Lebensmittelskandal

In fast regelmäßigen Abständen hört und liest man von irgendwelchen Lebensmittelskandalen. Früher war es Rinderwahn, Schweinepest, Gammelfleisch, usw., aktuell ist es Dioxin.
Dann ist natürlich die Entrüstung groß, und jeder fragt sich, wie es so weit kommen konnte. Natürlich will niemand die Verantwortung übernehmen. Dass es in der Lebensmittelindustrie schwarze Schafe gibt, die das Gesetz übertreten, ist klar. Das ist überall so. Die Industrie kann uns aber auch ganz legal betuppen, da Gesetzte sehr schwammig sind. Man braucht sich nur anzuschauen, wie viel Kalb oder Leber in einer Kalbsleberwurst ist.

Bei dem ganzen Gemecker verlieren wir aber eines aus den Augen. Wir wälzen die Verantwortung gerne auf Ämter, Behörden, Regierung oder die Industrie ab. Ist ja auch bequem, die werden schon darauf achten, dass ich nichts mache, was mir schadet.
Damit gibt man aber die Macht, die man eigentlich hat, ab. Und diese Macht ist immens. Wir als Konsumenten könnten eigentlich den Markt mit unserer Nachfrage bestimmen. Wenn etwas schlecht oder ungesund ist, dann wird (oder besser gesagt sollte) es nicht gekauft werden, und würde von selbst vom Markt verschwinden.

Leider lassen wir uns immer mehr von unserer Faulheit, Geiz und Werbung leiten, statt von unserem gesunden Menschenverstand.
Man muss sich ein Mal klar machen, wo die Ursache für solche Skandale liegt. Die Ursache ist nämlich nicht (allein) der Geiz der Hersteller oder irgendwelche „Unfälle“. Das sind nur die Symptome. Die eigentliche Ursache ist unsere „Geiz ist geil“-Mentalität, die sich in den letzten Jahren ausgeprägt hat. Bestes Beispiel sind die aktuell verseuchten Eier. Um vielleicht 2 Cent pro Ei zu sparen, kauft man nicht die Eier aus Freilandhaltung, oder gar vom örtlichen Bauern (sofern es einen gibt), sondern geht zum Discounter und kauft sich das Billigste vom Billigsten. Egal, ob es von Hähnen aus Legebatterien stammt, oder nicht.
Da hört nämlich der Verstand auf zu denken. Aber wenn man nur kurz weiter denkt, wie der so niedrige Preis beim Discounter zur Stande kommt, kommt man schnell auf das eigentliche Problem. Um die Eier so günstig verkaufen zu können, müssen sie noch günstiger hergestellt werden. Dazu gehört eben, dass man den Tieren kaum Platz gibt, sie mit Futter aus dubiosen Quellen füttert, usw. Um am Markt zu bestehen, muss der Hersteller zu solchen Mitteln greifen, da wir als Konsumenten zu dem Hersteller wechseln, der billiger ist, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste.

Gleiches gilt natürlich für Zusatzstoffe, wie Geschmacksverstärker, Farb- und Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel usw. Es werden Lebensmittel mit Glutamat (einem Geschmacksverstärker) verkauft, weil dieser Stoff billiger als Salz und Pfeffer ist. Das muss man sich Mal vorstellen.
Vielen Menschen, die regelmäßig Fertig- oder Instantprodukte zu sich nehmen, schmeckt ein Essen, dass ausschließlich mit natürlichen Zutaten zubereitet wurde, nicht. Warum? Weil sie es gewohnt sind, Etwas zu essen, was „mehr“ schmeckt. „Mehr“ weil durch Geschmacksverstärker gepusht. Ist das nicht krank?
So braucht man sich nicht zu wundern, warum es ausgerechnet so viele Allergieleiden gerade in den Industrienationen gibt.

In den letzten paar Jahren ist „Bio“ über uns hergeschwappt, wie ein Tsunami. Mittlerweile bekommt man kaum noch etwas, wo nicht „Bio“ drauf steht. Wo aber „Bio“ drauf steht, ist natürlich auch der Preis höher. Ist das „echtes“ Bio, dann ist der höhere Preis auch gerechtfertigt. Die Frage ist aber eher, ob es so viel „Bio“ überhaupt geben kann. Und die Antwort ist ein ganz klares „Nein“. Es ist einfach agrartechnisch nicht möglich.

Natürlich wird der eine oder andere anmerken, dass es teuer ist, sich „gesund“ oder „bewusst“ zu ernähren. Ich sage, dass es nicht teuer, sondern teurer ist. Wobei selbst das ist nur die halbe Wahrheit.
Deutschland ist eines der Länder, dessen Einwohner am wenigsten Geld für Lebensmittel im Verhältnis zu ihrem Einkommen ausgeben. Und selbst dieser Betrag sinkt immer noch.
Das liegt sicher zum Teil an den anderen hohen Kosten (Miete, Auto, …) aber auch an unseren Prioritäten. Früher war das „sich vom Mund absparen“ üblich, weil man keine andere Möglichkeit hatte. Heute kaufen wir lieber Öl für über 50 € für unser Auto, aber dann das Olivenöl für 1,99 € für uns. Auto, Urlaub, Flachbildfernseher, Markenklamotten, … alles ganz schön. Aber wenn man es vom Mund absparen muss, dann ist es das nicht wert.

Natürlich gibt es auch Geringverdiener oder Arbeitslose. Aber auch hier gibt es Wege und Mittel. Bei solchen Menschen ärgert es mich dann so richtig, wenn sie über die hohen Lebensmittelpreise schimpfen, und sich im gleichen Atemzug eine Zigarette anstecken (damit will ich nicht sagen, dass alle oder nur Geringverdiener oder Arbeitslose rauchen).
Wenn Geld da ist, um es zu verbrennen, dann ist auch Geld für Lebensmittel da. Wenn nicht, sollte man sich überlegen, ob man lieber Zigaretten, oder etwas zu Essen kauft.

Aber wie war das früher, oder wie ist das jetzt teilweise noch in ärmeren Ländern? Damals hatten die Menschen, wenn sie Probleme mit der Ernährung hatten in der Regel eher Mangel- oder zu einseitige Ernährung. Das lag aber meistens nicht daran, dass sie es sich nicht leisten konnten, sondern weil es nichts (anderes) gab.

Heutzutage ist Deutschland mit einem Netz aus Filialen von Lebensmitteldiscountern überzogen. Wir sind es gewohnt, dass man fast jedes Lebensmittel zu jeder Zeit kaufen kann. Dadurch haben wir verlernt vorausschauend Vorräte anzulegen und saisonal zu kochen. Früher hat man das Obst und Gemüse gegessen, welches gerade Saison hatte. Was übrig blieb, wurde eingekocht, eingelegt, oder irgendwie anders haltbar gemacht.
Heute bekommt man fast jedes Obst und Gemüse zu fast jeder Jahreszeit. Dafür ist es dann aber teurer (was die „teure“ Ernährung erklärt), oder von schlechter Qualität (siehe Lebensmittelskandale).

Was lernen wir daraus? Ich denke, es ist ein hausgemachtes Problem.
Auch ich esse gern mal ab und an „fiese“ Sachen. Das aber immer weniger.
Ich tendiere immer mehr dazu Sachen selbst zu machen, dann weiß ich auch, was drin ist (z.B. selbstgemachte Tomatensauce vs. Maggi-Packung). Ich drehe jetzt auch immer öfter, Verpackungen rum, und lese nach, was da so drin ist. Ist schon erstaunlich, wie viel unnötiges Fett, Zucker und Geschmacksverstärker sich in vielen Produkten verbergen.
Ich esse lieber weniger Fleisch, dafür aber Gutes vom Metzger, und nicht das billige und abgepackte aus dem Supermarkt.

Solche Maßnahmen gaben natürlich keine 100%ige Sicherheit, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch geringer, dass etwas schief geht.

Der Spruch „Man ist, was man isst“ ist halt 100% richtig. Das, was wir essen, fällt ja nicht einfach von oben nach unten durch uns durch. Daraus wird unser Körper aufgebaut und regeneriert. Und wenn man dem Körper nur Mist als Baustoff gibt, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass man krank wird.
Der teuerste Ferrari wird nicht wirklich gut funktionieren, wenn man Rapsöl tankt und die Räder von einem Fiesta dran schraubt.

Man sollte sich gut überlegen, ob einem Geld, oder der eigene Körper wichtig ist. Geld kann man verdienen, aber man hat nur den einen Körper (und das wird noch lange so bleiben).

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2 Gedanken zu “Lebensmittelskandal

  1. Ich stimme dir voll zu, ich bin seit 10 Jahre Vegetarierer und esse grundsätzlich keine Fertigprodukte und wenn doch, wie z.B. Gemüsebrühe oder Streichkäse, dann achte ich darauf das kein Aroma oder Geschmacksverstärker drin ist.
    Versteckt sich auch in Hefeextrakt oder Würze, ist dann aber nicht deklarationspflichtig.

    Ich bin sogar der Meinung, das diese ganzen Aromen dazu dienen die Verbraucher auf bestimmte Geschmacksrichtung zu programmieren, denn wenn man Kinder von klein auf solche Produkte zum Essen gibt, dann schmeckt ihnen Selbstgemachtes noch kaum.
    Sogar in Säuglingsnahrung findet man Aromen.

    Mein Neffe hat früher mit 3-5 Jahre mit Genuß eine ganz Honigmelone vertputzt, seitdem er angefangen hat Johgurts und anderen Süßigkeiten zu essen hat schmnecken sie ihm nicht mehr, nicht süß genug sagt er.

  2. Hi Johny, stimme dir voll und ganz zu. Wirklich schlimm was heutzutage alles in unseren Lebensmitteln steckt. Möchte gar nicht wissen, welche spät folgen da irgendwann noch entdeckt werden. Und dann ist das Geschrei groß. Hab dazu gerade ein spannenden Artikel auf einem Blog von einem Bekannten gelesen. Der Artikel heißt Lebensmittelskandale sind gut!, es geht darum, dass die Menschen eventuell von Zeit zu Zeit mal einen kleinen Denk Anstoß brauchen um auf solche Probleme überhaupt aufmerksam zu werden. Aber leider gehen die meisten Leute da viel zu naiv ran.

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