Photokina 2010

In diesem Jahr gab es endlich wieder eine Photokina in Köln. Die Photokina ist die weltgrößte Messe für Fotografie.
Dabei werden aber nicht nur Fotoapparate vorgestellt, sondern mehr oder weniger alles, was nur im entferntesten mit Fotografie zu tun hat. Darunter fallen solche Sachen, wie Taschen, Stative, Beleuchtungsmittel, Drucker, Bildschirme, Fotobücher, Ferngläser, Software, Online-Dienste und Communitys, usw.
Das Besondere dieses Jahr war die erste Halle, in der die Visual Gallery untergebracht war. Eine ganze Halle, wo nur Bilder vieler renommierter Künstler ausgestellt wurden. Außerdem gab es dort viele interessante Abschlussarbeiten von Studenten, Siegerbilder aus Wettbewerben und man konnte seine Mappe von Profis bewerten lassen.

Ich hatte das Glück zwei Mal hingehen zu können. Ein Tag hat einfach nicht ausgereicht sich alles anzuschauen. Selbst an den zwei Tagen, an denen ich da war, musste ich relativ schnell überall durch, sonst hätte es nicht gereicht.
Trotz alldem, bei den (für mich) interessanten Ständen, blieb ich etwas länger.

Aus meiner Sicht kristallisieren sich hauptsächlich drei Punkte heraus, die im Moment noch in den Kinderschuhen stecken, die aber in nächster Zukunft stark im kommen sein werden.

3D-Bilder und Filme

Fast jeder große Hersteller bringt nun 3D-Systeme für Videokameras, dSLRs und Kompaktkameras heraus. Sei es, dass die Geräte von vorn herein auf 3D ausgelegt sind, oder einfach Zubehör, wie spezielle Objektive, anbieten.
Passend dazu werden auch direkt die Wiedergabegeräte, wie 3D-Bildschirme und die zugehörigen Brillen vorgestellt. Panasonic präsentierte z.B. einen 152 Zoll großen 3D-Bildschirm.
Auf dem Fuji-Stand habe ich dann gedruckte 3D-Bilder gesehen. Die erinnern an alte Postkarten, mit so einer Art alten 3D-Effekt.
Noch ist die Technik meiner Meinung nach nicht ausgreift, ist ja auch noch relativ jung. Aber das, was jetzt schon möglich ist, ist recht beeindruckend. Als Beispiel wurden Urlaubsvideos oder Videos von einem Kindergeburtstag in 3D gezeigt. Ich denke, dass die Zielgruppe, die solche Videos macht, ganz angetan sein wird. So ein 3D-Video wirkt natürlich viel realistischer und plastischer, als ein herkömmliches Video.
Eigentlich fehlt nur noch ein Photoshop 3D. Man will ja seine 3D-Bilder sicher auch nachbearbeiten.

Kompakte Systemkameras

Das ist eigentlich nicht der richtige Name dafür, aber es gibt noch keine einheitliche Bezeichnung für diese noch relativ neue Art von Kameras.
Dabei sind Kameras gemeint, die mehr oder weniger die Ausmaße von Kompaktkameras haben, die aber die Möglichkeit bieten Objektive zu wechseln.
Ich denke, dass solche Systeme viele Käufer locken werden, die zwar ambitioniert sind, aber keine Lust haben schweres Equipment zu tragen.
Diese Systeme bieten mittlerweile Sensoren im APS-C-Format (also genau so groß, wie bei meiner Nikon D90), und viele Funktionen, die einer ausgewachsenen dSLR ebenbürtig sind. Ja nach Bedarf gibt es Universalobjektive mit einem großen Brennweitenbreich, aber auch z.B. lichtstarke Festbrennweiten.

Verschmelzung von Foto- und Video-Kameras

Meine Nikon D90 war ja eine der ersten dSLRs, die eine Video-Funktion bieten. Zugegeben, die Video-Funktion meiner D90 ist nicht wirklich ausgreift, aber seit dem hat sich auf diesem Sektor auch einiges getan.
Zubehöranbieter bieten mittlerweile Systeme für dSLRs, die aus der Fotokamera eine wirklich brauchbare Videokamera machen. Wenn man diese Systeme zusammenbaut, erkennt man aus der ferne gar nicht, dass es eine SLR ist.
SLRs bieten für relativ günstiges Geld gute Bildqualität und die Möglichkeit alle Objektive zu nutzen. Das ist auf jeden Fall ein Anreiz für ambitionierte Hobby-Filmer.
Wobei ich kürzlich irgendwo gelesen habe, dass die letzte Folge von Dr. House komplett mit Canons 5D gedreht wurde.

Es gibt sicherlich noch andere Neuerungen mit Zukunft, aber von z.B. dem Druckbereich habe ich keine Ahnung, und kann daher auch nichts dazu sagen.

An sonsten gab es auf der Photokina noch viel drumherum zu sehen.
Auf dem Leica-Stand gab es große Schwarzweiß-Porträts. An sich erst Mal nichts Besonderes. Aber irgendwie wurden die Augen so herausgearbeitet, dass sie richtig stechen. Man kann da einfach nicht wegschauen.
Man konnte von allen wichtigen Objektiv-Herstellern (Nikon, Tamron, Sigma, Zeiss, usw.) die aktuellen Objektive ausprobieren. Auch solche, die in freier Wildbahn mehrere Tausend Euro kosten.
Gleiches gilt für die Kamerahersteller. So konnte ich die neue Nikon D7000 ausprobieren. Tolle Kamera.

Zu bewundern gab es auch den weltgrößten Matrix-Ring. Das sind ein Haufen Kameras, die in einem Kreis angeordnet sind, und gleichzeitig ausgelöst werden. In der Mitte des Kreises ist dann das Motiv, z.B. springende Personen. Aus den einzelnen Bildern wird dann ein Film zusammen gesetzt. Das hat den Effekt, als würden die Menschen in der Luft hängen, während eine Kamera um die Personen schwenkt.

Auf dem Sony-Stand war eine Half-Pipe aufgebaut, in der sich BMX-Fahrer und Skater ausgetobt haben.

Natürlich gab es auch hier und da Modells, die sich oben ohne ablichten ließen. Meist durch Body-Painting „verdeckt“. Bei diesen Mädels bildeten sich in kürzester Zeit Trauben von alten Männern, die ihre dicksten Objektive ausgepackt haben ;-D
Daher ist es nicht verwunderlich, warum in der fotocommunity das Mädel mit dem Testbild auf der Brust gefühlte 100 Mal am Tag auftaucht.

Fuji hat einen Prototyp einer Kompaktkamera (X100) in alter Optik vorgestellt. Die Kamera bietet einen APS-C Sensor, ein fest verbautes Festbrennweiten-Objektiv und einen Sucher, den man zwischen optisch und digital umschalten kann. Das erklärte Ziel ist kompromisslose Bildqualität.
Grundsätzlich finde ich die Idee ganz gut. Ich kenne Fuji von früher, und kann nur sagen, dass sowohl die Kameras, wie auch die Prints von Fuji bisher das Beste sind, wenn es um leuchtende Farben geht.
Allerdings soll die Kamera um die 1000 € kosten. Ich zweifle doch sehr stark daran, dass die Kamera ein wirklicher Erfolg wird bei dem Preis. Hat sie doch starke Konkurrenz, in diesem Bereich, die günstiger ist, und Wechselobjektive bietet.

Nach meinem Geschmack hatte aber die Firma Lomo den schönsten Stand. Er war in einem der Zwischenhallen, oder besser gesagt Treppenhäusern unter gebracht. Aber aus der Not hat Lomo etwas schönes gezaubert. Diese Treppenhäuser sind lichtdurchflutet, und das wurde ausgenutzt. Ohne besondere Beleuchtung, dafür mit einer guten Idee. Unzählige mit Lomo-Kameras erstellte Bilder wurden auf Klebefolien aufgezogen und dann damit der Boden und die Wände beklebt. Das war ein toller Effekt. Selbst die „Verkäufer“ entsprachen nicht dem „Standard“. Junge Menschen, von ganz „normal“ bis öko (zu erkennen an Kleidung, Frisur und Körperschmuck) statt den üblichen Messen-Babes und Schlipsträgern.
Lomo schwimmt komplett gegen den Strom. Sie bieten relativ günstige und kleine Analog-Kameras an, die sich wie Spielzeug anfühlen. Die Kameras machen eigentlich technisch schlechte Bilder. teilweise unscharf, verzogen, farbenunecht, Randabdunkelung. Aber gerade das macht den Reiz und Charme, ähnlich wie bei Holga aus.
Mein Ding ist es zwar nicht, aber man kann schon eine Menge Spaß damit haben.

Wie immer gab es dort Leute, die ihr komplettes Equipment, wie ein Esel mit sich herumschleppten. Verstehe das wirklich nicht. Aber gut, jedem das seine. Ich bin mit einem Objektiv ausgekommen (28-75mm).
Außerdem sind die Greifvögel aus Hellenthal da gewesen, und es wurde auch eine Flugshow abgehalten. Ich war ja schon in Hellenthal und fand es großartig. Aber mitten in Köln, und mit Tausenden Menschen, ich weiß nicht, ob das so gut für die Tiere ist.

Mein Highlight waren definitiv die zahlreichen Bilder und die Ausstellungen. Leider laufen viele Fotografen der Technik nach, und glauben, dass sie mit besserer Technik auch bessere Bilder machen. Das ist natürlich Quatsch.
Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger sich mit der Fotografie auseinander zu setzen. Dazu gehört auch sich Bilder von richtigen Künstlern und Leuten, die Ahnung davon haben, anzuschauen. Sonst kommt man nie darüber hinaus immer nur die gleichen langweiligen Sachen zu fotografieren. Ein wenig über den Tellerrand schauen hilft da ungemein.
Dabei gab es z.B. einen Künstler, der relativ ungewöhnliche biss schockierende Bilder auf weißen Wänden ausgestellt hat. Man konnte sich dann einen Bleistift von ihm ausleihen und irgendwas auf diese Wand schreiben. Das fand ich sehr interessant, denn die Kommentare waren, wie die Bilder auch, polarisieren. Von „traumhaft“ bis“Du braucht einen Psychiater“ war alles dabei. Fand ich gut, denn so konnten die Zuschauer nicht nur konsumieren, sondern auch aktiv werden.

Es gab auch bedrückende Bilder von einer heroinabhängigen Frau, die dann auch verstorben ist, Kinderbräuten in Kleinasien, abstrakte Bilder aus großen Höhen und vieles mehr.
Am besten fand ich die lustige Arbeit „Die Wahrheit über die Mondlandung“ von Thomas Herbrich. Hier wurden gekonnt die NASA, wie auch die Verschwörungstheoretiker auf die Schippe genommen. So kann man dort „lernen“ wie z.B. der Countdown „erfunden“ wurde. Sehr amüsant.

Alles in Allem war die Photokina sehr interessant und sehenswert. In zwei Jahren bin ich wieder dabei.

Big 3D-Screen Big Nikon-Lenses Big eyeglasses Lens Cross-Section B/W-Portrait on the Leica-Booth Zeiss-Booth


Sigma 200-500mm F2,8 EX DG Shooting on the Sigma-Booth Meeting Lomo Booth Lomo Matrix-Ring


Half-Pipe on the Sony-Booth Touch Waterfall Acryl

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s