe, aber es hat sich viel geändert.

Außerhalb des Ortes machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Naherholungsgebiet, wo ich früher einige schöne Sommertage verbracht habe.

Am Haus meines Opas hat sich nicht viel geändert. Es kommt mir nur kleiner vor, als früher.

Mein Opa war nicht eingeweiht, so dass es für ihn eine große Überraschung war. Tatsächlich hat er mich anfangs auch gar nicht erkennt. Aber als wir ihm gesagt haben, wer ich bin, hat er vor Freude geweint. Er meinte, er ist so glücklich mich noch Mal vor seinem Tot zu sehen.

Nach der Feier, am nächsten Tag haben wir noch meinen Patentonkel in seiner Möbelfabrik besucht.

Zurück in meinem Geburtsort sind wir ein wenig zu Fuß durch die Stadt gestreift. Es war sehr merkwürdig für mich. Sehr viele Erinnerungen, die schon verblasst waren, kamen plötzlich wieder. Hier habe ich gespielt, da habe ich das gemacht, usw. So vieles fiel mir plötzlich ein. Und dennoch fühlte ich mich fremd. Es war, als würde man sich an einen alten Film erinnern.
Die Stadt kam mir nun auch kleiner vor, als in meiner Kindheit, obwohl sie sogar größer geworden ist. Aber so ist das wohl.

Dies ist z.B. die Grundschule, in die ich bis zur Mitte des dritten Schuljahrs gegangen bin.

Und dieses Gebäude ist das Haus der Pfadfinder. Dort wurde früher auch unterrichtet, wenn die Klassenräume in der Schule knapp wurden.
Im Winter sind wir im Sportunterricht nach draußen gegangen, es wurden zwei Teams gebildet, die sich in der den Hecken verschanzt haben, und so wurden wilde Schneeballschlachten geführt.

Dies ist die Kinderkrippe, in die ich besucht habe, bevor ich in den Kindergarten kam.

Und dies ist die Kirche, in der ich getauft wurde und in der ich auch meine erste Kommunion hatte.

Am letzten Abend besuchten wir noch meine ehemaligen Nachbarn, und damit meinen damals besten Freund und seine Schwester (gab mal wieder Wodka).

Der Rückflug war allerdings auch eine Erwähnung wert. Kurz vor Köln riss die Wolkendecke auf, es gab schönsten Sonnenschein, und das Flugzeug drehte beim Landeanflug eine Schleife direkt über Köln, so dass man Köln und den Dom richtig gut von oben sehen konnte. Da fühlte man sich doch gleich wieder heimisch.

Alles in allem war das eine anstrengende, aber sehr interessante Reise. Wir haben ständig gegessen und gesoffen. Haben aber auch viele „alte“ Gesichter wieder gesehen, und viele Erinnerungen aufgefrischt. Waren dann aber doch froh, als wir wieder daheim waren.

Und mir hat es wieder gezeigt, dass es nicht drauf ankommt, wo man geboren ist, sondern wo man sich wohl fühlt. Und für mich ist das Köln und Umgebung.

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